KommentarMercosur-Abkommen torpediert: Die Erpressung durch Bauern und Linke wird langsam unerträglichIm Nationalrat ist das Mercosur-Freihandelsabkommen vorerst gescheitert. Das Parlament scheint nicht mehr zu wissen, woher der Wohlstand in der Schweiz kommt.18.06.2026, 16.13 Uhr3 LeseminutenRindfleisch aus Uruguay soll etwas leichter in die Schweiz gelangen können – das sorgt für Kontroversen.Martin Varela Umpierrez / ReutersGeopolitisch brennt es rund um die Schweiz. Auch die Wirtschaft kämpft damit, dass sie mit ständig neuen Krisen konfrontiert ist. Die Unternehmen müssen mit der erratischen Zollpolitik des US-Präsidenten Donald Trump zurechtkommen. Das Balancieren zwischen den rivalisierenden Blöcken USA und China wird immer schwieriger. Der Iran-Krieg hat die Lieferketten durcheinandergebracht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wunsch nach neuen HandelspartnernIn diesem schwierigen Umfeld ist es wichtig, dass sich die Wirtschaft diversifizieren kann und möglichst viele neue Absatzmärkte erschliesst. Es war deshalb ein grosser Erfolg, dass sich die Schweiz jüngst zusammen mit den anderen Efta-Ländern auf ein Freihandelsabkommen mit den vier Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay einigen konnte.Es erschliesst der Schweizer Exportwirtschaft einen aufstrebenden Absatzmarkt – von den Maschinenbauern über die Käseexporteure bis zu den Pharmakonzernen. Es ist das bedeutendste Abkommen für die Schweiz im Bestreben um neue Freihandelspartner.Doch der Nationalrat betreibt lieber helvetische Nabelschau. In einer ersten Lesung hat er am Mittwoch das Mercosur-Freihandelsabkommen abgelehnt. Dies, weil sowohl die Bauern als auch die Linken auf Maximalforderungen beharren.Unheilige Allianz der GegnerDie linken Parteien haben Bedenken hinsichtlich des Schutzes von Umwelt und Arbeitnehmern in den Mercosur-Ländern und fordern neue Gesetze. Sie übersehen, dass das Abkommen in diesem Punkt weiter geht als frühere Freihandelsverträge: Es enthält ein umfangreiches Kapitel etwa zum Waldschutz und zu den Rechten von Arbeitnehmern. Doch an den grundsätzlichen Widerstand der Linken gegen den Freihandel hat man sich schon fast gewöhnt.Schwerer wiegt die Opposition der Bauernvertreter im Nationalrat. Sie haben ihr Erpressungspotenzial, das sie durch ihre starke politische Vertretung im Parlament haben, voll ausgespielt. Ihre Botschaft war klar: Wenn die Bauern nicht umfangreiche Kompensationen erhalten, bringen wir das Mercosur-Abkommen zu Fall.Mit dem Abkommen sollen die Mercosur-Länder neue zollfreie Kontingente für Landwirtschaftsgüter wie Rindfleisch, Poulet oder Wein erhalten. Der Bauernverband sagt, dadurch würden die Schweizer Landwirte grosse finanzielle Einbussen erleiden. Doch damit übertreiben es die Bauern masslos. Es sollte ihnen zu denken geben, dass selbst der SVP-Bundesrat und Winzer Guy Parmelin es anders sieht.Die Kontingente für Rindfleisch und Poulet etwa seien deutlich tiefer als das, was die Schweiz heute schon aus den Mercosur-Ländern importiere, sagte Parmelin in der Ratsdebatte. Eine Flasche Wein könnte gerade einmal 60 bis 75 Rappen billiger werden. «Diese Vereinbarung wird keinen zusätzlichen Wettbewerbsdruck für unsere Landwirte erzeugen.»Ungerechtfertigte KompensationenDer Plan der Bauern ist durchsichtig: Sie wollen die Gelegenheit nutzen, um zusätzliche staatliche Hilfen herauszuschlagen. Rund 800 Millionen Franken an zinslosen Krediten möchten sie über die nächsten 10 Jahre. Zwar gehört es zum politischen Geschäft, dass Verlierer – wenn sie denn solche sind – kompensiert werden, um sinnvollen Vorhaben für die Gesamtwirtschaft zum Durchbruch zu verhelfen. Doch die Schweiz muss sich von den Bauern nicht alles bieten lassen.Es sei an die Relationen erinnert. Die Landwirtschaft trägt gerade einmal 0,6 Prozent zur Schweizer Wirtschaftsleistung bei. Auch dies schafft sie nur, weil der Staat (über die Direktzahlungen) und die Konsumenten (wegen des Grenzschutzes) den Bauern mit Milliardenbeträgen unter die Arme greifen.Einen ungleich höheren Beitrag zum Schweizer Wohlstand leistet die Exportwirtschaft – wohlgemerkt ohne Staatshilfe. Im Auslandsgeschäft erwirtschaftet sie rund 40 Prozent des Schweizer Bruttoinlandprodukts. Wenn in der Schweiz nur noch die Eigeninteressen der Bauern zählen, schadet dies dem ganzen Land.Passend zum Artikel