Mr MarketClariant stösst auf GefallenDer Spezialchemiekonzern profitiert von einem wegweisenden Gerichtsentscheid, aber nicht nur. Ausserdem: SMG brilliert vor dem Chefwechsel, für Sunrise könnte sich die Kooperation mit Salt bezahlt machen und Klaus-Michael Kühne hinterlässt ein gut sortiertes Imperium.The Market26.08.2026, 17.36 UhrGeschätzte Leserin, geschätzter LeserOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Schweizer Aktienmarkt tendiert nach der starken Erholung im Frühjahr seitwärts, das Anfang August erreichte Allzeithöchst bleibt in Sichtnähe. Unter der Oberfläche aber ist es in den vergangenen Wochen zu deutlichen Verschiebungen gekommen. Eine Reihe von Aktien wurde in der zweiten Jahreshälfte zu neuem Leben erweckt – aus unterschiedlichen Gründen.Das auffälligste Beispiel ist Komax. Die Titel des kriselnden Herstellers von Kabelverarbeitungsmaschinen haben seit Ende Juni mehr als 80% an Wert gewonnen. Der grösste Teil des Zuwachses gelang vor knapp zwei Wochen.Mit den Zahlen zum ersten Halbjahr signalisierte das Management, dass es den Auftragseingang ausserhalb der kritischen, aber serbelnden Autoindustrie ausbauen kann. Massgeblich zu dieser positiven Entwicklung beigetragen habe die starke Marktposition in den Industrie- und Infrastruktursegmenten in Nordamerika, die vom anhaltenden Ausbau von Rechenzentren profitiert habe. «Da zahlreiche Bestellungen erst gegen Mitte des Jahres eingingen, widerspiegelte sich dies noch nicht im Umsatz», schrieb das Unternehmen.Die Meldung verlieh den Anlegern offensichtlich die Fantasie, dass auch Komax zu einem Schweizer Profiteur der Investitionen in künstliche Intelligenz werden könnte.Noch Ende Juni hatte ich an dieser Stelle Zweifel daran geäussert, dass die zur Stabilisierung des Unternehmens absolut notwendige Diversifizierung des Geschäfts angesichts der zunehmend eingeschränkten Handlungsfähigkeit gelingen kann. Der freie Cashflow lag zuletzt im Minus, in den vergangenen Jahren ist auch deshalb die Nettoverschuldung von Komax angeschwollen. Noch immer bin ich nicht restlos überzeugt, dass Komax über den Berg ist.Gleichzeitig aber sendete das Unternehmen weitere wichtige Signale: Mit Roger Albrecht übernimmt im ersten Quartal 2027 ein erfahrener Manager aus der Schweizer Industrie (u.a. Rieter). Damit erhält Komax wieder eine reguläre Führung. Das angekündigte Programm «Uplift» setzt zudem nicht nur bei der beschriebenen Ausweitung des Geschäfts an, sondern legt einen starken Fokus auf weitere Sparmassnahmen, was den operativen Hebel noch verstärken dürfte, wenn das Wachstum tatsächlich anzieht.Auch bei Georg Fischer (+35% seit Ende Juni) kam mit der Präsentation der Halbjahreszahlen KI-Fantasie auf. Der Auftragseingang im hochmargigen Industriebereich – der das Geschäft mit Halbleitern und Rechenzentren umfasst – wuchs 20%, der Umsatz mehr als 10%. Haupttreiber für das Wachstum und die Profitabilität sind Leitungen für hochreines Wasser in der Chipproduktion mit einem Umsatzanteil von 5%, schätzt die Zürcher Kantonalbank.Zu den Gewinnern gehörten in den vergangenen Wochen überdies die Aktien von Adecco (+60%), Forbo (+28%) und SoftwareOne (+27%). Die Unternehmen lieferten nach schwierigen Quartalen (etwas) bessere Halbjahreszahlen als erwartet worden war.InhaltsverzeichnisClariant: Analysten finden Gefallen an den AktienSMG im UmbruchSunrise und Salt kooperierenNervöse Anleger bei DormakabaKontinuität bei Kühne + NagelClariant: Analysten finden Gefallen an den AktienZu den positiven Überraschungen gehörten jüngst auch Clariant. Die Aktien haben in den vergangenen vier