PfadnavigationHomePolitikDeutschlandNach Drohnen-VorwürfenRussland schließt Goethe-Institute – Wadephul nennt Schritt „sehr bedauerlich“Veröffentlicht am 03.09.2026Lesedauer: 5 MinutenRussland schließt nach Anschuldigungen wegen des Drohnen-Zwischenfalls am Flughafen Leipzig/Halle Niederlassungen des Goethe-Instituts. Das meldete die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf den russischen Außenminister Sergej Lawrow.Russland will die Goethe-Institute in dem Land schließen. Außenminister Wadephul kritisiert den Schritt. Unterdessen wird bekannt: Kanzler Merz drängte nach dem Anschlagsversuch auf den Flughafen Leipzig/Halle offenbar auf eine schnelle Zuschreibung an Moskau.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenAußenminister Johann Wadephul hat die von Moskau angekündigte Schließung der Goethe-Institute in Russland bedauert. „Das Goethe-Institut macht sich jeden Tag um gedeihliche Kulturbeziehungen und gesellschaftlichen Austausch zwischen Russland und Deutschland verdient – und das seit Russlands Invasionskrieg in der Ukraine unter schwierigsten Bedingungen“, teilte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage am Rande eines Treffens mit seinen Kollegen aus Frankreich und Polen im thüringischen Weimar mit.„Vor diesem Hintergrund ist die nun angekündigte Maßnahme der Russischen Föderation sehr bedauerlich, denn sie schadet unseren Beziehungen weiter“, kritisierte Wadephul, der mit seinen Kollegen auch das Wohnhaus Goethes besichtigte. Insbesondere sei die angekündigte Schließung ungerechtfertigt, da die Bundesregierung mit der Schließung des Russischen Hauses in Berlin auf einen klar zugeordneten Angriff Russlands reagiere.Berlin macht Moskau für den Anschlagsversuch mit einer Sprengstoffdrohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich und hat einen Sanktionskatalog gegen Moskau angekündigt. Russland bestreitet, etwas mit der Drohne auf dem Flughafen zu tun zu haben.Wadephul: Russisches Haus dient weder Kultur noch WissenschaftDer Bundesaußenminister kritisierte, das Russische Haus werde seit langem seinem Namen als sogenanntes „Haus der Wissenschaft und Kultur“ nicht mehr gerecht. „Ich sage ganz klar: Es dient weder der Kultur noch der Wissenschaft.“ Russland müsse entscheiden, welche Art von Beziehungen es mit Deutschland möchte.Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte der Nachrichtenagentur Interfax zufolge in Wladiwostok angekündigt, man werde die Goethe-Institute in Russland als Reaktion auf die angekündigte Schließung des Russischen Hauses schließen. In Russland gibt es nach Angaben des Goethe-Instituts neben der Hauptstelle in Moskau noch Kultureinrichtungen in St. Petersburg und Jekaterinburg.Lesen Sie auchNach Angaben des Goethe-Instituts gibt es neben der Hauptstelle in Moskau auch noch Kultureinrichtungen in St. Petersburg und Jekaterinburg. „Natürlich werden sie geschlossen, nachdem unser Kulturzentrum von dort (Berlin) vertrieben wurde“, sagte Lawrow beim Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok. Deutschland nehme bewusst in Kauf, dass der Schritt gegen das Russische Haus „eindeutig das Ende seiner kulturellen Präsenz in der Russischen Föderation bedeutet“.Trotz aller Spannungen mit dem Westen wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine habe das Institut weiter arbeiten können, sagte Lawrow. Das Goethe-Institut gehört zu den letzten in Russland noch tätigen deutschen Einrichtungen. Russland hatte massenhaft Stiftungen und Organisationen für unerwünscht erklärt und dadurch mit Tätigkeitsverbot belegt.Putin weist Vorwürfe zurückDie Bundesregierung hatte Moskau zuvor für den Vorfall verantwortlich gemacht und als Reaktion unter anderem ein russisches Konsulat in Bonn geschlossen. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte Deutschland am Dienstag beschuldigt, Beweise fingiert zu haben, um Moskau die Schuld zuzuweisen.„Wo sind die Beweise?