KommentarPro ArtikelDer Bundesrat sollte noch dieses Jahr eine Alternative zu Patriot beschaffen. Dazu braucht es einen Partner, hinter dem alle stehen könnenDer Patriot-Deal mit Deutschland ist geplatzt. Das amerikanische System zur Luftverteidigung kommt später und wird teurer. Falls der Bundesrat seine Verantwortung tatsächlich wahrnimmt, muss er jetzt einen mutigen Entscheid fällen – auch bei der Typenwahl.04.09.2026, 17.08 Uhr3 LeseminutenDer Start einer Patriot-Abwehrlenkwaffe. Weil das System das Rückgrat der westlichen Luftverteidigung bildet, ist es nur schwer lieferbar.U. S. Department of Defense / APWenn noch ein Beleg für die ausserordentliche Lage gefehlt hat, dann hat ihn der Bundesrat nun erhalten: Das amerikanische Patriot-System zur bodengestützten Luftverteidigung grosser Reichweite könnte bis dreimal so viel kosten wie die bewilligten 2 Milliarden – und wird wohl frühestens Anfang der 2030er Jahre geliefert. Die Schweiz ist einem Angriff mit ballistischen Raketen bis auf weiteres schutzlos ausgeliefert.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wegen der Kriege in Europa und im Nahen Osten werden die Defensivwaffen und auch die Präzisionsmunition knapp. Die USA priorisieren Staaten, welche die Ukraine beliefern. Eine Notlösung mit Deutschland ist gescheitert. Berlin kann der Schweiz nun doch nicht einen Teil seiner Patriot-Lieferung abtreten. Zuerst kommt die Ukraine, dann Deutschland selbst.Denn spätestens seit dem Sabotageversuch auf den Flughafen Leipzig befindet sich unser Nachbarland nur noch um Haaresbreite unterhalb der Kriegsschwelle. Berlin geht davon aus, dass Moskau hinter der Attacke steht. Umgehend drohte der ehemalige russische Präsident Medwedew mit einem direkten Gegenangriff: möglicherweise auch auf bestimmte Standorte in Berlin, schrieb er auf Telegram.Top-Angebot aus IsraelBei einer ehrlichen Beurteilung der Lage muss der Bundesrat feststellen: Die Schweiz ist bereits jetzt eine Sicherheitslücke in Europa. Weder die gegenwärtig nur schwach bewaffnete Neutralität noch die Schuldenbremse bewahrt das Nervenzentrum der kritischen Infrastrukturen dies- und jenseits der Alpen vor einem Krieg. Doch die gesunden Bundesfinanzen würden es dem Bundesrat ermöglichen, nun rasch zu handeln.Trotz allen Bedenken der Finanzverwaltung sollte die Landesregierung noch dieses Jahr ein zweites System der bodengestützten Luftverteidigung grosser Reichweite beschaffen, aber an den bestellten Patriots festhalten. Das Verteidigungsdepartement (VBS) muss Alternativen präsentieren, nicht sich primär um die Finanzierung kümmern.Der Rüstungschef hat drei Angebote eingeholt: eines aus Frankreich, eines aus Südkorea und eines aus Israel. Das südkoreanische System scheint am wenigsten zu überzeugen. Das französische Eurosam SAMP/T NG wird frühestens Ende dieses Jahres scharf eingesetzt und soll preislich teurer sein als die israelische Option. Denn Israel scheint geradezu ein Top-Angebot gemacht zu haben.Sollte sich diese Ausgangslage bestätigen, die gegenwärtig in Bern die Runde macht, steht der Bundesrat vor einer mehrfachen Herausforderung. Das Geschäft ist innen- und aussenpolitisch explosiv.Frankreich als sicherheitspolitischer PartnerDenn falls sich die Landesregierung für das israelische System entscheidet, werden die linken Parteien das Projekt mit der Genozid-Keule bekämpfen, obschon die israelische Luftverteidigung die Palästinenser genauso vor Raketen und Drohnen schützt wie die Israeli.Auch bei den Bürgerlichen könnte es Kritik geben: Die Drohne des israelischen Elbit-Konzerns, das ADS-15, verspätete sich ohne Ende und kann heute nicht so eingesetzt werden wie ursprünglich geplant. Ärger gab es auch beim neuen Kommunikationssystem, diskutiert unter dem Kürzel TKA. Doch der Lieferant kann nur bedingt etwas dafür, weil die Schweiz die Systeme so weit helvetisierte, dass insbesondere das ADS-15 eine eigentliche Schweizer Drohne wurde.Bei aller Sympathie für ein israelisches System: Es besteht zudem die Gefahr, dass der Bundesrat ein weiteres Mal die Franzosen verärgert. Beim F-35 gab es technologisch, militärisch und auch rechtlich gute Gründe, das amerikanische System dem französischen vorzuziehen. Doch nun geht es auch um die gute Nachbarschaft in sicherheitspolitisch gefährlichen Zeiten. Denn Frankreich hat ein Interesse an einer sicheren Flanke zur Schweiz.Der Bundesrat braucht deshalb den Mut, eine rasche, ausserordentlich finanzierte Bestellung des zusätzlichen Systems und einen politischen Entscheid für Frankreich zu treffen: für einen europäischen Partner, der einen Schulterschluss derjenigen ermöglicht, die sich wirklich für die Sicherheit der Bevölkerung verantwortlich fühlen. Die Schweiz braucht nicht einen neuen Streit über den Nahen Osten, sondern Einigkeit und endlich eine ernsthafte Luftverteidigung.15 KommentareMax Oster 06.09.20262 EmpfehlungenGeradezu erstaunlich ist, wie sich hierzulande einige für die Sicherheit zuständige Politiker, oft ohne militärstrategisches oder technisches Wissen aus ideologischen oder monetären Gründen mit merkwürdigen, sich widersprechenden Bedenken zu Beschaffungsfragen äussern. Es ist wie bei einem Restaurantbesuch. Niemand wird gehindert ein auf der Speisekarte aufgeführtes 5 Gang Menü nach eigenem Gusto abzuändern. Nur sollte man sich dann nicht wundern wenn man als letzter am Tisch bedient, die Speisen kalt und mit saftigem Aufpreis serviert wird. Die jahrelangen Diskussionen um die Wiederaufrüstung der Armee ist höchst gefährlich, auch weil die Erpressbarkeit zunimmt. Die ganze Übung wird immer teurer und ist schlicht nur noch peinlich.Tobias Suter 06.09.20263 EmpfehlungenOhne auf das unsägliche Verhalten besonders bürgerlicher Parlamentarier einzugehen, muss festgestellt werden, dass die Aufrüstung der Armee ein immer komplizierteres Unterfangen wird. Einzig sicher ist derzeit, dass alle angefangenen Projekte sich bis zum St. Nimmerleinstag verzögern und vor allem kostenmässig völlig aus dem Ruder laufen.
Patriot-Deal gescheitert: jetzt zweites Flugabwehrsystem für die Schweiz
Der Patriot-Deal mit Deutschland ist geplatzt. Das amerikanische System zur Luftverteidigung kommt später und wird teurer. Falls der Bundesrat seine Verantwortung tatsächlich wahrnimmt, muss er jetzt einen mutigen Entscheid fällen – auch bei der Typenwahl.







