Erst kürzlich war Péter Nádas wieder einmal in Deutschland, seiner zweiten Heimat, zumindest in literarischem Sinne, denn hier hatte er sein treuestes Publikum. Treuer als in Ungarn, wo er 1942 geboren wurde, mitten im Krieg in Budapest, als Sohn einer jüdischen Familie, die damals noch von dem Schutz profitierte, den die ungarische Regierung den einheimischen Juden garantierte und den das nationalsozialistische Deutschland zähneknirschend akzeptierte, weil es sich bei Ungarn um ein verbündetes Land handelte. Dieser Schutz hielt aber nur bis 1944, und etliche von Nádas’ Verwandten wurden dann ermordet. Dass er dem Nachkriegs-Deutschland überhaupt Sympathie entgegenbringen konnte, ist erstaunlich, aber auch eine Folge davon, dass Deutsch zu seinen Kindheitssprachen zählte.