Bitte keine Sportuhr. Wer solche Geräte nicht mag, weil eine klassische Uhr bevorzugt wird oder zu viel Technik am Arm unerwünscht ist, kann trotzdem einige Gesundheitsdaten und sogar Trainings erfassen. Entweder mit smarten Ringen, wir hatten unlängst berichtet, oder mit Fitness-Armbändern ohne Display. Um Letztere geht es hier. Sie sind nicht die Genauesten, wenn der 10-Kilometer-Lauf exakt gestoppt werden soll. Sie bieten auch nicht die Möglichkeit, irgendwo in der Walachei ohne Mobilfunkempfang zu navigieren oder einen Satellitennotruf abzusetzen.Solche Armbänder sprechen vielmehr Nutzer an, die sich ein Gerät wünschen, welches wenig Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, optisch unauffällig bleibt, parallel zu einer klassischen Uhr getragen werden kann und trotzdem Gesundheits-, Schlaf- und Aktivitätsdaten plausibel erfasst. Also dezentes Understatement wenn es um Fitness geht, und am anderen Arm trägt man gern seine Patek Philippe.Schaut auf den Puls: Google Fitbit Air mit kleinem SensorHerstellerEin Anbieter solcher Armbänder buhlt seit Langem besonders erfolgreich um die Aufmerksamkeit prominenter und wohlhabender Kunden. Whoop ist ein 2012 in Amerika gegründetes Unternehmen, welches die Hardware quasi nur als Zugang zu einer Analyseplattform versteht, die aus kontinuierlich gemessenen Körperdaten konkrete Hinweise für Schlaf, Training und Erholung ableiten will. Will Ahmed, einer der Gründer und bis heute CEO des Unternehmens, war Kapitän der Harvard-Squashmannschaft. Die Gründungsgeschichte lautet, dass er einen permanent getragenen Sensor entwickelte, um besser zu erfassen, wann sein Körper belastbar oder erholungsbedürftig sei. Heute heißt es in der Selbstbeschreibung, das Wearable baue „nachweislich bessere Gesundheit auf“. Das private Unternehmen wird mit zehn Milliarden Dollar bewertet. Und das, obwohl das zugehörige Abonnement in Europa bis zu 400 Euro jährlich kostet.Was ohne teures Abonnement funktioniertWir haben günstigere Alternativen gesucht und drei Armbänder ausprobiert, die sich ohne Abonnement nutzen lassen, wenngleich auch hier Zusatzangebote kostenpflichtig sind. Der Aufpreis für weitere Dienste liegt indes bei unter 100 Euro im Jahr.Die Taste macht den Unterschied: Garmin Cirqa Smart BandHerstellerNebeneinandergelegt sehen sich zwei Kandidaten sehr ähnlich. Das ganz neue Cirqa Smart Band von Garmin misst 27 Millimeter in der Breite, was ungefähr einem Uhrenarmband entspricht. Es kostet 200 Euro. Amazfit schickte uns das Helio Strap für 100 Euro, es ist 24 Millimeter breit. Der Außenseiter ist das gerade erst auf den Markt gekommene Fitbit Air von Google mit 17 Millimeter, der Preis beträgt ebenfalls 100 Euro. Google und Garmin bieten verschiedene Bänder in unterschiedlichen Längen an, ferner gibt es Bizepsbänder von Drittherstellern zum Tragen am Oberarm.Wie die Sensoren messenDer Aufbau aller drei Kandidaten ist ähnlich. An der Unterseite des Bandes ist der Sensor eingelassen. Er lässt sich herausnehmen, um das Band zu wechseln. Den Sensor kann man sich als eine Smartwatch ohne Display vorstellen. So wundert kaum, dass sich an der Unterseite auch die üblichen LEDs einer Sportuhr befinden. Die Vitalzeichen werden mit Photoplethysmographie gemessen. Dabei wird Licht auf die Haut gesendet und gemessen, wie viel davon reflektiert wird. Da Blut Licht absorbiert, lassen sich aus den Schwankungen der Lichtreflexion Rückschlüsse auf das Blutvolumen ziehen. Daraus leiten sich verschiedene physiologische Parameter ab: die Herzfrequenz, der Ruhepuls oder die Herzfrequenzvariabilität und die Blutsauerstoffsättigung. Dazu kommen Beschleunigungssensor und Gyroskop für die Erfassung von Bewegungen.Dezent ohne Allüren: Amazfit Helio StrapHerstellerFerner wird an der Unterseite das Ladegerät platziert. Hier unterscheiden sich die Geräte deutlich. Garmin setzt auf seinen proprietären Ladestecker, wie er bei der Fenix und anderen Sportuhren des Hauses zum Einsatz kommt. Amazfit verwendet einen magnetisch andockenden Ladeknubbel mit zwei Pogopins. Er hat die Größe eines Fingerglieds und einen USB-C-Anschluss fürs Ladekabel an der Seite, sodass das Reisegepäck kaum belastet wird. Die schlechteste Lösung kommt von Google: Ein ebenfalls magnetisch andockender Ladeadapter mit zwei winzigen Pogopins, die leicht beschädigt werden können. Das Kabel ist zudem fest am Adapter befestigt. Nach dem Laden hält der Akku aller drei Bänder