Interview«Wollen wir mehr oder weniger Wohlstand?» - Für den neuen Economiesuisse-Präsident Silvan Wildhaber ist das die alles entscheidende FrageStabwechsel beim Dachverband der Schweizer Wirtschaft. Der neue Präsident ist Unternehmer und möchte den Politikern die Probleme aus seiner Sicht erklären. Seine Kollegen fordert er dazu auf, sich ebenfalls mehr Gehör zu verschaffen.11.09.2026, 05.30 Uhr11 Leseminuten«Ich bin Unternehmer, ich weiss, was es heisst, an jedem 25. des Monats die Löhne zu zahlen», sagt der Economiesuisse-Präsident Silvan Wildhaber, hier im Gespräch in der NZZ-Redaktion Anfang September 2026.Karin Hofer / NZZSeine Wahl zum Präsidenten des Dachverbands der Schweizer Wirtschaft war eine Überraschung. Silvan Wildhaber leitet zwar ein erfolgreiches mittelgrosses Familienunternehmen. Er war im Textilverband aktiv und bei den Freunden der FDP. Aber auf nationaler Ebene ist er bisher kaum in Erscheinung getreten. Nun übernimmt er von Christoph Mäder die Leitung von Economiesuisse. Was hat ihn dazu bewogen, was sieht er als die grössten Herausforderungen, und was will er in seiner neuen Funktion erreichen? Darüber haben wir uns mit ihm unterhalten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Frage: Herr Wildhaber, die letzten vier Präsidenten von Economiesuisse waren alles Personen, die zuvor eine leitende Stellung in einem Schweizer Konzern innehatten. Sie sind CEO und Verwaltungsratspräsident eines St. Galler Textilunternehmens mit rund hundert Mitarbeitern. Was wird sich ändern, wenn ein KMU-Mann den Dachverband der Schweizer Wirtschaft führt? Und sagen Sie jetzt bitte nicht «nichts».Antwort: Der Absender ändert sich. Ich bin ein aktiver Unternehmer, ich weiss, was es heisst, Jobs zu schaffen und an jedem 25. des Monats die Löhne zu zahlen. Meine Produkte gehen zu über 80 Prozent in den Export, und mir ist deshalb sehr bewusst, wie wichtig offene Märkte sind. Zudem bin ich mit meinen 48 Jahren wohl einer der jüngsten Präsidenten. Der Verband wollte auch einen Generationenwechsel vollziehen.Frage: Aber werden die erfahrenen Konzernvertreter Sie auch ernst nehmen? Diese führen in der ganzen Welt aktive Unternehmen mit Zehntausenden von Mitarbeitern, und dann vertritt jemand ihre Interessen, der ein KMU leitet.Antwort: Auch die Vertreter der grossen Firmen haben mich zum Präsidenten gewählt; es ist auch ihr Wunsch gewesen. Sie sind danach zu mir gekommen und haben gesagt: «Wir haben eine Riesenfreude, dass du das machst.» Das beflügelt mich.Frage: Zeigt das nicht auch, dass die Grossen die Verbandsarbeit nicht mehr als prioritär erachten?Antwort: Die CEO der Grosskonzerne sind heute sehr stark international gefordert. Die Swiss Re macht nur einen kleinen Teil ihres Umsatzes in der Schweiz. Aber ihr CEO Andreas Berger ist bei uns im Vorstand. Meine Erfahrung ist: Wenn der Economiesuisse-Präsident einen Termin beim CEO oder beim Verwaltungsratspräsidenten eines grossen Konzerns möchte, bekommt er ihn rasch. Dass im Alltagsgeschäft die Schweizer Verbandsstrukturen eher von Schweizern begleitet werden, halte ich für normal.Frage: Trotzdem: Die Interessen der Konzerne und der KMU sind oft unterschiedlich.Antwort: Das nehme ich nicht so wahr. Ich war schon ab 2011 im Verband Swiss Textiles aktiv und vertrat diesen ab 2014 bei Economiesuisse. Ich kenne die Verbandsarbeit, die verschiedenen Branchen und natürlich auch die Bedürfnisse und Wünsche der grossen Unternehmen. Mir ist bewusst, wie viel sie für unser Land leisten. Was ich spannend finde: Die Chefs dieser Konzerne haben auch eine stark unternehmerische Einstellung. Sie haben einfach eine andere Karriere gemacht. Ich habe ja ebenfalls