Bahnbrechender Vergleich: Instagram limitiert in den USA, wie lange Kinder den Online-Dienst nutzen dürfenDer Mutterkonzern von Instagram und Facebook willigt in die Bezahlung einer Strafe von 18 Milliarden Dollar ein. Zudem setzt Meta auf Druck einer breiten Koalition von Republikanern und Demokraten neue Kindesschutzmassnahmen um.Renzo Ruf, Washington26.08.2026, 22.00 Uhr3 LeseminutenMeta-CEO Mark Zuckerberg muss die Nutzungsbedingungen für Jugendliche anpassen.Carlos Barria / ReutersMeta kauft sich frei. Gegen die Bezahlung einer Strafe von rund 18 Milliarden Dollar hat sich der Social-Media-Gigant am Mittwoch aussergerichtlich mit einer Gruppe von Klägern geeinigt. Diese hatten vor Bundesgericht den Vorwurf erhoben, Meta habe mit seinen Produkten Instagram und Facebook Kinder und Jugendliche süchtig gemacht und sie psychisch geschädigt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der entsprechende Prozess in Oakland (Kalifornien) hatte vorige Woche begonnen, nachdem eine lose Koalition von demokratischen und republikanischen Justizministern eine Klage eingereicht hatte. Die Kläger forderten einen Schadenersatz in dreistelliger Milliardenhöhe. Meta wies diese Vorwürfe zwar stets zurück, willigte nach monatelangen Verhandlungen hinter verschlossenen Türen aber in die Bezahlung einer Busse ein.Damit haben nun 49 der 50 Gliedstaaten sowie der Hauptstadtbezirk District of Columbia einen Vergleich mit dem Social-Media-Konzern abgeschlossen. Florida ist damit der einzige Gliedstaat, der Meta weiterhin auf dem Klageweg zur Rechenschaft ziehen will. Der republikanische Justizminister James Uthmeier schrieb auf X, angesichts des Milliarden-Umsatzes, den Meta jeden Monat erwirtschafte, komme die Höhe der vereinbarten Entschädigungssumme einer Beleidigung gleich. In der Tat erzielte Meta im 2. Quartal 2026, das am 30. Juni endete, einen Reingewinn von fast 16 Milliarden Dollar.Nachtsperre auf InstagramDer Vergleich enthält allerdings nicht nur eine finanzielle Entschädigung an die US-Gliedstaaten, die gemäss der Meta-Pressemitteilung in den digitalen Jugendschutz investiert werden soll. Erstmals verpflichtet sich der Social-Media-Gigant auch zu einer ganzen Reihe von Kindesschutzmassnahmen.Dazu gehört eine zeitliche Obergrenze für den täglichen Konsum; dieses Limit von zwei Stunden könne nur von den Eltern der minderjährigen Konsumenten ausgeschaltet werden, teilte Meta mit. Alle 30 Minuten bekommen Kinder ausserdem einen «Prompt», der sie zu einer bewussteren Nutzung von Social Media anregen soll. Auch soll der Zugriff auf Instagram und Facebook für Kinder und Jugendliche, die ihren 18. Geburtstag noch nicht gefeiert haben, über Nacht automatisch blockiert werden. Die Sperre soll von Mitternacht bis 6 Uhr gelten.Meta verspricht zudem, Kinder besser von «schädlichen Inhalten» zu behüten, die auf Instagram oder Facebook zirkulieren. «Autoplay», die automatische Wiedergabe von Videos, soll abgestellt werden können. Und gewisse Filter, mit denen Kinder ihr Aussehen «extrem» verändern können, seien künftig nicht mehr erhältlich. Dazu werde Meta neue Anstrengungen unternehmen, um das Alter der Konsumenten zu überprüfen. Accounts von Kindern, die jünger als 13 Jahre alt sind, würden schneller gelöscht — weil sie gegen die Geschäftsbedingungen des Unternehmens verstiessen.Diese neuen Vorgaben sollen vorerst für mindestens fünf Jahre gelten und gerichtlich überwacht werden. Gemäss den Angaben von Meta treten sie nur in denjenigen Gliedstaaten in Kraft, die den Vergleich unterzeichnet haben. Für Kinder und Jugendliche, die ausserhalb der USA wohnen, ändert sich also vorerst nichts — wobei die nun gefundene Lösung vielleicht auch in Europa als Vorlage dienen könnte. Im April hatte die Europäische Kommission moniert, Meta vernachlässige den Kinderschutz und mit einer Geldbusse gedroht.Youtube und Tiktok sollen auch bezahlenAussergewöhnlich an dem Abkommen ist ferner, dass der Social-Media-Konzern nur dann die volle Strafe bezahlen muss, wenn auch die beiden grossen Mitbewerber Youtube und Tiktok neue Kindesschutzmassnahmen umsetzen.30 Prozent der Busse — Meta beziffert den entsprechenden Betrag auf 5,3 Milliarden Dollar — werden nur dann fällig, wenn Youtube und Tiktok die Nutzung ihrer Dienste für Kinder auf 1 Stunde pro Tag beschränken und ebenfalls eine Nachtsperre einführen. Ausserdem müssten die beiden Unternehmen eine Strafe von mindestens 5,3 Milliarden Dollar bezahlen, wobei Youtube (das zu Alphabet gehört) und Tiktok je die Hälfte dieses Betrags leisten würden.Youtube und Tiktok verzichteten am Mittwoch vorerst darauf, einen Kommentar über diesen Passus im Abkommen mit Meta abzugeben.Der Prozess gegen Meta, an dem auch schon Instagram-Chef Adam Mosseri hatte aussagen müssen, ist Teil einer wahren Welle an Klagen gegen die amerikanischen Social-Media-Konzerne. Mit der Unterstützung der Gliedstaaten wollen Familien und Politiker Meta, Youtube, Tiktok und Snapchat für den Schaden zur Verantwortung ziehen, den die Firmen angeblich angerichtet haben. Beobachter vergleichen diese konzertierte Aktion mit der Kampagne gegen die Tabakindustrie in den Neunzigerjahren.Passend zum Artikel
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