SerieFlugunfälle und ihre Ursachen: Der vierte Terrorflug von 9/11 endet auf einem Feld statt im CapitolUnited 93 ist das einzige gekaperte Flugzeug, das die Terroristen 2001 nicht ins Ziel fliegen können, auch dank wehrhaften Passagieren.Andreas Spaeth11.09.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenVon der in einem Feld in Pennsylvania abgestürzten Boeing 757 blieb nur ein Krater. Es gab keine Überlebenden.Scott Spangler / APDer 11. September 2001 ist ein wolkenloser Spätsommermorgen am Flughafen Newark, in Sichtweite der Skyline von Lower Manhattan mit den berühmten Zwillingstürmen des World Trade Cuniorenter. Am Gate A17 wartet eine zweistrahlige Boeing 757 von United Airlines auf den Flug UA93 nach San Francisco, der Start ist für 8 Uhr geplant.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Boeing bleibt auffallend leer: Nur 37 Passagiere betreten den Jet – kaum ein Fünftel der Kapazität. Im Cockpit sitzen Kapitän Jason Dahl, 43, und First Officer LeRoy Homer. Was niemand hier ahnen kann: Unter den 37 Passagieren sind vier Männer mit einem mörderischen Plan. Sie alle sitzen auf Plätzen in der ersten Klasse: 1B, 3C und 3D und auf 6B.Newsletter «Weg & Ziel»Fortbewegung damals, heute und in Zukunft: Historie, Neuheiten und Trends aus der Welt der Mobilität.Jetzt kostenlos abonnierenDer Pushback vom Gate beginnt noch planmässig. Doch der morgendliche Verkehr am Flughafen sorgt dafür, dass United 93 noch einige Zeit am Boden in der langen Warteschlange von abflugbereiten Flugzeugen steht. Erst um 8.42 Uhr hebt die 757 endlich von der Piste ab. Nichts an Bord deutet auf eine Ausnahmesituation hin. Um 9.02 Uhr erreicht die Maschine ihre geplante Reiseflughöhe von rund 10 700 Metern. Was in diesem Moment keiner der Insassen mitbekommt: In der Zeit zwischen dem Abheben und dem Erreichen der Reiseflughöhe verändert sich nur rund 15 Kilometer von ihrem Startflughafen entfernt der Lauf der Geschichte dramatisch.US-Präsident George W. Bush und seine Frau Laura legten an der Unfallstelle einen Kranz nieder.Doug Mills / APDie anderen drei Maschinen sind bereits entführtBevor United 93 in der Luft ist, werden bereits drei andere kurz zuvor in Boston und Washington gestartete Boeing 757 und 767 von Terroristen entführt – damit sie als Waffe genutzt werden können, wie sich kurz darauf zeigt: Das Flugzeug des American-Airlines-Flugs 11 mit 92 Menschen an Bord schlägt um 8.46 Uhr in den Nordturm des World Trade Center ein. Die Maschine des United-Flugs 175 mit 65 Personen kollidiert um 9.03 Uhr mit dem Südturm der Twin Towers. Um 9.59 Uhr stürzt der Südturm ein, rund eine halbe Stunde später kollabiert auch der Nordturm. Das Flugzeug des American-Airlines-Flugs 77 mit 64 Insassen stürzt um 9.37 Uhr ins Pentagon in Arlington, Virginia. Am Boden sterben dabei 125 Menschen.Um 9.27 Uhr gibt die Cockpit-Crew von United 93 noch einen Routine-Funkspruch ab, doch schon eine Minute später erreichen die Fluglotsen in Cleveland plötzlich kurz hintereinander zwei verzweifelte Hilferufe. Einer der beiden Piloten funkt Mayday, doch durch Schreie im Cockpit wird die Meldung von den Lotsen zunächst nicht verstanden.Dreissig Sekunden später schreit der Co-Pilot LeRoy Homer offenbar weiterhin die Entführer an und hält die Übertragungstaste zur Flugsicherung gedrückt: «Mayday, Mayday, verschwindet von hier! Wir werden alle sterben!» Was genau dann im Cockpit geschieht, ist bis heute ungeklärt. Fest steht: Der islamistische Terrorist Ziad Jarrah ist der einzige Entführer, der ein Flugzeug steuern kann. Um 9.32 Uhr macht er eine Borddurchsage.Unvorhergesehen und unvorstellbarFlugzeugabstürze – Ursachen und Folgen: Aus Flugschreibern, Funkverkehr, Videos und Unfallberichten lässt sich vieles erschliessen. In einer Serie analysieren wir schwere Flugunfälle, ihre Geschichte und ihre Auswirkungen auf die Aviatik.https://www.nzz.ch/mobilitaet/flugunfaelleWeil Jarrah einen falschen Knopf drückt, ist sie über die Funkfrequenz der Flugsicherung zu hören: «Meine Damen und Herren, hier spricht der Kapitän. Wir haben eine Bombe an Bord. Also setzen Sie sich und bleiben Sie auf Ihren Plätzen.» Der Fluglotse kann den Funkspruch aber nicht verstehen und leitet keine Massnahmen ein. Auf dem Cockpit-Stimmenrekorder sind kurz danach eine