“, fragte der Kreml-Chef auf einer Pressekonferenz in Bischkek (Kirgistan). Bisher vorgelegte Belege bezeichnete er als „gefälscht“. Die Reaktion der Bundesregierung sei vor allem innenpolitisch motiviert.„Merz hat das Vertrauen der Bürger verloren, da er die nationalen Interessen Deutschlands nicht schützt“, sagte Putin nach dem Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). Die Zukunft der derzeitigen politischen Spitze Deutschlands stehe bei den kommenden Wahlen aufgrund der wirtschaftlichen Probleme auf dem Spiel.Merz wollte Russland früher benennen – Minister bremsten zunächstWie nun bekannt wird, hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei der Kabinettsklausur in Neuhardenberg offenbar darauf gedrungen, Russland schnell öffentlich als Urheber des Anschlagsversuchs auf den Flughafen Leipzig/Halle zu benennen. Nach Informationen des „Spiegel“ war Merz zum Zeitpunkt des Treffens in der vergangenen Woche überzeugt, dass die Indizienkette dafür ausreichend sei. Entscheidend dazu beigetragen hat demnach, dass sich in der ersten Augusthälfte ein ausländischer Nachrichtendienst mit einem brisanten Hinweis in Berlin gemeldet hatte. Demnach ließen sich mehrere an dem Angriff beteiligte Personen russischen Geheimdiensten zuordnen.Lesen Sie auchJedoch bremsten Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Außenminister Johann Wadephul (CDU) zunächst. Dobrindt verwies darauf, dass man die laufenden Ermittlungen nicht gefährden dürfe, indem die Regierung Russland öffentlich des Angriffs bezichtigt. Wadephul wendete ein, dass sein Haus Vorbereitungen treffen müsse für den Fall, dass Moskau deutsche Sanktionen mit Gegenmaßnahmen beantworten würde: Deutsche Diplomaten müssten vorgewarnt, Dokumente und Daten in Sicherheit gebracht werden.Eine öffentliche Zuschreibung der Attacke noch in der Woche der Klausurtagung erwies sich als nicht möglich. Merz’ Sicherheitsberater Günter Sautter stimmte in den Folgetagen mit den Staatssekretären der Ressorts für Inneres und Auswärtiges den Wortlaut der Erklärung ab, die Dobrindt und Wadephul am Dienstag im Innenministerium verlasen.Ermittler prüfen Verbindungen zu Fällen in Polen und SerbienUnterdessen verfolgen die deutschen Ermittler auch Spuren nach Polen und Serbien. Wie der „Spiegel“ aus Sicherheitskreisen erfuhr, wird einer der bislang identifizierten Tatverdächtigen mit einem weiteren Sabotageakt in Verbindung gebracht – einem Brandanschlag auf einen Baumarkt im polnischen Łódź im Juli 2024. Der Mann soll den Angaben zufolge Kontakt zu russischen Geheimdiensten haben.Nach Informationen der Zeitung prüfen Ermittler zudem Verbindungen zwischen dem Vorfall in Leipzig und einem Sprengstofffund an der serbisch-ungarischen Grenze. Dort hatten serbische Sicherheitskräfte am 11. Juni zwei Männer festgenommen, die Komponenten einer modifizierten Drohne, Transmitter zur Steuerung sowie zwei Konservendosen mit Sprengstoff mit sich führten.Nach Angaben aus Ermittlerkreisen weisen die Bauteile Ähnlichkeiten zu der am Leipziger Flughafen entdeckten Drohne auf. Auch dort war der Sprengstoff etwa in einer Konservendose verbaut, die an der Drohne befestigt war.Lesen Sie auchDie an der EU-Grenze festgenommenen Männer, ein Serbe und ein Mann mit serbischer und russischer Staatsangehörigkeit, sitzen in Untersuchungshaft. Die deutschen Sicherheitsbehörden prüfen demnach derzeit mögliche „Kennverhältnisse“ der beiden zu einer Person, die auch im Leipziger Fall eine Rolle spielt.Nach Recherchen der Zeitung liegen mehreren europäischen Nachrichtendiensten Informationen über mindestens vier aus Russland gesteuerte Sabotage-Netzwerke vor, die derzeit in der EU aktiv sind.rtr/dpa/saha/ceb
Lawrow verkündet Schließung der Goethe-Niederlassungen – Merz wollte Russland laut Bericht schon früher beschuldigen - WELT
Russland will die Goethe-Institute in dem Land schließen. Außenminister Wadephul kritisiert den Schritt. Unterdessen wird bekannt: Kanzler Merz drängte nach dem Anschlagsversuch auf den Flughafen Leipzig/Halle offenbar auf eine schnelle Zuschreibung an Moskau.












