Er hat der Welt große Romane geschenkt. Er hat uns das Sehen gelehrt: Die Perspektive auf die Erinnerung, das Gleiten durch Generationen und eine Offenheit für Überraschungen. Bei Péter Nádas konnten dann auch mal Gespenster hervorkommen, Gespenster aus der Vergangenheit. Am Mittwoch ist der große europäische Erzähler Péter Nádas in seinem Haus in der südwestungarischen Gemeinde Gombosszeg gestorben.
Es passt zusammen, wenn man Europa und die ungarische Provinz in einen Satz bringt, wenn man von ihm spricht, denn er kam den Dingen sehr nahe und erreichte damit etwas Universelles. Das hat gewiss mit seinem durch die Herkunft geschärften Blick zu tun. Nádas wurde am 14. Oktober 1942 in Budapest geboren, da lebten seine Eltern im Versteck. Sie waren Kommunisten – und Juden, was ihm selbst erst bewusst gemacht wurde, als er als Kind seiner Mutter erklärte, er hasse Juden. „Schau gut hin“, sagte sie, „da hast du einen Juden, du kannst ihn ruhig hassen.“ Angesprochen auf dieses Zitat, erzählte er später, dass sich diese Situation genau so zugetragen habe.
Langsamkeit durch die Zensur antrainiert
Andere Erinnerungen durchliefen einen langen Prozess des Denkens und Formens. Péter Nádas war ein skrupulös genauer Autor, der an seinen Romanen wie „Buch der Erinnerung“, „Parallelgeschichten“, „Aufleuchtende Details“ und zuletzt „Schauergeschichten“ viele Jahre arbeitete. Vielleicht war es die anfängliche Aussichtslosigkeit auf Veröffentlichung, durch die er sich das langsame Schreiben antrainiert hatte. Das Erscheinen seines allerersten Buchs „Ende eines Familienromans“ wurde von der Zensur im sozialistischen Ungarn beharrlich verschleppt.