Wochen rund 40% an Wert zugelegt und zählen in diesem Zeitraum zu den vier stärksten Aktien. Seit Jahresanfang haben die Titel gar fast 50% gewonnen, was Rang eins im SMI Expanded bedeutet – dieser umfasst die fünfzig grössten Schweizer Unternehmen.Ohnehin fällt auf, dass Clariant zu einem Liebling der Analysten avanciert. Im August zähle ich nicht weniger als sieben Hochstufungen für die Aktien. Während Jefferies lediglich von «Sell» auf «Hold» wechselte, sprechen Barclays, Deutsche Bank, Berenberg, Research Partners, Baader Europe und Goldman Sachs neu eine Kaufempfehlung aus.Mittlerweile raten elf der zwanzig von Bloomberg erfassten Analysten zum Kauf, sieben empfehlen, die Aktie zu halten, und zwei raten zum Verkauf. Zu Letzteren gehört Morgan Stanley. Die zuständige Analystin Lisa De Neve bewies dabei leider kein glückliches Händchen: Am 20. Juli hatte sie die Titel mit Verweis auf Risiken aus Rechtsstreitigkeiten abgestuft – Risiken, die sich kurz darauf massiv reduzieren sollten.Denn am 29. Juli gab ein Urteil des Bezirksgerichts Amsterdam den Startschuss für die jüngste Kursrally. Das Gericht wies eine Schadenersatzklage von Shell Chemicals Europe über mehr als 1 Mrd. € gegen Clariant und drei weitere Chemieunternehmen – Celanese, Westlake und Orbia/Vestolit – ab.Zur Erinnerung: Die Europäische Kommission verurteilte Clariant und die drei erwähnten Unternehmen im Sommer 2020 wegen illegaler Preisabsprachen beim Einkauf von Ethylen – eines der wichtigsten Grundchemikalien weltweit. Zwischen 2011 und 2017 hatten die Firmen ihre Verhandlungsstrategien und den monatlichen Vertragspreis koordiniert, um den chemischen Grundstoff künstlich günstig einzukaufen. Alle vier räumten ihre Beteiligung an dem Kartell ein und stimmten einem Vergleich zu. Clariant zahlte eine Busse von rund 156 Mio. €.Doch das dicke Ende kam erst danach. Mehrere Ethylenproduzenten sagten, sie hätten wegen der Absprache über Jahre zu niedrige Preise erhalten. Im Oktober 2023 machte Shell den Anfang mit der – jüngst abgewiesenen – Schadensersatzklage über 1 Mrd. €; 2025 entwickelte sich daraus eine regelrechte Klagewelle mit Vorstössen von unter anderem BASF, TotalEnergies, BP, ExxonMobil, Braskem und MOL.Die Niederlage von Shell vor dem Bezirksgericht Amsterdam dürfte gemäss Analysten auch den noch anhängigen Klagen – mit einem Gesamtvolumen von rund 10 Mrd. € – den Stecker ziehen. Demnach ist durch das Kartell kein plausibler Schaden am Ethylenmarkt entstanden. Unter anderem sei nicht ersichtlich, dass das Kartell über genügend Marktmacht verfügt habe, um den Preis im behaupteten Masse zu beeinflussen.Entsprechend haben Analysten im August durchs Band ihre Schätzungen für die Belastung aus den anhängigen Klagen gesenkt. Vor dem niederländischen Urteil ging der Markt gemäss Barclays noch von insgesamt rund 2 Mrd. Fr. aus. Barclays selbst reduzierte seine Schätzung nun auf 800 Mio. Fr. Die Analysten von Berenberg sind noch optimistischer und rechnen nur noch mit Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten von 200 Mio. Fr.Doch auch die positive operative Entwicklung von Clariant möchte ich nicht unerwähnt lassen. Im zweiten Quartal war das Ergebnis robuster als bei vergleichbaren breit aufgestellten Chemiekonzernen. Viele Analysten verweisen zudem auf eine mögliche Erholung im wichtigen Katalysatorgeschäft. Darüber hinaus gilt die Bewertung als wenig anspruchsvoll – sowohl im historischen Vergleich als auch gegenüber der Konkurrenz.Das Management hat in der Vergangenheit erfolgreich die Kosten gesenkt, die Marge verbessert und das Portfolio