Der Landesparteitag der Berliner CDU hat Kai Wegner mit fast 93 Prozent zum Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September gewählt. Diese Nachricht ist zwar neu, kommt aber nicht sehr überraschend, da die Berliner CDU keine echte Alternative hat. Das Interessante daran jedoch ist, dass die CDU nun mit einer lahmen Ente als Spitzenkandidat in den Berliner Wahlkampf zieht. Und zwar mit Kalkül.

In den USA werden Politiker als „lame duck“ bezeichnet, die keine Aussicht auf eine Wiederwahl haben und während ihrer verbleibenden Amtszeit bis zur Inthronisierung des Nachfolgers lahm vor sich hindümpeln. Die Umfragen für die Berliner CDU sind schlecht: von 28,2 Prozent seit der letzten Wahl 2023 auf derzeit 20 Prozent abgerutscht. Und das Image des Regierenden ist mehr als schlecht: Nur noch 17 Prozent der Berliner sind mit Wegner zufrieden. Der Spitzendkandidat ist durch zahlreiche Affären verbrannt. Doch warum stellt die CDU dann Wegner noch auf?

CDU ist wenig revolutionär und noch dazu alternativlos

Tatsächlich wäre da doch ein Königsmord angebracht. Um sich mit einem frischen Gesicht zu präsentieren. So etwa wie bei der SPD beim legendären Bundesparteitag in Mannheim 1995, als Oskar Lafontaine nach einer fulminanten Rede den stets etwas schläfrig wirkenden Rudolf Scharping kurzerhand vom Thron stürzte und sich zum Volkstribun seiner Genossen aufschwang. Oder wenigstens ein Mordversuch. So wie neulich bei der FDP, als Strack-Zimmermanns Dolch nicht tief genug in der Brust von Kubicki stecken blieb, nur 40 Prozent tief. Doch wenigstens weiß Kubicki nun laut Strack-Zimmermann, „wo der Hammer hängt“.