Eine Mutter in den USA tötet ihre drei Kinder. Dass nun einige online harte Strafen fordern, beweist, wie schwer es Menschen fällt, Ambiguität auszuhalten.

E in Mensch kann etwas zutiefst Grausames tun – und trotzdem unser Mitgefühl verdienen. Das zeigt die aktuelle Debatte um die US-Amerikanerin Lindsay Clancy, die im Januar 2023 ihre drei Kinder getötet haben soll. Der per Livestream übertragene Prozess um die 36-Jährige hat im Internet massive Diskussionen ausgelöst.

Er lenkt den Blick auf die postpartale Psychose – eine schwere psychische Erkrankung, an der Clancy nach Darstellung ihres Anwalts gelitten haben soll. Zugleich macht der Fall noch etwas anderes sichtbar: wie schwer es unserer Gesellschaft fällt, Geschichten auszuhalten, die sich einem einfachen Täter-Opfer-Narrativ entziehen.

Lindsay Clancy selbst bestreitet nicht, die Tat begangen zu haben. Ihre Verteidigung argumentiert jedoch, dass sie aufgrund einer postpartalen Psychose zum Tatzeitpunkt nicht schuldfähig gewesen sei. Anschließend soll sie versucht haben, sich das Leben zu nehmen. Seitdem ist sie querschnittsgelähmt.

Die postpartale Psychose gilt als die schwerste Form der postpartalen psychischen Erkrankungen. Sie kann Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Realitätsverlust hervorrufen. Von 1.000 Müttern sind etwa 1 bis 2 Frauen betroffen. Sie ist also deutlich seltener als postpartale Depression, die rund 10 bis 15 Prozent aller Mütter erleben. Die Dunkelziffer könnte allerdings höher sein, denn aufgrund von Scham und gesellschaftlichem Stigma bleibt ein Großteil der postpartalen psychischen Erkrankungen unbehandelt.