drei Jahre bei der Credit Suisse gearbeitet. Nur habe ich dann den Sechser im Lotto gezogen, weil meine Familie ein KMU im wunderschönen Textilbereich besitzt und ich seine Leitung übernehmen durfte. Ein KMU übrigens, das über hundert Jahre alt ist und sich erfolgreich behauptet hat.Frage: Die Textilbranche in der Schweiz ist fast verschwunden. Wieso hat Ihr Unternehmen überlebt?Antwort: Die Textilbranche erzielt immer noch eine Wertschöpfung von über einer Milliarde Franken, hat in der Schweiz 12 000 Mitarbeiter und einige zehntausend im Ausland. Es gibt die Industrie nach wie vor, sie hat sich einfach verändert und spezialisiert. Ihr Kopf ist in der Schweiz, die Hand im Ausland und das Herz wahrscheinlich je nachdem hier oder dort. Die Geschichte meiner Firma ist ein typisches Stück Schweizer Industriegeschichte. Mein Urgrossvater war Textilingenieur und Auslandschweizer. Er ist von Deutschland zurückgekommen und hat sich nach dem Ersten Weltkrieg dazu entschieden, als Männedorfer nach St. Gallen zu gehen, weil da ein Textilcluster war. Dort begann er mit Stoffen zu handeln. Er konnte diese qualitativ sehr gut beurteilen. Selber haben wir erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu produzieren begonnen. Wir profitierten davon, dass die Schweiz vom Krieg unversehrt geblieben war, die Infrastruktur intakt war und man exportieren konnte. Danach ist der Strukturwandel auch über uns hereingebrochen. In den 1970er Jahren geriet auch unsere Firma mit der Erdölkrise in grosse Probleme. In den 1980er Jahren hat man die Weberei aufgegeben. Die Stickerei musste ich noch schliessen. Das tut mir bis heute weh. Aber es war nötig, und ich bin nie gegen Wandel und Fortschritt. Nur darum gibt es uns noch. Wir sind heute sehr spezialisiert in exportorientierten Nischen tätig und dort zum Glück sehr erfolgreich.Frage: Traditionell hat sich eher der Gewerbeverband um die Interessen der KMU gekümmert.Antwort: Um die Interessen vor allem der binnenorientierten KMU. Economiesuisse ist viel stärker exportorientiert. Unser Verband vertritt über 100 000 Unternehmen. 95 Prozent davon sind KMU. Ich sage immer, die brauchen eine Stimme, die können sich nicht wie die grösseren Firmen direkt in Bern oder Brüssel melden.Für Silvan Wildhaber lautet die entscheidende Frage: «Wollen wir mehr oder weniger Wohlstand?»Karin Hofer / NZZFrage: Sie wollen keinen Dünkel bei den Grossen erkennen. Auch nicht bei der Finanzindustrie gegenüber der Industrie?Antwort: Momentan sehe ich vor allem eine gute Zusammenarbeit mit den Banken, wenn es um die Anliegen bei der Bankenregulierung geht. Die Verzahnung von Finanz- und Werkplatz ist sehr eng. Die UBS wurde als Exportfinanzierungsbank für die Industrie gegründet. Ein bisschen mehr Handelsbank dürfte wieder sein, aber einen Gegensatz und Dünkel sehe ich nicht.Frage: Haben Sie sich überlegt, wo Sie in Ihrer neuen Funktion eigene Akzente setzen möchten?Antwort: Ich bin absolut überzeugt: Unser Wohlstand kommt von der Offenheit der Schweiz. Wir brauchen offene Märkte und Marktzugang. Ich finde, es muss ein Ruck durch unser Land gehen. Manche meinen offenbar, unser Wohlstand sei gottgegeben. Dem ist nicht so. Wir sind auf den Weltmärkten harter Konkurrenz ausgesetzt. Nur wenn wir dort bestehen, sind wir erfolgreich und können wir unseren Wohlstand wahren und mehren. Ich will mich deshalb hundertprozentig für die Freihandelsabkommen und für die Bilateralen III mit der EU einsetzen.Frage: Besteht nicht die Gefahr, dass die Schweiz in diesen Zeiten der geopolitischen Spannungen zwischen die Blöcke gerät?Antwort: Die Schweiz macht etwas immer gut: Sie erklärt sich. Manchmal erfolgreich, manchmal