An italienischen Restaurants herrscht an Rapperswils Seepromenade kein Mangel. Den meisten Platz beansprucht Pizza-Riese Dieci mit seiner weitläufigen Terrasse, doch seit Anfang August fällt ein anderer Italiener zuerst ins Auge: das Caffè Ristorante Bacino. Signalrot zieht sich über Wände, Möbel, Geschirr und Menukarten. Übersehen lässt sich das Restaurant kaum.12AHEADGeschirr, Dekorobjekte und weitere Keramiksachen sind handgefertigt von der sizilianischen Keramikmanufaktur Ceramiche Siciliane Pattesi.Untergebracht ist es im ehemaligen Ristorante San Marco, das nach einer siebenmonatigen Totalsanierung kaum wiederzuerkennen ist. Übernommen hat es die Zürcher Unternehmerfamilie Brucker. Jan und Regula Brucker führten fast zwanzig Jahre das Widder Hotel in Zürich und betreiben heute unter anderem das Boutiquehotel Signau House & Garden und das Restaurant Lumière. Geschäftsführer und Gastgeber des «Bacino» ist Sohn Luis Brucker mit einem rund zwanzigköpfigen Team. Seine Schwestern Janina und Gioia Brucker verantworteten das Interior, Gioia zudem den visuellen Auftritt inklusive Grafik- und Webdesign. Bei den Bruckers bleibt damit einiges Familiensache.Ein Familienprojekt: Gioia und Luis Brucker sind beide involviert im «Bacino».12AHEADItalienisch auf zwei EtagenKulinarisch ist das Haus auf zwei Etagen aufgeteilt. Im Erdgeschoss kümmert sich Pizzaiolo Oscar Luigi Ielardi um Pizza und Pasta. Seinen neapolitanischen Teig hat er für Rapperswil etwas angepasst: Der Boden ist fester und hat mehr Biss als das oft sehr weiche Original. Während die neapolitanische Pizza in den Städten seit Jahren verbreitet ist, bevorzugt man sie in Rapperswil offenbar noch etwas klassischer. Lange Teigführung und kurze Backzeit im sehr heissen Ofen bleiben bestehen. Eine Sauce aus sonnengereiften Tomaten und cremigem Mozzarella sorgen dafür, dass dabei nichts an Geschmack verloren geht. Belegt werden die Pizzen etwa mit Ventricina und ‹Nduja, Mortadella und geräucherter Stracciatella oder Fenchel-Salsiccia und Kartoffeln.Das Erdgeschoss des «Bacino» bietet 45 Innenplätze und 72 Terrassenplätze, das Obergeschoss 45 Innenplätze und 44 Terrassenplätze.12AHEADRund fünfzig Meter entfernt betreibt das «Bacino» ein eigenes «Pizza Lab»: Wo zuvor Büroräume waren, stellen Ielardi und sein Team Pizza- und Pastateige selbst her. Durch die grossen Fenster können Passanten beim Kneten und Portionieren zusehen. Auch hier machen die rot-weissen Elemente die Zugehörigkeit zum Restaurant unverkennbar.Eine Etage höher wird die Karte grösser. Hier kocht Alessio Zappia, zuvor bei dem in Zürich bekannten italienischen Koch Antonio Colaianni in der Trattoria Freilager, zugängliche italienische Küche mit viel Comfort Food.Alessio Zappia kocht in der oberen Etage für die Gäste des «Bacino».12AHEADDas Rindstatar kommt mit Feigen-Senf und Birnen-Pecorino auf frischem Brot, die Polpette in einer aromatischen Tomatensauce. Das Fritto misto hat eine feine, feste Panade und wird mit einer würzigen Mayonnaise serviert, dazu gibt es Fregola mit Garnelen-Bisque, Romanesco-Crème und frischem Zitronengel. Besonders gefallen haben die Ravioli alla Carbonara mit cremiger Füllung und knusprigem Guanciale. Danach bringt der Zander mit Tomatensauce und schwarzen Oliven etwas Leichtigkeit.Alle Gerichte verfügen über frische, sorgfältig ausgewählte Zutaten und eine unkomplizierte Zubereitung. Wer die Küche von Antonio Colaianni kennt, kann sich einbilden, dessen italienische Wohlfühlküche darin zumindest ansatzweise wiederzuerkennen.Ein süsser AbschlussDas für ein italienisches Restaurant schon fast obligat zu bestellende Tiramisù wird passend zum Namen «Bacino» in Lippenform serviert, schliesslich heisst «Bacino» neben «Seebecken» übersetzt auch «Küsschen». Verantwortlich für die Desserts ist die Pâtissière Noemi Ferraina, die in Rapperswil aufgewachsen ist und ihre Ausbildung einst im Widder Hotel absolvierte.Das Tiramisù Bacino greift den Namen des Restaurants auf.sie.Später, wenn die Sonne über dem See untergeht, man von der Terrasse die Wellen hört, dazu italienische Musik und auf den Tischen die kleinen Lampen angehen, bekommt das «Bacino» tatsächlich etwas von einem Restaurant an der Riviera. Die Stimmung ist ungezwungen, und in diesem eleganten Ambiente fühlt man sich hier eher wie in Italien als in einem klassischen Restaurant am Zürichsee.NewsletterNewsletterDie besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.Kostenlos abonnierenCopyright © Neue Zürcher Zeitung AG. Alle Rechte vorbehalten. Eine Weiterverarbeitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung zu gewerblichen oder anderen Zwecken ohne vorherige ausdrückliche Erlaubnis von Neue Zürcher Zeitung ist nicht gestattet.