Man muss kein Supersportler sein, um sich für eine Sportuhr oder ein Fitnessarmband zu interessieren. Die Begleiter am Handgelenk kommen bei vielen Menschen zum Einsatz, um sich selbst zu motivieren und aus kleinen Fortschritten einen nachhaltigen Trend zu machen. Man trägt die Uhr, um Tag für Tag zu sehen, dass die Zahl der Schritte wächst und vielleicht gleichzeitig das Gewicht schwindet.In den Anfangszeiten maßen Fitnesstracker und Sportuhren nur wenige Metriken. Moderne Geräte bieten heute eine Fülle von Daten in geradezu erschlagender Breite. Selbst ein 100-Euro-Gerät erfasst ein so buntes Potpourri unterschiedlicher Körperdaten, dass man einen Weg ins Dickicht schlagen muss.Einer der wichtigsten Werte kann ein Bewegungsindikator sein, der zu den eigenen Aktivitäten passt. Wer keinen Sport macht, nehme die Zahl der Schritte oder die täglich zurückgelegte Strecke. Stehen regelmäßige Workouts auf der Agenda, beobachte man die von der Uhr geschätzten Aktivitätskalorien. Das sind im Unterschied zu den Ruhekalorien jene, die während der Bewegung oder des Trainings verbraucht werden. Beide Kalorien zusammen ergeben den täglichen Gesamtverbrauch. Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention empfiehlt 10.000 Schritte täglich oder 150 Minuten körperliche Aktivität pro Woche. Zum Abnehmen sind es 13.000 Schritte oder 300 Minuten in der Woche. Solche Ziele lassen sich schon mit dem einfachsten Fitnesstracker für 30 Euro mühelos verfolgen, entweder auf dem Gerät selbst oder in der App oder gar in einem Web-Interface, wie es beispielsweise Garmin und andere zur Verfügung stellen.Wie man die Herzfrequenz beim Sport beobachtetDer zweite wichtige Wert ist die Herzfrequenz. Man beobachte den Ruhepuls, also die Frequenz, mit der das Herz schlägt, wenn der Körper nicht unter Belastung steht. Bessere Sportuhren machen das von allein, wenn man sie den ganzen Tag trägt. Sie erkennen die Ruhezeiten und bilden den zugehörigen Puls ab. Ohne diese Automatik messe man morgens im Bett direkt nach dem Aufwachen, wenn das Herz noch nicht auf körperliche Aktivitäten reagieren muss. Der Ruhepuls von Erwachsenen liegt zwischen 60 und 80 Schlägen in der Minute. Viel Sport kräftigt das Herz, je Schlag wird mehr Blut transportiert, sodass es weniger häufig schlagen muss. Ein gut trainierter Erwachsener hat einen Ruhepuls von um die 50, Spitzensportler kommen mit 40 Schlägen in der Minute oder weniger aus.Die Herzfrequenz sollte man auch während des Sports beobachten. Das betrifft auch und gerade das Training in Herzfrequenzbereichen. Dazu berechne man zunächst die maximale Herzfrequenz nach der Formel „220 minus Lebensalter“. Ein Trainingspuls in der Höhe von 50 bis 60 Prozent der maximalen Pulsfrequenz empfiehlt sich für Rehabilitation und Regenerationstraining. Im Bereich von 60 bis 70 Prozent geht der Körper in den Fettverbrennungsmodus über, die Belastung wird als leicht bis mittel empfunden. Zwischen 70 und 80 Prozent trainiert man in der aeroben Zone, die eine Steigerung der Ausdauer bewirkt und als anstrengend empfunden wird. Jenseits von 80 Prozent findet das Training in der anaeroben Zone statt, die als überaus anstrengend wahrgenommen wird und die anaerobe Schwelle weiter nach oben verschiebt.Nun muss man jedoch nicht ständig nachrechnen, weil jede bessere Sportuhr mit einem Blick auf den Bildschirm zeigt, in welchem Bereich man trainiert, meist mit einem Farbschema schnell ablesbar. Auch die nachträgliche Auswertung eines Laufs oder eines Krafttrainings zeigt zum Beispiel, dass man sich zu wenig oder zu viel angestrengt hat, und kann Anlass sein, während des Trainings etwas öfter auf die Uhr zu schauen.Mit der Beobachtung von Herzfrequenz und Aktivität über lange Zeiträume lässt sich bereits ziemlich viel anfangen. Doch viele der smarten Produkte können mehr. Dem ambitionierten Sportler schätzen sie automatisch beim Laufen und Radfahren die VO₂max. Der zweistellige Wert gibt Aufschluss über die kardiovaskuläre Fitness und erhöht sich, je fitter man ist. VO₂max ist die maximale Sauerstoffaufnahme in Millilitern, die man pro Minute und pro Kilogramm Körpergewicht bei maximaler Leistung verwerten kann. Der Wert hängt vom Alter und Geschlecht ab, meist zeigt die Uhr gleich die passende Einordnung mit einer Schulnote.Garmin schätzt die KraftLäufer finden bei den meisten Sportuhren etliche Daten zur Optimierung des Laufstils vor. Dies betrifft Angaben zur Schrittfrequenz, zur Bodenkontaktzeit, und es wird die Laufleistung in Watt berechnet. Garmin erstellt für Läufer und Radfahrer