Was war da eigentlich los an der TU München ? Die renommierte Universität veröffentlicht ein Whitepaper zur Klimabilanz von E-Autos, das zuerst via »Bild«-Schlagzeile von einer »Auto-Lüge der EU« lanciert wurde. Bestellt hat es der Unipräsident, erklärtermaßen um politisch Einfluss zu nehmen gegen das heutige System der CO₂-Flottenziele für die Autoindustrie. Die Autoexperten seiner Universität ließ er bewusst außen vor, weil sie bei dem Thema angeblich befangen sein könnten. Das ärgert und irritiert viele Forschende innerhalb wie außerhalb der TU.Dabei ist der Kerninhalt der Studie keineswegs kontrovers und auch nicht neu: Elektroautos sind zwar lokal emissionsfrei, da sie keine fossilen Energieträger an Bord verbrennen und dementsprechend auch keinen Auspuff haben, aus dem Abgase entweichen könnten. Sie kommen jedoch nicht jungfräulich zur Welt. Bei der Produktion wird ebenso CO₂ freigesetzt wie beim Bau von Verbrenner-Pkw, beim Fördern der Rohstoffe für die Akkus eher noch mehr, und der Strom zum Fahren stammt womöglich aus Kohlekraftwerken. Die Emissionen, die ein solches Auto verursacht, sind also nicht null. Würde das behauptet, wäre es tatsächlich eine Lüge.
Eine sogenannte Lebenszyklusanalyse, die möglichst alle Folgen vom Bau bis zur Verschrottung (oder Recycling) des Wagens einbezieht, ist also eine potenziell sehr ehrliche Rechnung. Längst gibt es eine Vielzahl wissenschaftlicher Untersuchungen mit unterschiedlichen Modellen und Annahmen und dementsprechend verschiedenen Ergebnissen. Aber die Tendenz ist klar: Einen Verbrenner gegen ein E-Auto zu tauschen, ist ein deutlicher Gewinn fürs Klima. Eine neue Studie der Umweltforscher Elliott Campbell und Roland Geyer von der University of California in »Science« kommt sogar zu dem Ergebnis: je schneller, desto besser. Sogar fabrikneue Verbrenner umgehend stillzulegen und durch einen Batterie-Pkw zu ersetzen, wäre in der Regel die nachhaltige Lösung.












