Der 11. September 2001 veränderte die Welt. Doch nicht allein die Anschläge in New York und Washington waren der Grund dafür. Mindestens ebenso folgenreich war die geopolitische Reaktion der Vereinigten Staaten von Amerika. Aus dem Schock über den größten terroristischen Angriff der Geschichte entwickelte sich ein globaler „Krieg gegen den Terror“, der die USA über zwei Jahrzehnte militärisch, finanziell und politisch band und überforderte. Afghanistan, Irak, Pakistan, später weitere Schauplätze im Nahen Osten. Die Vereinigten Staaten kämpften an vielen Fronten gleichzeitig und verloren dabei zunehmend den Blick für große geopolitische Verschiebungen in Osteuropa und Ostasien.

„Amerika hat schon früher Feinde besiegt, und das werden wir auch dieses Mal tun. Keiner von uns wird diesen Tag jemals vergessen“, verkündete US-Präsident George Bush in einer Fernsehansprache am Abend des 11. September 2001. In seiner Rede wurde deutlich, wie heftig die Vereinigten Staaten und das eigene Selbstverständnis getroffen wurden. Immerhin hatte seit den Briten niemand gewagt, das amerikanische Festland anzugreifen – und das war 1814. Der japanische Angriff auf Pearl Harbor war zwar auch traumatisch, fand allerdings Tausende Kilometer entfernt mitten im Pazifik statt.