einen „Stamina“ genannten Wert, welcher die verbleibenden Energiereserven in Prozent schätzt. Man erfährt also, wie viel Kraft noch da ist. Da zeigt die Uhr beispielsweise, dass nach vier Stunden Rennradfahren noch ungefähr 20 Prozent zur Verfügung stehen – und man kann sich überlegen, ob man bis auf null fährt oder eine längere Erholungspause einlegt.Das Pendant zu den Energiereserven sind bei vielen Uhren Aussagen über Stress, Schlafqualität und Wohlfühlgefühl. Es sind ebenfalls Schätzungen, die leider nicht viel bringen. Wer mehrere Uhren parallel trägt, erkennt, dass sich auch die Befunde unterscheiden. Die Messung der peripheren Sauerstoffsättigung des Hämoglobins (SpO2) mit einem fotometrischen Verfahren ist zwar interessant, bringt aber ebenfalls nur wenig Erkenntnis für gesunde Menschen. In der Regel liegt der Blutsauerstoffgehalt zwischen 95 und 100 Prozent. Fällt er darunter, merkt man das durch starke körperliche Beeinträchtigungen, dafür bedarf es keiner Uhr. Bei einigen Krankheiten wie COPD, Asthma bronchiale, Schlafapnoe oder einer Herzinsuffizienz mag eine regelmäßige Messung mit der Sportuhr sinnvoll sein. Eine eigenständige Erfassung von Schlafapnoe bieten neuere Modelle der Apple Watch und der Samsung Galaxy Watch sowie die Scanwatch 2 von Withings und einige smarte Ringe.Außer Puste: Nach 100 Rennradkilometer zeigt die Apple Watch eine Herzfrequenz von 143 Schlägen pro MinuteSpehrDie Herzfrequenzvariabilität wird von vielen Wissenschaftlern als wichtige Messgröße für Fitness und Leistungsbereitschaft des Körpers gesehen. Sie beschreibt die zeitliche Varianz zwischen den Herzschlägen. Das Problem ihrer Analyse besteht darin, dass sie stark schwankt, sehr individuell ausgeprägt ist und sich in der Auswertung nicht mit einer Faustformel auf den Punkt bringen lässt. Ein Tipp besteht darin, langfristige Trends zu beobachten und nicht unbedingt auf einzelne Werte zu starren.Drei Herausforderungen für die ZukunftDrei wichtige Gesundheitswerte lassen sich bislang nicht oder nur schlecht mit Wearables erfassen. Zunächst der Blutdruck. Zu hoher Blutdruck ist eine gefährliche Volkskrankheit, die zudem unbemerkt verläuft. Smartwatches von Samsung schätzen den Blutdruck über optische Sensoren, allerdings nur im Zusammenspiel mit einem Samsung-Smartphone und regelmäßiger Kalibrierung durch ein herkömmliches Messgerät. Nach unseren Eindrücken sind die Messungen nicht verlässlich. Die Watch-D-Modelle von Huawei setzen zur Messung auf eine Manschette im Armband, die aufgepumpt wird. Sie nutzen also das Prinzip eines herkömmlichen Blutdruckmessgeräts. Hier sind die Ergebnisse genauer, aber nach unseren Eindrücken auch nicht zuverlässig. Die Apple Watch ab der Series 9 und der Ultra 2 analysiert Herzdaten, um auf möglichen Bluthochdruck hinzuweisen. Es wird also nicht gemessen, sondern darauf hingewiesen, dass man selbst mit einem herkömmlichen Gerät misst.Zweitens die Herzerkrankungen. Viele Sportuhren schreiben ein Einkanal-EKG, welches zuverlässig auf Vorhofflimmern hinweist, was wiederum zu Schlaganfällen führen kann. Die Messungen sind präzise und stimmen fast immer. Wird Vorhofflimmern erkannt, muss man zum Arzt. Viele Uhren können jedoch noch mehr. Sie erkennen eine zu hohe oder zu niedrige Herzfrequenz sowie Unregelmäßigkeiten und warnen dann. Diese Funktionalität hat schon Menschenleben gerettet. Fehlalarme sind bei Markenherstellern eher selten.Drittens die nichtinvasive Messung des körpereigenen Blutzuckers in Echtzeit. Derzeit wird der Glukosespiegel entweder mit einem Tropfen Blut oder mit einem Biosensor gemessen, der auf der Haut klebt und per Nadel einen Sensor ins Unterhautfettgewebe bringt. Diese Sensoren sind teuer, ihr Akku hält gut zwei Wochen durch, und sie funktionieren mit einer Smartphone-App gut. Eine nichtinvasive Messung der im Blut befindlichen Glukosemoleküle durch optische Verfahren mit einer Smartwatch wäre geradezu revolutionär.Jenseits der optischen Messungen kann eine ständig getragene Uhr auch Erkenntnisse aus den Bewegungen des Nutzers ableiten. Eine Studie der Universität Cardiff mit mehr als 100.000 Teilnehmern ergab zum Beispiel, dass sich vorhersagen lässt, ob jemand später an Parkinson erkranken wird. Dazu wurden die Bewegungsmuster der Probanden mit jenen von Menschen verglichen, die bereits an der Krankheit leiden. Folgt man den Forschern, kann man nach mehrtägigem Tragen der Uhr Parkinson sieben Jahre vor dem Auftreten einschlägiger Symptome identifizieren. Das Vermessen des Körpers könnte so gesehen erst am Anfang stehen.