Luftverteidigung: Bundesrat sucht schnellere Lösung aus Europa für US-LieferverzögerungenDie Patriot-Raketenabwehrsysteme verspäten sich massiv und werden teurer. Der Bundesrat will nun mit drei Ländern Verhandlungen für ein weiteres System aufnehmen. Es soll idealerweise aus Europa kommen.24.06.2026, 15.00 Uhr2 LeseminutenOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Bundesrat hält trotz schlechten Nachrichten aus den USA am amerikanischen bodengestützten Luftabwehrsystem Patriot fest. Das hat die Landesregierung am Mittwoch entschieden. Eigentlich hätten die ersten der fünf amerikanischen Feuereinheiten bereits in diesem Jahr eintreffen sollen. Seit Mai ist klar, dass sich die Auslieferungen massiv verzögern. Grund dafür sind die Kriege in der Ukraine oder im Nahen Osten sowie die weltweit rasant gestiegene Nachfrage nach Luftabwehrsystemen grösserer Reichweite. Washington hat Bern über eine Lieferverzögerung von bis zu sieben Jahren informiert.Trotzdem sei der Abbruch der Beschaffung ohne eine Alternative «keine Option», schreibt der Bundesrat in einer Medienmitteilung. Die Schweiz müsse aufgrund der verschlechterten geopolitischen Lage ihre Luftverteidigung stärken. Gegen Angriffe aus der Distanz – laut der Landesregierung eine der «wahrscheinlichsten Bedrohungen» – verfüge das Land heute «über keinen Schutz».Während einer Übung in Polen wurden die Patriot-Luftabwehrsysteme im vergangenen Herbst in Stellung gebracht.IMAGO / Marek LadzinskiDas Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) muss deshalb Verhandlungen über ein zweites System mit «vergleichbarem Schutzniveau» aufnehmen. Nach einer ersten Marktsondierung in Deutschland, Frankreich, Israel und Südkorea hat die Landesregierung eine Auswahl getroffen: Während Berlin aus dem Rennen ist, wird mit den anderen drei Staaten weiterverhandelt. Ihre Systeme erfüllten die militärischen Anforderungen und schnitten in der Kosten-Nutzen-Betrachtung am besten ab, begründet der Bundesrat den Schritt.Das zweite System soll «nach Möglichkeit» europäisch sein. Der Bundesrat verlangt, dass «Lenkwaffen sowie das Führungssystem bzw. mindestens kritische Teile davon» mittelfristig in der Schweiz oder in Europa produziert werden. Bei der Auswahl des Partners seien eine «rasche und verbindliche Verfügbarkeit» entscheidend sowie die Schutzleistung, die Integration in das hiesige Einsatzumfeld sowie der gesicherte Nachschub an Munition und Ersatzteilen.Mit einem zweiten System will der Bundesrat vor allem die Abhängigkeit von Washington verringern. Denn bei Patriot explodieren neben den Lieferfristen auch die Kosten. Wie viel die fünf Feuereinheiten die Schweiz am Ende kosten werden, ist völlig offen. Sicher ist nur: Der ursprüngliche Parlamentskredit von knapp zwei Milliarden Franken wird nicht reichen. Der Preis dürfte sich mehr als verdoppeln.Als Protestzeichen hatte die Armasuisse seit dem Herbst 2025 die Zahlungen an die USA für das Patriot-Geschäft sistiert. Genützt hat diese Massnahme indes wenig. Da die Schweiz US-Rüstungsgüter über dasselbe Beschaffungsprogramm abwickelt, bediente sich Washington für die offenen Tranchen kurzerhand beim Budget für die F-35-Kampfjets. Rechtlich sei dieses Vorgehen zulässig, erklärte der Rüstungschef Urs Loher bereits im März, politisch jedoch «völlig unbefriedigend».Nun lenkt der Bundesrat ein – offenbar um keinen Eklat mit Washington zu riskieren. Er hat das VBS angewiesen, die Zahlungen wieder aufzunehmen und so «die finanziellen und terminlichen Risiken zu begrenzen». Die Landesregierung will um jeden Preis verhindern, dass die Patriot-Beschaffung andere Vorhaben wie den F-35-Kauf oder die Ersatzteillieferungen für die heute im Einsatz stehenden F/A-18 gefährdet.Passend zum Artikel
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