Bauernaufstand gegen Parmelin: Die Schweizer Landwirte lassen ihren engsten Verbündeten im Bundesrat im StichDer Bundesrat und Weinbauer hätte mit dem Mercosur-Freihandelsabkommen einen wirtschaftlichen Grosserfolg verbuchen können. Wären da nicht seine früheren Berufskollegen.Ralph Goldinger20.06.2026, 21.45 Uhr2 LeseminutenBundesrat Guy Parmelin: Wie manövrieren, wenn die Opposition aus den eigenen Reihen kommt?Anthony Anex / KeystoneDie schlechteste Woche hatte Guy Parmelin, Bundesrat «Auch du, Brutus?», fragt William Shakespeares Cäsar im Angesicht seiner Ermordung – einer Verschwörung, in die auch sein engster ­Vertrauter verwickelt ist. «Auch du, Bauernverband?», dürfte sich der SVP-Bundesrat und Weinbauer Guy Parmelin gedacht haben, als die Landwirte zusammen mit den Linken das Mercosur-Freihandelsabkommen ­vergangene Woche im Nationalrat torpediert haben.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Es war der vorläufige Höhepunkt einer lang andauernden Kampagne des Bauernverbands gegen den ­Vertrag mit den bedeutendsten Volkswirtschaften Südamerikas. Parmelin hatte zusammen mit den Efta-Staaten während mehrerer Jahre verhandelt: Die Eidgenossenschaft will 270 Millionen Konsumenten erschliessen, jährlich 180 Millionen Franken Zoll abbauen und mit der EU gleichziehen, die bereits einen Vertrag mit den Lateinamerikanern abgeschlossen hat.Die Bauern befürchten, dass sie durch den zollfreien Import von Landwirtschaftsgütern beträchtliche Verluste machen könnten. Parmelin versuchte vergangene Woche im Parlament noch einmal zu beschwichtigen: Es sei gelungen, wichtige Ursprungsbezeichnungen zu schützen, den Gruyère und den Sbrinz etwa. Er hob die gewichtigen Konzessionen der Lateinamerikaner hervor und bekräftigte, dass sich bei den Fleischimporten nur wenig ändern würde.Seine früheren Berufskollegen weigerten sich, das Abkommen zu unterstützen, es sei denn, man bezahlt ihnen 880 Millionen Franken an Kompensation in Form von zinslosen Krediten. In einer unheiligen Allianz mit den linken Parteien schafften sie es, das Abstimmungsresultat zu kippen. Diese kritisieren den Umweltschutz und die Arbeitnehmerrechte in den Mercosur-Staaten.Für Bundesrat Parmelin ist die Niederlage bitter: Als Wirtschaftsminister hat er sich seit dem Jahr 2019 immer wieder für die Bauern starkgemacht. Bestes Beispiel ist seine agrarpolitische ­Strategie: Entgegen den Empfehlungen vieler Ökonomen verzichtet der Landwirtschaftsminister auf Lenkungsabgaben, will Direktzahlungen leichter abgelten und den Milchpreis in protektionistischer Manier stabi­lisieren. Doch im derzeitigen Agrar-Powerplay scheinen diese Zugeständnisse gegenüber der Landwirtschaft wertlos. Die Bauern ­belohnen Parmelins Loyalität mit einem ­politischen Dolchstoss.Passend zum Artikel