jeweils rund eine Woche, die Nutzungszeit ist stark davon abhängig, wie viele Sportaktivitäten man aufzeichnet.So schaut es aus: Trainingsauswertung in der Garmin-AppMichael SpehrBei der Erfassung der eigenen Trainings gilt es zu beachten, dass alle drei Armbänder keinen GPS-Empfänger eingebaut haben. Das ist beim Laufbandtraining im Haus oder dem Kraftsport egal. Wer aber seine Rennradroute oder die morgendliche Joggingrunde exakt protokollieren möchte, muss das Smartphone dabeihaben. Andernfalls wird die zurückgelegte Strecke nur geschätzt.Um eine Aktivität zu starten, gibt es zwei Möglichkeiten: Man stellt die zugehörige App so ein, dass Trainings automatisch erkannt werden. Man muss also nichts aktiv tun. Um welche Aktivität es sich gehandelt hat, erkennen alle drei Systeme mal gut, mal gar nicht. Sehr genau ist das Verfahren auch nicht.Ohne App geht es nichtDer zweite Weg ist folglich weniger frustrierend: Man sucht sich in der App die Sportart heraus und startet die Messung manuell am Smartphone, wo sie nach dem Training auch beendet wird. Nur das Garmin-Band hat eine Taste. Damit kann man ohne Handy ein Training starten und beenden. Zuvor legt man in der App fest, um welche Aktivität es sich handelt.Alle Messwerte, Daten und sämtliche Auswertung übernimmt bei den drei Armbändern die zugehörige App, sie läuft jeweils auf beiden Smartphone-Plattformen. Der große Pluspunkt: Alles landet in einer App, in einem Ökosystem, und man kann die Hardware wechseln. Man nimmt also zum Beispiel das Garmin-Armband tagsüber sowie während des Schlafs und die Garmin-Sportuhr nur während des Trainings. Sämtliche Messwerte fließen zusammen.Fit fürs Studio: Amazfit im EinsatzHerstellerIn Googles Welt klappt es mit der Google Pixel Watch und allen Fitbit-Geräten. Amazfit unterstützt sämtliche Sportuhren des Hauses und zusätzlich den Helio Ring, das ist ein smarter Ring. Die Integration eines Gerätes in ein fremdes Ökosystem gelingt indes nicht oder nur auf Umwegen, etwa über Health Connect in der Android-Welt.Ein Blick auf die jeweiligen Sport-Ökosysteme zeigt ebenfalls deutliche Unterschiede. Garmin fokussiert sich sehr auf die Erfassung möglichst vieler Details und Parameter für ambitionierte Sportler. Harte Fakten und Zahlen stehen im Vordergrund, und vor allem lassen sich die Daten im Web-Browser auf mannigfache Weise darstellen, auswerten und exportieren. Mit dem Garmin-Connect-Plus-Abonnement für neun Euro im Monat oder 90 im Jahr bekommt man weitere Möglichkeiten der Auswertung, erhält personalisierte Empfehlungen für die Ernährung und einen KI-Assistenten, der Analysen erstellt, dem man aber leider keine Fragen stellen kann.In dieser Hinsicht ist Google Health Premium besser aufgestellt. Es kostet zehn Euro monatlich und beantwortet eigene Fragen. Etwa, wie der heutige Sporttag aussehen und was man nach dem Joggen essen sollte. Amazfit stellt im Abonnement einen „Wellness-Berater“ zur Verfügung, der auch eine Leistungsanalyse für den Sport erstellt.Profisportler müssen in der Welt von Amazfit und Google jedoch mit einem gravierenden Nachteil leben: Sämtliche Auswertungen und Analysen gibt es nur in der App, nicht im Webbrowser. Nötigenfalls kann man einzelne Aktivitäten exportieren und dann auf einer Drittanbieter-Plattform wie etwa Strava auswerten.Schwach beim SchlafSchwach sind alle drei, wenn es um die Vermessung des Schlafs mitsamt Anzeige der Schlafstadien geht. Nach unseren Erfahrungen sind bei allen Sportuhren und Fitnessarmbändern die Schlafbefunde nicht valide. Wohl aber kann es sinnvoll sein, die Zeiten der Nachtruhe im Blick zu behalten.Was Google sagt: Ein KI-Assistent ist auch dabeiHerstellerWas die Sport- und Gesundheitsmessungen betrifft, sind die Daten der Armbänder stimmig. Wir haben sie vergleichend mit einer Sportuhr getragen. Aber sie sind kein Ersatz für die Uhr, die am Ende eines Workouts mehr Daten und Analytik bereitstellt. Alle drei Tracker haben uns gut gefallen. Das Band von Garmin ist das professionellste Produkt, das nach unseren Erfahrungen am genauesten misst.Der kleine Preis des Helio Strap und Fitbit Air erscheint attraktiv für jene Menschen, die ihre Aktivitäten und die Gesundheit im Blick behalten wollen. Das war vor mehr als 15 Jahren der Gedanke, als die ersten Sportarmbänder auf den Markt kamen. Ältere erinnern sich noch an Pioniere wie das Unternehmen Jawbone. Nun kommen die Produkte mit frischen Ideen wieder in Mode.