Frauenstimme und erneute Kampfgeräusche zu hören. Die Frau schreit: «Ich will nicht sterben!» Kurz darauf sagt einer der Terroristen auf Arabisch: «Alles ist gut, ich habe es beendet.»Diane McCusker (rechts) war eine der Flugbegleiterinnen, die normalerweise mit der Crew des Flugs United 93 flog. Sie war am 11. September 2001 jedoch nicht im Einsatz und überlebte.Gene J. Puskar / APUm 9.36 Uhr bestätigen die United-Flugdienstleiter, dass der Flug 93 vom Kurs abgewichen ist und Richtung Washington DC fliegt. Es deutet später vieles darauf hin, dass die Entführer die 757 in das Capitol lenken wollen. Während Ziad Jarrah den Sinkflug beginnt, werden die 33 Passagiere und die noch lebenden Flugbegleiter zunächst in den hinteren Teil der Kabine gedrängt. Die Terroristen selbst ziehen sich danach nach vorne zurück, hinter den Vorhang zur Firstclass und ins Cockpit. Die hinteren Reihen bleiben von da an praktisch unbeaufsichtigt.Der Widerstand organisiert sichEinige der Passagiere nutzen gebührenpflichtige Bordtelefone für Gespräche. Eine Flugbegleiterin meldet um 9.36 Uhr der United-Wartung in San Francisco, die Entführer seien vorne in der Kabine und im Cockpit. Insgesamt 37 Telefonate werden aus der Boeing 757 geführt – viele Geiseln wissen daher, dass dies keine normale Flugzeugentführung ist. Fünf Anrufe belegen die Absicht von Passagieren und Crew, gegen die Entführer zu revoltieren. «Wir holen uns in der Bordküche heisses Wasser und übergiessen sie damit», sagt die Flugbegleiterin Sandra Bradshaw zu ihrem Mann und beschreibt dann, dass nun alle in die erste Klasse rennen, bevor sie auflegt.Der Cockpit-Stimmenrekorder zeichnet um 9.57 Uhr auf, wie Ziad Jarrah auf Arabisch ausruft: «Ist da was? Ein Kampf?» Hörbar sind auf der Aufnahme zudem Schreie und Kampfgeräusche. Jarrah ruft seinem Komplizen im Cockpit zu: «Sie wollen hier rein. Halte die Tür von innen zu! Halte sie zu!»Die letzten vier Minuten von Flug United 93 haben begonnen. Passagier Todd Beamer spricht ab 9.43 Uhr für rund 13 Minuten mit einer Telefonvermittlerin, erzählt ihr, dass er und ein paar Passagiere sich zusammentäten und die Entführer überwältigen wollten. Nach dem Ende des eigentlichen Gesprächs hört sie Beamer noch sagen: «Are you ready? Okay. Let’s roll.» («Bist du bereit? Also, legen wir los.») Dies sind seine letzten überlieferten Worte. 25 Sekunden nach 10.00 Uhr zeichnet der Stimmenrekorder Passagierrufe aus dem Hintergrund auf: «Ins Cockpit! Wenn wir das jetzt nicht schaffen, sterben wir!»16 Sekunden später ruft ein anderer: «Roll it!» – als Hinweis darauf, dass die Passagiere vermutlich den Servierwagen als Rammbock gegen die Cockpittür einsetzen. Ziad Jarrah beendet die abrupten Sink- und Steigmanöver, mit denen er zuvor versucht hat, die Angreifer von den Beinen zu holen. Er ruft «Allah ist der Grösste!» und fragt seinen Nebenmann: «War es das? Sollen wir die Maschine abstürzen lassen?» Nur rund eine Minute zuvor hat derselbe Komplize noch dafür plädiert, durchzuhalten, bis die Passagiere ins Cockpit eindringen, jetzt gibt er das Kommando zum Absturz: «Ja, hol uns runter.»In den folgenden anderthalb Minuten sind Schreie und Kampfgeräusche zu hören, dazu der verzweifelte Ausruf «Gib es mir!», wohl von Jarrah selbst. Um 10.03 Uhr kippt die Boeing 757 nach unten und rollt scharf nach rechts. Das Steuerhorn wird hart nach rechts gelenkt, die Maschine dreht sich auf den Rücken.Die Boeing 757 touchierte beim Absturz einen Waldrand bei Shanksville, Pennsylvania, und grub sich danach in ein Feld.FBIUnited 93 rast mit einer Geschwindigkeit von rund 900 Kilometern pro Stunde und in einem Winkel von 40 Grad in ein Feld in Shanksville, Pennsylvania, prallt direkt neben eine stillgelegte, teilweise rekultivierte Grube des Kohletagebaus. Alle beim Aufschlag noch lebenden Menschen an Bord sind sofort tot, vierzig Insassen sterben an Bord. Der Aufprall ist so heftig, dass ein drei Meter tiefer Krater entsteht. Durch den Einsatz der Passagiere wurde das ursprüngliche Ziel – das Capitol – nicht erreicht.Passend zum Artikel
9/11: Wie die Passagiere von United 93 den Anschlag aufs Capitol verhinderten
United 93 ist das einzige gekaperte Flugzeug, das die Terroristen 2001 nicht ins Ziel fliegen können, auch dank wehrhaften Passagieren.