aufgewertet. Nach der Kursavance der vergangenen Wochen könnten die Aktien kurzfristig etwas heiss gelaufen sein. Bestätigt sich jedoch der positive operative Trend und treten die Rechtsstreitigkeiten weiter in den Hintergrund, sind sie einen Blick wert.SMG im UmbruchIch hatte auf einen Befreiungsschlag bei Swiss Marketplace Group (SMG) gehofft, nun wurde es ein Paukenschlag. Trotz eines operativ starken ersten Halbjahres kündigt die Onlinemarktbetreiberin einen doppelten Führungswechsel an. Christoph Tonini übergibt den CEO-Posten zum Jahresende an Alberto Sanz de Lama, den bisherigen Leiter des margenstarken Automotive-Geschäfts, und strebt das Verwaltungsratspräsidium an. Im April 2027 soll Tonini den scheidenden Jörn Nikolay ablösen.Ich frage mich: Wird Tonini im Hintergrund die operativen Fäden ziehen? Sanz de Lama hat gemäss seiner Vita überschaubare Erfahrung mit dem digitalen Anzeigengeschäft. Im Gespräch am Dienstagmorgen winkte Tonini ab. «Ich ziehe mich ab Januar 2027 bewusst vollständig aus dem Tagesgeschäft zurück, um auch persönlich mehr Freiheit in meiner Agenda zu haben». Den Auswahlprozess habe allein das Board verantwortet, es waren auch Kandidaten aus dem Ausland in der engeren Auswahl. Tonini betont: «Sanz de Lama wird volle Beinfreiheit haben.»Apropos gutes Timing: Den späten Börsengang von SMG im September 2025, kurz bevor die grosse Angst vor KI die Märkte traf, bereut der scheidende CEO nicht. «Vorher wären wir schlicht nicht parat gewesen.»Genau diese KI bereitet den Investoren immer noch Sorgen, was sich an der Performance seit dem Initial Public Offering ablesen lässt.Sogenannte Large Language Models (LLM) drohen das klassische Such- und Anzeigenmodell von Plattformen wie ImmoScout24 oder Ricardo zu disruptieren. Tonini gibt sich kämpferisch: «Unser Ziel muss sein, trotz all dieser LLM die beste Nutzererfahrung zu bieten.» Das sagen natürlich alle Anbieter. Doch der scheidende CEO legt nach. SMG integriere KI-Assistenten sehr früh in die eigenen Plattformen. «Wenn wir unsere proprietären Daten und unsere Nutzerbindung mit KI kombinieren, sehe ich nicht, wer ein besseres Produkt haben sollte», so Tonini.Das zahle sich aus: Beim Segment General Marketplaces verzeichnete SMG ein Wachstum von 13%. Die positive Entwicklung wurde durch KI-gestützte Produktverbesserungen und verbessertes KI-Matching gestützt. Gleichzeitig sinke die Investitionsquote auf 7,5 bis 8,5%, da die Entwicklungskosten (z.B. für IT) trotz allem stabil blieben.Der Umsatz der Gruppe stieg im ersten Halbjahr um 11,3% auf 179,8 Mio. Fr. und die bereinigte Betriebsgewinnmarge auf Stufe Ebitda kletterte auf beeindruckende 56,5%. Der Gewinn nach Steuern verdoppelte sich auf 56,4 Mio. Fr. Damit nähert sich SMG an die teils bessere Marge seiner europäischen Wettbewerber wie Hemnet, Rightmove und Baltic Classifieds.Was bleibt als grösste Baustelle für den neuen CEO?Eine Branchenkonsolidierung über die Landesgrenzen hinaus schliesst Tonini aus. Die wahre Herausforderung für seinen Nachfolger sei klar technologischer Natur: «Die Entwicklungen gehen durch KI heute viel schneller. Es gilt, gute Entwicklungen draussen sofort zu erkennen und extrem schnell zu sagen: ‹Hey, das braucht es bei uns auch!