Die Idee eines „unabhängigen“ Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt zieht Kreise. Gut ist sie nicht, denn überparteiliche Politiker sind genauso abhängig von Parteien und Fraktionen wie parteiliche – nur haben sie weniger Macht. Deshalb scheitern solche Experimente. Das weiß natürlich auch das BSW, von dem der Vorschlag stammt. Dumm ist der Vorschlag deshalb aber noch nicht.In Sachsen-Anhalt gelten derzeit ganz besondere Regeln. Es gibt einen eindeutigen Wahlsieger, die AfD, der nur mit Vorbehalt regieren will. Vor einer Minderheitsregierung würde sich Ulrich Siegmund, der Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, gern drücken. Denn es würde bedeuten, dass er ständig kompromissbereit sein muss. Das fürchtet die AfD wie der Teufel das Weihwasser. Ein U-Ministerpräsident ist für sie aber kein Ausweg aus dieser Verlegenheit.Das BSW als Zünglein an der WaageEs gibt ein Zünglein an der Waage, das BSW, das gern mitbestimmen möchte, aber nicht in einer festen Bindung zur AfD. Das BSW ist allerdings die einzige Partei, die mit ihr zusammenarbeiten will. Den Beweis hat sie dadurch erbracht, dass sie einen AfD-Kandidaten für den Landtagspräsidenten wählen will. Zur Wahl eines AfD-Ministerpräsidenten will sie aber vorerst nur per Enthaltung beitragen. Das reicht aber nicht, wenn CDU, Grüne, SPD und Linkspartei mit Nein oder für einen Gegenkandidaten stimmen. Denn zwischen ihnen und der AfD besteht ein Patt.Hier kommt die Idee eines unabhängigen Kandidaten ins Spiel. Grüne und SPD haben schon signalisiert, den Vorschlag des BSW zumindest „interessant“ zu finden. Bleiben Linkspartei und CDU. Können auch sie sich damit anfreunden, gäbe es, wenn auch das BSW einverstanden ist, eine Mehrheit jenseits der AfD. Sehr realistisch ist das aber nicht. Der Kandidat müsste schon sehr, sehr überparteilich sein.Es wäre zudem eine Gelegenheit für die AfD, sich wieder einmal als Opfer der „Kartellparteien“ darzustellen. Sie kann sich wie in der Vergangenheit in ihrer Paraderolle einrichten und vor jeglicher Verantwortung drücken. Sollten ihr die anderen Parteien diesen Gefallen tun? Es wird deshalb noch lange dauern, bis ein Name für diesen unabhängigen Kandidaten aus dem Hut gezaubert wird. Aber vielleicht wird es ihn auch nie geben.