weniger. Unser Wohlstand weckt auch Neid.Frage: In Europa wird der Schweiz öfters vorgeworfen, wir seien Trittbrettfahrer in der EU und engagierten uns zu wenig. Mit den Bilateralen III könnte man dieses Problem etwas entschärfen, aber es gibt hierzulande grossen Widerstand. Was läuft da schief?Antwort: Der Widerstand kommt aus der Befürchtung, dass unsere direkte Demokratie betroffen sein könnte. Das will ich entkräften. Lassen Sie es mich deshalb in aller Deutlichkeit sagen: Ja, wir werden technische Regeln übernehmen. Das hilft den Unternehmen, weil dadurch unnötige Hürden vermieden werden. Aber es gibt keinen Entzug der direktdemokratischen Rechte. Die Wirtschaft braucht den Marktzugang und gleich lange Spiesse. Die entscheidende Frage ist: Wollen wir mehr oder weniger Wohlstand? Die Bilateralen führen zu mehr.Frage: Es gibt Unternehmer, für die der Marktzugang wichtig wäre, die die Bilateralen III aber ablehnen, weil sie zu viel Regulierung durch die EU fürchten.Antwort: Am Schluss ist es eine Abwägung. Ich sage nicht, es gäbe keine Nachteile. Aber erstens überwiegen für die Firmen eindeutig die Vorteile, vor allem der freie Marktzugang und die Personenfreizügigkeit. Und zweitens habe ich noch nie eine überzeugende Antwort von einem Gegner gehört, was passieren soll, wenn wir die Abkommen ablehnen. Die Verträge würden rasch erodieren, die EU Nadelstiche setzen. Die Gegner sagen, die Schweiz habe immer noch das Freihandelsabkommen von 1972 mit der EU. Darauf antworte ich jeweils: Haben Sie denn auch noch ein Nokia-Handy von 1998? Das ist etwa das Gleiche.Frage: Kritiker der Personenfreizügigkeit werfen den Firmen vor, sie hätten den Nutzen der Zuwanderung, würden die Kosten aber auf die Allgemeinheit abwälzen. Tut die Wirtschaft zu wenig, um die negativen Begleiterscheinungen bewältigen zu helfen?Antwort: Ich würde den Vorwurf gelten lassen, dass die Wirtschaft vor allem nach der Personenfreizügigkeit gerufen hat. Wir müssen uns auch für die Folgen mitverantwortlich fühlen und uns dafür einsetzen, dass die Begleiterscheinungen besser bewältigt werden. Wer mehr bauen will, muss mehr bauen können. Und wir müssen das inländische Arbeitskräftepotenzial besser nutzen – die Vereinbarkeit von Beruf und Familie spielt hier eine wichtige Rolle.Frage: Was halten Sie von der Idee einer mehr oder weniger freiwilligen Zuwanderungsabgabe?Antwort: Ich verstehe die Idee. Aber sie bürdet der Wirtschaft, die jetzt sowieso unter starkem Druck steht, noch höhere Kosten auf. Es gibt vielleicht intelligentere Instrumente.Frage: Und was sagen Sie zu der Befürchtung, dass unsere Kinder gar keine Stelle mehr finden werden, weil ihnen die künstliche Intelligenz die Arbeit wegnimmt?Antwort: Ich bin Optimist. Jede industrielle Revolution hat immer wieder neue Jobs geschaffen. Heute werden in Industriefirmen Maschinen von IT-Leuten bedient. Ob das bald auch die KI kann? Vielleicht, aber sie hat kein Erfahrungswissen, weiss nicht, wenn etwas an der Maschine nicht stimmt. Die Kontrolle über die KI wird beim Menschen bleiben. Zudem: Wir sind soziale Wesen. Menschen wollen riechen, sehen, hören und erleben. In diesen Bereichen wird es auch in Zukunft viele Jobs geben.Frage: Wo müssen Sie nun noch dazulernen?Antwort: Wenn es darum geht, die regulatorischen Themen der grossen Firmen besser zu verstehen, will ich sicher noch dazulernen. Dafür weiss ich, wie bedeutend es für den Wohlstand ist, dass die regulatorischen und bürokratischen Hürden nicht immer weiter zunehmen.