›» Sanz de Lama darf hier also nicht zimperlich sein. So gesehen hat Tonini den Grundstein gelegt. Den weiteren Bau überlässt er nun anderen.An der Börse kam der Plan gut an. Die Aktien SMG, die immer noch ihrem Ausgabepreis hinterherlaufen, stiegen am Dienstag teilweise über 11%.Sunrise und Salt kooperierenVielleicht ist es nur eine Randnotiz, in jedem Fall aber ein gutes Zeichen: Die meist ruppig konkurrierenden Schweizer Telecomanbieter Sunrise und Salt haben Anfang Woche die Absicht kundgetan, künftig bei der Nutzung von Mobilfunkantennen zu kooperieren. Konkret geht es um die 70% ihrer Mobilfunkstandorte, die in ländlichen Gebieten liegen und deutlich weniger effizient genutzt werden können als die Standorte in den Ballungszentren.Noch handelt es sich um eine Absichtserklärung, ein Memorandum of Understanding. Die Parameter dazu müssen erst erarbeitet werden. Dennoch: Mit Blick auf mehrere Jahre könnten sich die Vorteile aus einer Kooperation summieren.Mark Diethelm, Analyst bei Vontobel, erläutert mir im Gespräch, dass Swisscom mit ihrer Tochter Vodafone Italia im Januar ebenfalls eine Antennenkooperation mit dem dortigen Platzhirsch Telecom Italia eingegangen ist. Damals berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, dass es sich um rund 15’500 Mobilfunkantennen handle und für beide Unternehmen einen Kostenvorteil von jährlich je bis zu 30 Mio. € gegenüber einem Alleingang schaffen würde.Angesichts der rund 7000 ländlichen Mobilfunkstandorte von Sunrise, für die eine Kooperation angepeilt wird, könnten damit für das Unternehmen unter Einbezug des höheren Schweizer Kostenniveaus Einsparungen von gut 15 Mio. Fr. jährlich drinliegen.In Relation zum freien Cashflow von jährlich gut 380 Mio. Fr., den das Unternehmen in den kommenden Jahren voraussichtlich erwirtschaftet, sind das zwar weniger als 5% pro Jahr. Bedenkt man jedoch, dass eine Kooperation die Kostenbasis von Sunrise über viele Jahre entlastet, ist das in Summe in doppelter Hinsicht hilfreich.Erstens dürfte gegen Ende der Dekade die Ausdehnung zur neuen Mobilfunkgeneration 6G anstehen. Da für die Erhöhung der Bandbreite zusätzliche Antennenstandorte benötigt werden, steigen dann die Kosten für die Antenneninfrastruktur.Just in diese Phase fällt zweitens ein grosser Refinanzierungsbedarf: Mehr als 85% der 4,5 Mrd. Fr. hohen Schuldenlast von Sunrise müssen in den Jahren 2031 und 2032 abgelöst und erneuert werden. Per Mitte Jahr summierte sich die Nettoverschuldung auf das 4,5-Fache des Betriebsgewinns (Ebitda nach Leasingverpflichtungen).Dieser hohe Verschuldungsgrad verunsichert viele Investoren und hält zusätzlich zu den Ängsten, dass Satellitentelefonie das Geschäftsmodell bedrängt, die Kursentwicklung zurück.Gestützt wird die Bewertung durch die hohen und versprochenermassen steigenden Ausschüttungen. Für 2026 steht eine Dividende von 3.49 Fr. je Aktie in Aussicht. Das entspricht mehr als 8% Rendite – und mit jedem Jahr sollte es mehr werden, und zwar komplett steuerfrei aus Kapitaleinlagereserven ausgeschüttet.Die Kombination aus hoher Ausschüttung, hoher Verschuldung und kaum Wachstum stellt manche Investoren vor die Frage, wie lange Sunrise diesen Spagat durchhalten wird. Genau mit Blick auf diesen Punkt ist die geplante Kooperation mit Salt ein Element, das Zuversicht schafft, dass der eingeschlagene Pfad weiterverfolgt werden kann.Die gemeinsame Nutzung der bestehenden Infrastruktur senkt die Betriebskosten und mindert den Mehraufwand für den Netzausbau. Damit verbleibt jährlich wiederkehrend mehr freier Cashflow zur Bedienung der Schulden und zur Alimentierung der Dividende.Nervöse Anleger bei DormakabaNächste Woche präsentiert auch Dormakaba Zahlen und die Anleger blicken offensichtlich etwas nervös auf die Publikation des Ergebnisses für das Ende Juni abgelaufene Geschäftsjahr 2025/26; die implizite Volatilität in den Titeln ist zuletzt stark gestiegen. Das bedeutet: Der Optionsmarkt erwartet eine markante Kursbewegung