KommentarMehr Unternehmer, weniger Staatsbauern: Die Agrarreform von Guy Parmelin bleibt auf halber Strecke stehenDer Bundesrat fordert von den Landwirten mehr «KMU-Spirit». Doch wer die Bauern zu Unternehmern machen will, muss ihnen auch mehr Markt und Wettbewerb zumuten.04.09.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenEr wandelt in der Agrarpolitik auf den Spuren seines Vorgängers Johann Schneider-Ammann: Bundesrat Guy Parmelin.Alessandro della Valle / KeystoneIn keinem anderen Wirtschaftszweig wird so viel reglementiert, subventioniert und gelenkt wie in der Landwirtschaft. Der Staat schützt die Bauern mit hohen Zöllen vor ausländischer Konkurrenz, verteilt Milliarden an Direktzahlungen und bestimmt mit einem dichten Regelwerk, wie diese ihr Land bewirtschaften sollen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ausgerechnet in diesem eng geschnürten Korsett sollen die Bauern nun mehr unternehmerischen Geist entwickeln. Am Mittwoch beschwor Landwirtschaftsminister Guy Parmelin den «KMU-Spirit» der Bauern und forderte von ihnen, künftig stärker wie Unternehmer zu denken. Im Gegenzug verspricht der Bundesrat ihnen mit der neuen Agrarpolitik AP30+ mehr Freiheit und weniger Bürokratie.Dass sich Bundesräte als Business-Coaches von Bauern in Szene setzen, ist nichts Neues. Schon Parmelins Vorgänger Johann Schneider-Ammann, selber ein Entrepreneur der alten Schule, gefiel sich in dieser Rolle. «Mehr Verantwortung, Vertrauen und Vereinfachung» lautete das Motto seiner Agrarreform. Nicht nur sollten sich die Bauern stärker am Markt orientieren, auch sollten ihre unternehmerischen Potenziale und die Eigenverantwortung gestärkt werden.Doch mit seinem marktwirtschaftlichen Kurs stiess Schneider-Ammann im Parlament auf Granit. Vor allem seine Pläne, die Landwirtschaft stärker dem Wettbewerb auszusetzen, zerschellten an der bäuerlichen Machtmauer. Was folgte, war eine Agrarpolitik, die umso mehr neue Leistungen bestellte und dafür neue Regeln schuf.Nun wandelt der Winzer Parmelin auf den Spuren seines Vorgängers – und zumindest einige seiner Ansätze sind durchaus vielversprechend. So will der Bund einen Teil der Direktzahlungen künftig nicht mehr an vorgeschriebene Massnahmen knüpfen, sondern an Ergebnisse. Konkret sollen die Bauern nicht mehr akribisch dokumentieren müssen, was sie für das Tierwohl und die Ökologie tun, um Bundesbeiträge zu erhalten. Was zählt, ist allein noch, ob sie die vordefinierten Ziele auf den Äckern und Feldern erreichen. Auf welche Weise dies geschieht, soll den Landwirten weitgehend selbst überlassen bleiben.Diese Massnahme ergibt Sinn: Ein Landwirt kennt seinen Boden, seine Tiere und seinen Betrieb besser als die Beamten in Bern. Wenn er eine gewünschte ökologische Leistung günstiger oder intelligenter erbringen kann als mit der vom Staat vorgeschriebenen Methode, sollte er davon profitieren.Auch andere, kleinere Schritte weisen in die richtige Richtung. So sollen Daten möglichst nur noch einmal erfasst und mehrfach genutzt werden. Und Kleinstbetriebe, die im Nebenerwerb geführt werden, sollen im Talgebiet ebenfalls keine Direktzahlungen mehr erhalten. Damit rückt der Bund davon ab, wirtschaftlich kaum tragfähige Strukturen finanziell zu unterstützen.Insgesamt jedoch bleibt Parmelins Agrarreform auf halber Strecke stehen; sie wirkt mutlos und inkonsequent. An einer Stelle räumt der Staat Hindernisse für professionellere Unternehmensstrukturen weg, an anderer Stelle setzt er dem Wachstum wieder eine Grenze. So müssen grössere Betriebe künftig ab einer bestimmten Höhe mit Kürzungen bei den Direktzahlungen rechnen.Auch soll nur ein kleiner Teil des Direktzahlungssystems der schlankeren Ergebniskontrolle unterstellt werden. Und ausgerechnet bei diesem zentralen Bestandteil der AP22+ sind wichtige Indikatoren noch gar nicht fertig entwickelt. Schliesslich baut die Reform die staatliche Lenkung in diversen Bereichen sogar noch aus: mit höheren Milchzulagen, einem Referenzpreis für Milch und einer ausgebauten Marktbeobachtung.Der Ruf des Bundesrats nach mehr Unternehmergeist wirkt damit widersprüchlich. Dieser stellt sich nämlich nur dann ein, wenn den Bauern tatsächlich mehr Markt und Wettbewerb zugemutet wird. Geschieht dies nicht, bleiben sie mehr Staatsdiener als Unternehmer.5 KommentareUrs Keiser 04.09.20261 EmpfehlungNatürlich ist das keine grundlegende Reform. Dafür haben schon die vielen Beamten in Bundesbern gesorgt, denn sie reglementieren, verwalten und bestimmen gerne was zu tun ist.
Mehr Unternehmer, weniger Staatsbauern: Die Agrarreform von Guy Parmelin bleibt auf halber Strecke stehen
Der Bundesrat fordert von den Landwirten mehr «KMU-Spirit». Doch wer die Bauern zu Unternehmern machen will, muss ihnen auch mehr Markt und Wettbewerb zumuten.