«Der Wirtschaft fehlt etwas, was die Isolationisten rechts und die Gewerkschaften links haben: das Grassrooting, der Aktivismus», sagt Silvan Wildhaber. «Wir gehen am Morgen nicht direkt ins Kampagnenbüro, sondern zuerst einmal arbeiten.»Karin Hofer / NZZFrage: Alle klagen über die Überregulierung, und dann geschieht doch nichts.Antwort: Es darf einfach nicht sein, dass der Staat stärker wächst als die Wirtschaft. Und die Bürokratie ist ein echtes Problem geworden. Wenn mein Finanzchef schlechte Laune hat, dann ist es meistens, weil er elektronische Formulare von Bern ausfüllen muss, die nicht funktionieren, oder er Positionen, zu denen bereits ein E-Auszug vorhanden ist, einzeln erneut ausfüllen muss. So etwas regt mich auf. Oder das Theater mit Baubewilligungen. Ich glaube, in der Stadt Zürich brauchen sie inzwischen im Schnitt 300 Tage. Wir brauchen unbedingt eine Trendumkehr. Mit der Verwaltungsbremse unterstützen wir zum ersten Mal aktiv eine Initiative der Jungfreisinnigen im Sammelstadium.Frage: Das hört sich jetzt an wie das Parteiprogramm der FDP, in der Sie ja auch aktiv waren. Besteht nicht die Gefahr, dass der Präsident von Economiesuisse zu sehr als Parteienvertreter wahrgenommen wird?Antwort: Wenn es um meine politischen Überzeugungen geht, bin ich ein Liberaler. Als Präsident von Economiesuisse vertrete ich die Interessen der Wirtschaft. Bei der Finanzierung der Armee hat die FDP beispielsweise gesagt, dass sie keine neuen Steuern wolle. Wir bei Economiesuisse wollen auch nicht mehr Staatsbelastung. Aber bei der Armee sind wir überzeugt, dass wir Hand bieten müssen, weil die Landesverteidigung und die Sicherheit einfach zu wichtig sind. Darüber werde ich mit allen Parteien sprechen.Frage: Das ist ja sicher auch nötig. Mit den Bürgerlichen allein lässt sich beim Freihandel und in der Europapolitik keine Politik durchsetzen, wie sich gerade wieder gezeigt hat, als der Ständerat in einer unheiligen Allianz von der SVP und den Linken das Mercosur-Abkommen abgelehnt hat.Antwort: Das hat mich sehr geärgert. Da wird einfach völlig unnötig unser Wohlstand aufs Spiel gesetzt. Ich spreche mit allen, das ist mein Naturell. Ich denke, bei den Bürgerlichen ist es ein bisschen wie unter den Spitzenverbänden: Man hat 80 Prozent Konsens, in finanzpolitischen, ordnungspolitischen und wahrscheinlich auch in gesellschaftlichen Fragen. Um 20 Prozent gibt es immer wieder Diskussionen, die wir führen müssen. Darauf freue ich mich.Frage: Man muss situative Lösungen finden.Antwort: Die Staf-Vorlage war ein klassisches Beispiel dafür. Dort hat man gesagt: Wir brauchen eine Steuerreform, und dafür gibt es zwei Milliarden für die AHV. Ohne Freude, aber so funktioniert die Schweiz. Ich glaube, es ist wichtig, den Politikern die Probleme immer wieder auch aus unternehmerischer Perspektive zu erklären. Das ist wichtig, denn wir haben zu wenig Unternehmer im Parlament. Ich sage meinen Kollegen deshalb immer wieder: «Engagiert euch, ihr müsst gehört werden.»Frage: Ist das Präsidium von Economiesuisse für Sie das Trittbrett zu einer nationalen politischen Karriere?Antwort: Ich habe momentan gar keine anderen Pläne als Economiesuisse, die Firma und natürlich meine Familie.Frage: Derzeit macht sich eine gewisse Wohlstandsmüdigkeit breit. Der Wegzug der Bank Vontobel aus Zürich wird mit einem Schulterzucken hingenommen. Linke wollen hohe Unternehmenssteuern und weniger Firmen, weil sie sonst höhere Mieten und zubetonierte Natur fürchten, Rechte klagen über zu viele Ausländer und zu viel Wachstum in die Breite.Antwort: Sie verdrängen dabei, dass es die Unternehmen und ihre Mitarbeiter sind, die Steuern bezahlen, die Innovation antreiben und unseren Wohlstand sichern. Es macht mich betroffen, wenn sich Leute darüber freuen, dass Firmen wegziehen. Das zeigt, dass sie nicht mehr wissen, woher das