in den kommenden Tagen, Optionen auf die Aktien haben sich deutlich verteuert.Dasselbe Phänomen liess sich im Vorfeld der Zahlenpublikation bei Aryzta beobachten. Nachdem das Halbjahresergebnis dann vorletzte Woche publiziert worden war, verloren die Aktien des Grossbäckers innerhalb eines Handelstages rund 15% an Wert. Mittlerweile notieren sie auf dem niedrigsten Stand seit fast vier Jahren.Ich sage nicht, dass es den Aktien von Dormakaba genauso ergehen muss. Der Aktienmarkt bezieht bisher keine klare Stellung, in welche Richtung es am 31. August gehen wird. Aber der Schliesstechnikkonzern muss beweisen, dass das Wachstumsprogramm greift: Nach einem schwachen ersten Halbjahr muss er zwischen Januar und Juni den Umsatz deutlich gesteigert haben, um die von CEO Till Reuter ausgegebene Zielspanne von 3 bis 5% auch nur am unteren Ende erreichen zu können.Der umfassende Umbauprozess bei Dormakaba war zuletzt ins Stocken geraten: Im März waren die Aktien unter 50 Fr. zurückgefallen, nachdem sie im August 2025 bei fast 80 Fr. den höchsten Kurs seit dem Frühjahr 2019 erreicht hatten. In den letzten Tagen zeigte die Tendenz nach oben, aber vom Zwischenhoch Anfang August waren die Titel wieder zurückgekommen.Kontinuität bei Kühne + NagelDer einflussreiche und bekannte Unternehmer, Investor und Milliardär Klaus-Michael Kühne ist tot. Er starb im Alter von 89 Jahren an seinem Wohnort im schweizerischen Schindellegi. Kühne war einer der bekanntesten Firmenpatriarchen im deutschsprachigen Raum. Sich selbst beschrieb er als ungeduldig, detailorientiert, kontrollierend und extrem sparsam.Dieses Kostenbewusstsein spiegelte sich auch in der ausgesprochen soliden Bilanz von Kühne + Nagel wider, das Kühne zu einem globalen Logistikkonzern mit mehr als 1300 Niederlassungen und rund 88’000 Mitarbeitenden ausbaute. Das Unternehmen, das sein Grossvater August Kühne 1890 mitgegründet hatte, blieb zeitlebens der Kern seines Firmenimperiums.Kühne galt zuletzt als reichster Deutscher. Sein Vermögen wurde vom Bloomberg Billionaires Index auf rund 42 Mrd. € geschätzt. Über die Kühne Holding hielt er 55,4% der Stimmrechte an Kühne + Nagel, mehr als 30% an Hapag-Lloyd und zuletzt 20% an der Lufthansa. Hinzu kamen Beteiligungen unter anderem an Brenntag, Flix und Ottobock sowie umfangreicher Immobilienbesitz.Sein Erbe hatte Kühne bereits zu Lebzeiten geregelt. Weil er keine Kinder hinterlässt, sollen seine über die Kühne Holding gebündelten Beteiligungen an die gemeinnützige Kühne-Stiftung übergehen. Stiftung und Holding haben ihren Sitz in Schindellegi und sind personell miteinander verflochten. Bereits vor Kühnes Tod hielt die Stiftung selbst 4,7% der Stimmrechte an Kühne + Nagel.Die Stiftung dürfte damit künftig zur übergeordneten Eigentümerin im Firmengeflecht werden und zugleich Kühnes philanthropisches Engagement in Logistik, Medizin, Klima, humanitärer Hilfe und Kultur fortführen. Die Holding unter CEO Dominik de Daniel soll gleichzeitig den nötigen unternehmerischen Freiraum behalten, um die Beteiligungen eigenständig und erfolgreich weiterzuentwickeln.Grössere Veränderungen im Firmenimperium sind in meinen Augen vorerst nicht zu erwarten. Die Struktur mit Stiftung und Holding soll Kontinuität sichern und verhindern, dass die zentralen Beteiligungen nach Kühnes Tod auseinandergenommen werden.Freundlich grüssen im Namen von Mr MarketHenning Hölder, Ruedi Keller, Carla Palm, Manuel Boeck und Gabriella Hunter
Die Clariant-Aktien befinden sich im Höhenflug
Der Spezialchemiekonzern profitieren von einem wegweisenden Gerichtsentscheid, aber nicht nur.






