Moskau schliesst die Goethe-Institute und verschärft den Ton gegenüber BerlinRussland reagiert auf die deutschen Massnahmen nach dem Drohnenanschlag in Leipzig. In den russischen sozialen Netzwerken werden die wildesten Gedankenspiele angestellt.Armin Arbeiter, Berlin03.09.2026, 10.56 Uhr3 LeseminutenDer russische Aussenminister Sergei Lawrow kritisiert fehlende Beweise von deutscher Seite.Ramil Sitdikov / ReutersDie russische Regierung wird laut Aussenminister Sergei Lawrow die deutschen Goethe-Institute in Russland schliessen. Es handle sich um eine Reaktion auf die angekündigte Schliessung des Russischen Hauses in Berlin, sagte der Minister. Die deutsche Regierung hatte bekanntgegeben, den Vertrag für den Betrieb des Russischen Hauses infolge des Fundes einer Sprengstoffdrohne auf dem Flughafen Leipzig zu kündigen. Eine Schliessung des Goethe-Instituts im Gegenzug war erwartet worden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Berlin macht Moskau für den versuchten Drohnenanschlag in der Nacht zum 5. August verantwortlich. Russland bestreitet das. Lawrow kritisierte, dass die deutschen Behörden keine Beweise vorgelegt hätten. Sie hätten eine Drohne gesehen und entschieden, dass sie so aussehe wie eine russische, sagte er.Allerdings berichteten NDR, WDR und die «SZ» am Mittwoch, die Ermittler des Bundeskriminalamtes hätten zwei Tatverdächtige identifizieren können. Bei einem Verdächtigen handle es sich um einen Weissrussen, dessen DNA am Tatort in Leipzig entdeckt worden sei. Er verfüge zudem über einen russischen Pass und sei bereits im Baltikum mit Straftaten aufgefallen. Laut dem Bericht war er mit einem italienischen Touristenvisum in den Schengenraum eingereist.Per Flugzeug eingereistLogistiker und Instrukteur des geplanten Anschlags sei wiederum ein gebürtiger Russe mit lettischem Pass gewesen, der über Verbindungen zum russischen Geheimdienst verfüge. Der Mann sei offenbar Ende Juli über den Berliner Flughafen nach Deutschland eingereist und anschliessend mit einem Mietwagen in Richtung Leipzig gefahren. Zwei Tage vor dem gescheiterten Anschlag habe er Deutschland wieder verlassen.Die Fahnder gehen nicht davon aus, dass die beiden Täter gefasst und zur Verantwortung gezogen werden können. So war es zumindest in anderen, vergleichbaren Fällen, bei denen die Täter nach Russland entkamen und sich so dem Zugriff der Ermittler entzogen.Das Goethe-Institut hatte während des russischen Kriegs gegen die Ukraine seine Aktivitäten in Russland deutlich heruntergefahren, aber dennoch Kulturveranstaltungen organisiert. Für viele europafreundliche und dem Westen gegenüber aufgeschlossene Russen ist die Schliessung ein Schlag.Das deutsche Goethe-Institut in Moskau.Ramil Sitdikov / ReutersWeitere Gegenmassnahmen geplantRussland hatte wegen der Spannungen mit dem Westen bereits zahlreiche Stiftungen und Organisationen für unerwünscht erklärt und mit Tätigkeitsverbot belegt. Betroffen waren viele namhafte Organisationen, unter anderem auch der Deutsche Akademische Austauschdienst und das Deutsche Historische Institut.Moskau hat zudem weitere Gegenmassnahmen angekündigt. Unter Diplomaten denkbar ist unter anderem eine Schliessung des Generalkonsulats in St. Petersburg. Schon in der Vergangenheit hatten beide Seiten im Zuge von Sanktionen wechselseitig Konsulate geschlossen. Damit verbunden waren und sind auch Ausweisungen von Diplomaten und ihren Familien. Dieser Schritt der Russen auf die deutschen Ankündigungen steht neben anderen Reaktionen noch aus.Merz «beseitigen»Ein Blick in die russische Kriegspropaganda zeigt, dass die Massnahmen einigen Russen nicht weit genug gehen: Der frühere Präsident Dmitri Medwedew sagte etwa, angesichts der aus seiner Sicht russlandfeindlichen Haltung der deutschen Regierung seien Angriffe auf deutsche Rüstungsbetriebe gerechtfertigt, die Waffen an die Ukraine lieferten.Zudem sponserten westliche Staats- und Regierungschefs «den Terror» – gemeint ist der ukrainische Widerstand. Diese Staats- und Regierungschefs führen «oft mit dem Zug nach Kiew». Angesichts der Tatsache, dass Russland die ukrainische Hauptstadt regelmässig mit massiven Luftangriffen überzieht, eine unverhohlene Drohung.Die Sprecherin des russischen Aussenministeriums, Maria Sacharowa, stellte die deutsche Entscheidung in einen historischen Zusammenhang mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939. Sie warf Berlin vor, zu alten politischen Mustern zurückzukehren, und kündigte eine harte russische Antwort an.Der russische Propagandist Wladimir Solowjow, selten um harsche Töne gegen Deutschland verlegen, bestritt gar die völkerrechtliche Grundlage der deutschen Wiedervereinigung. Ein solches Land gebe es nicht, sagte er in einer TV-Runde über Deutschland. Angesichts angeblicher Verstösse gegen den 2+4-Vertrag «sollte dem Land die Anerkennung entzogen und einfach die DDR wiederhergestellt werden», sagte er.Auch in kremlnahen Telegram-Kanälen wurde die Rhetorik weiter verschärft. Einzelne Militärblogger forderten, deutsche Rüstungsfabriken im Konfliktfall auszuschalten. Andere riefen dazu auf, den deutschen Kanzler Friedrich Merz «zu beseitigen».Passend zum Artikel
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Russland reagiert auf die deutschen Massnahmen nach dem Drohnenanschlag in Leipzig. In den russischen sozialen Netzwerken werden die wildesten Gedankenspiele angestellt.