Geld kommt, und dass es vielleicht zu lange gutging. Denjenigen, die die Zuwanderung kritisieren, sage ich jeweils, dass wir auch ehrlich über die tiefe Geburtenrate und die demografische Herausforderung sprechen müssen.Frage: Sie rufen Ihren Unternehmerkollegen zu: «Engagiert euch!» Aber was ist, wenn Sie 30 bis 50 Prozent Ihrer Zeit für Economiesuisse unterwegs sind und etwas passiert bei Ihrem KMU?Antwort: Das habe ich mir auch gut überlegt. Ich habe den Finanzchef, der seit 1992 bei uns ist, zu meinem Stellvertreter gemacht. Und wir haben mehrere langjährig tätige Führungspersonen, die viele Probleme selber lösen können. Ich bin ja auch nicht ab der Welt, man kann telefonieren.Frage: Sie haben noch junge Kinder. Wieso tun Sie sich das an und übernehmen das Präsidium von Economiesuisse?Antwort: Es mag pathetisch klingen, aber ich liebe den Einsatz fürs Gemeinwohl. Man kommt mit vielen interessanten Menschen zusammen, kann etwas zum Besseren verändern. Das Vetorecht hat meine Frau. Sie hat gesagt: «Tue es, das macht dich glücklich.» So ist es.Frage: Was hat für Sie bei Economiesuisse Priorität? Die Lobbyorganisation für die ganze Wirtschaft oder die Kampagnenorganisation, die Abstimmungen gewinnen will?Antwort: Sowohl als auch. Wir vertreten unsere Mitglieder, das sind unsere Kunden. Und die wissen, dass wir die einzige Organisation sind, die langfristig sehr breit wichtige Themen begleiten kann. Das ist die Lobbyorganisation. Daneben haben wir einen starken Kampagnenbereich, der heute viel eigenständiger agiert. Das hilft uns, Power aufzubauen für wichtige Kampagnen.Frage: Die Linke ist permanent im Kampagnenmodus. Müssten Sie das nicht auch sein?Antwort: Der Wirtschaft fehlt etwas, was die Isolationisten rechts und die Gewerkschaften links haben: das Grassrooting, der Aktivismus. Wir Wirtschaftsleute gehen am Morgen nicht direkt ins Kampagnenbüro, sondern zuerst einmal arbeiten. Trotzdem sind sehr viele Menschen in der Schweiz pro Arbeitgeber und pro Wirtschaft, das ist schön, das möchte ich weiter stärken.Frage: Wenn es dereinst so weit ist und Sie sagen, das war’s: Was möchten Sie dann erreicht haben?Antwort: Der Wohlstand muss jeden Tag neu erarbeitet werden. Da hat die Schweiz momentan Schwierigkeiten. Sie rutscht ab in den Rankings, ist nicht mehr ganz so wachstumsfreudig und wettbewerbsfähig. Wir haben Mühe bei den Direktinvestitionen, sind geopolitisch unter Druck, und es gibt eine schleichende Umverteilung weg von privaten Aufgaben hin zu staatlichen. Ich möchte dereinst zurückschauen und sagen können, wir haben den Wohlstand vermehrt und den Ausbau des Staates etwas zurückgedrängt.Patron mit wirtschaftspolitischen Ambitionenpfi. · Der neue Economiesuisse-Präsident Silvan Wildhaber wurde 1977 in Zürich geboren und ist in Zürich und St. Gallen aufgewachsen. Er hat an der Hochschule St. Gallen Wirtschaftswissenschaften studiert. Nach einer dreijährigen Tätigkeit bei der Credit Suisse trat er ins familieneigene Unternehmen Filtex AG in St. Gallen ein. Bereits im Alter von 33 Jahren übernahm er dessen operative Leitung. Zudem präsidiert er die Mutter- und Immobiliengesellschaft Emil Anderegg AG. Filtex ist im Grosshandel mit Gardinen und im Verkauf von exklusiven Stoffen in Europa und Afrika tätig. Ein Unternehmensteil widmet sich Spezialstoffen für Stickereien. Wildhaber ist seit 2011 Mitglied im Vorstand des Schweizerischen Textilverbands Swiss Textiles und vertrat diesen ab 2014 auch im Vorstand von Economiesuisse. Darüber hinaus engagierte er sich bei der FDP in Zürich. Er ist verheiratet und Vater zweier jüngerer Söhne.Passend zum Artikel
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