KommentarEs reicht: Die Sicherheit der Bevölkerung ist wichtiger als eine MusterbuchhaltungDer Bundesrat sieht noch immer keinen Grund für eine Eilfinanzierung der Luftverteidigung. Die Landesregierung muss diese Haltung revidieren. Alles andere wäre verantwortungslos.16.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenEin Patriot-Werfer in der Ukraine: Gegenwärtig herrscht akuter Mangel an Abwehrlenkwaffen.Valentyn Ogirenko / ReutersEs brauchte ein paar Raketen und Drohnen – und schon war der Ruf von Abu Dhabi und Dubai als «sicherer Hafen» ruiniert. Die Finanzmärkte reagierten sofort: Innert Wochen ist viel Kapital nach Hongkong und auch Zürich abgeflossen, obschon die Golfstaaten im Verbund mit den Amerikanern praktisch alle Angriffe der iranischen Revolutionswächter abwehren konnten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Schweiz wäre dazu gegenwärtig nicht in der Lage. Die Patriot-Systeme, die eigentlich nächstes Jahr hätten geliefert werden sollen, verspäten sich deutlich und werden teurer. Die USA beliefern zuerst Deutschland und die Ukraine. Die Schweiz als neutraler Staat hat keine Priorität. Die alternativen Systeme, die der Rüstungschef nun evaluiert, stehen nicht sofort zur Verfügung, weil er die Hersteller nicht sofort bezahlen kann.Auch das Minimum ist offenbar zu teuerDer Bundesrat kennt die Fähigkeitslücke bei der Luftverteidigung und auch die angespannte Marktlage seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Trotzdem verzichtet die Landesregierung darauf, sofort das nötige Geld zur Verfügung zu stellen. Bundesrat Martin Pfister, der Chef des Verteidigungsdepartements (VBS), ist mit seinem Plan aufgelaufen, dem Parlament im Eilverfahren über 5 Milliarden Franken zu beantragen.Das VBS formulierte den Plan in einem Aussprachepapier, das die NZZ mithilfe des Öffentlichkeitsgesetzes erhalten hat: Der Bundesrat hätte in der ersten Sitzung nach den Sommerferien eine Sonderarmeebotschaft beschliessen sollen. Darin wäre ein Kredit für die Beschaffung eines zusätzlichen Luftverteidigungssystems enthalten gewesen – und vor allem hätte der Rüstungschef Spielraum erhalten, um bei den Herstellern noch dieses Jahr eine Anzahlung zu machen.Wäre, hätte: Das VBS musste nach der Ämterkonsultation zur Kenntnis nehmen, dass die Mehrheit in der Landesregierung gegen eine solche Sonderarmeebotschaft war. Auch die Argumentation mit dem sogenannten «Vulnerabilitätsfenster» in den nächsten Jahren leuchtete offenbar nicht ein: Russland rüstet weiter auf, während die USA sich allmählich dem Pazifik zuwenden.Die Patriot-Probleme belegen die DringlichkeitNach wie vor weigert sich der Bundesrat, die geopolitischen Veränderungen in ihrer ganzen Tragweite anzuerkennen. Auch weiterhin wird die Bedrohungslage auf das Diktat der Finanzpolitik ausgerichtet: Das VBS unter Martin Pfister hat mit den neuen Leitlinien für die Verteidigung und die Rüstungsplanung noch einmal einen faktischen Abbau der Schweizer Armee angestossen, nur um das absolute Minimum durchzubringen – und selbst das ist umstritten.Um es deutlich zu sagen: Wenn die Luftverteidigung nicht in nützlicher Frist aufgebaut wird, stellt sich die Frage, weshalb der Bundesrat überhaupt so viel Geld für die Armee ausgeben soll – und weshalb jedes Jahr 20 000 junge Menschen in die Rekrutenschule einrücken sollen. Doch nach wie vor mokieren sich die Generalsekretariate der anderen Departemente lieber über die Beschaffungspannen im VBS.Dabei liefern ausgerechnet die Probleme bei Patriot die Begründung für ein dringliches und auch ausserordentliches Vorgehen. Der Iran-Krieg, ein Ereignis, das so nicht vorausgesehen werden konnte, hat die Lagerbestände von Abwehrlenkwaffen noch einmal deutlich verringert. Die ukrainische Zivilbevölkerung erlebt dies fast täglich in tödlicher Konsequenz. Die ballistischen Raketen aus Russland treffen ihre Ziele mitten in den Städten, weil es kaum mehr Patriot-Munition gibt.Die Schweiz als lohnendes ZielDie europäischen Staaten haben unter anderem deshalb einen europäischen Raketenschirm beschlossen – selbstredend ohne die Schweiz, die sich mit einer Musterbuchhaltung und der Neutralität vor einem Angriff schützen will. Wenn die Wette aufgeht und nichts passiert, dann hat der Standort Schweiz profitiert und behält, anders als alle Nachbarstaaten, volle Kassen.Doch wenn Russland – oder übrigens auch Iran – in Westeuropa den Strom abstellen will, dann beschiesst es die Schweiz. Deshalb muss der Bundesrat seine Haltung revidieren und sich nach der Sommerpause doch noch mit der Sonderarmeebotschaft auseinandersetzen. Alles andere wäre verantwortungslos gegenüber der Bevölkerung – und auch gegenüber dem Wirtschaftsstandort Schweiz.39 KommentareBeat Brunschwiler 17.07.20262 EmpfehlungenVier von 17 Bat einsatzbereit. Die entspricht einem Regiment. Die Frage ist sind diese Truppen Kombattant, mit altem Material ausgebildet, oder nur zum zum Schutze der Infrastruktur ausgebildet worden. Leider wiederholt sich die Geschichte wie in den 20er und 30iger Jahren des letzten Jahrhunderts wieder. Eine Armee mit Willen aber ohne Material. Wer denkt dies sei billig und ginge schnell, die Versäumnisse der letzten 30 Jahren zu bewältigen, der irrt in Bern. In der Warteschlange zu stehen ist nicht unser liebstes Ding. Falls die Politik so weiter Probleme diskutiert, anstelle Lösungen anzupacken könnte ja die BV