Die aktuelle Weltrangliste der Autobauer gefällt José Muñoz so gut, dass der Vorstandsvorsitzende der Hyundai Motor Group sie gleich zweimal erwähnt auf seinem Investorentag. Nach Verkäufen stehen die Koreaner mit ihrer Schwestermarke Kia im ersten Halbjahr dieses Jahres zwar noch hinter Toyota und Volkswagen auf Platz drei. Aber in der Profitabilität haben sie die Wolfsburger hinter sich gelassen. „Das gibt uns die Möglichkeit, zu investieren, wo andere sich einschränken müssen“, sagte Muñoz.Mit der „größten Produktoffensive unserer Geschichte“, einem beherzten Vorstoß in die Oberklasse und dem Einsatz von KI-Robotern der konzerneigenen Tochtergesellschaft Boston Dynamics stellte Muñoz den versammelten Analysten und Investorenvertretern diverse Pläne vor, wie er Volkswagen und auch den übrigen deutschen Herstellern das Leben schwer machen will. Allein in Europa wollen die Koreaner bis 2030 insgesamt 41 neue oder überarbeitete Modelle auf den Markt bringen. Bis dahin will der Konzern hier mit 420.000 Exemplaren allein doppelt so viele Elektrofahrzeuge verkaufen wie zuletzt.Für die ganze Welt kündigte Muñoz mehr als 100 neue oder überarbeitete Modelle an. Vor allem Hybride und Elektrofahrzeuge mit verlängerter Reichweite stehen auf dem Programm. Ein Schwerpunkt dabei bleibt Nordamerika, wo die Hyundai-Gruppe gut ein Drittel ihrer Autos verkauft. Der aus Spanien stammende US-Bürger Muñoz war im vorigen Jahr als erster Ausländer an die Spitze des Konzerns aufgestiegen, um seine langjährige Erfahrung als Amerika-Chef in Zeiten von Donald Trump auszuspielen. Um künftig weniger abhängig von Zöllen und anderen Beschränkungen zu sein, will er nun die Kapazitäten der dortigen Werke um 500.000 Fahrzeuge im Jahr erhöhen.Auf K-Pop und K-Drama soll K-Luxus folgenAuch für andere Standorte, etwa im Heimatmarkt und in Indien, kündigte Muñoz eine Ausweitung der Produktion an, sodass der Konzern vom Jahr 2030 an rund 1,3 Millionen Fahrzeuge mehr herstellen werde als bisher. Unter anderem soll die Eröffnung neuer Werke in Saudi-Arabien und Algerien die Verkäufe im Nahen Osten und Afrika verbessern. Gemessen an den zuletzt 7,5 Millionen verkauften Fahrzeugen der Koreaner und den knapp 9 Millionen der Volkswagen-Gruppe könnte Hyundai mit diesen Plänen also zu den Wolfsburgern aufschließen.Helfen soll dabei auch die konzerninterne Luxusmarke Genesis. Auf dem Investorentag stellte er zwei neue Modelle vor, einen Hybrid-SUV und einen Sportwagen, und kündigte den Einstieg der Marke in mehrere neue Märkte an. Der Vorstoß erinnert an die Pläne des japanischen Wettbewerbers Toyota, der mit seiner Marke Century in der Oberklasse einen neuen Wettbewerber für Mercedes, BMW und Audi ins Rennen schicken will. „Luxus ist, wo die Profite liegen“, sagte Muñoz. Und das Segment wachse in aller Welt. Mit Blick auf die internationalen Erfolge von Popmusik, Filmen und Kosmetik aus Korea sagte der Vorstandschef: „So wie es K-Pop, K-Drama und K-Beauty gibt, wird es bald auch K-Luxury geben.“Aktienkurs zwischenzeitlich verdoppeltDen Aktienkurs von Hyundai hatten zuletzt vor allem die Roboterpläne beflügelt, die der Autohersteller gemeinsam mit seiner Tochtergesellschaft Boston Dynamics angekündigt hatte. Innerhalb des ersten Halbjahrs hatte die Aussicht auf die weitere Automatisierung der eigenen und anderer Fabriken den Aktienkurs des Konzerns zeitweise mehr als verdoppelt. Seit dem Höchststand bei 780.000 Koreanischen Won (482 Euro) Anfang Juni hat er sich inzwischen aber schon wieder auf 409.000 Won annähernd halbiert.Auf dem Investorentag bekräftigte der Vorstandschef allerdings nur noch einmal schon bekannte Vorhaben. So habe der Konzern im Juni in seinem Werk im US-Bundesstaat Georgia ein Entwicklungszentrum eröffnet, in dem der humanoide Roboter Atlas in der Autoproduktion trainiert und analysiert werde. Die Einrichtung soll bis Ende des Jahres um das Zehnfache erweitert werden und über mehr als 10.000 Stunden Robotik-Lerndaten ansammeln. Bis 2028 will der Konzern 30.000 Roboter im Jahr produzieren können.Der Mangel an Neuigkeiten in diesem Segment und das Festhalten an dem schon bekannten Verkaufsziel von 5,55 Millionen Hyundai-Fahrzeugen (ohne Kia) im Jahr 2030 dürften dazu beigetragen haben, dass die Aktie des Konzerns am Mittwoch um drei Prozent nachgab.Muñoz betonte, dass der Einsatz der Atlas-Roboter nicht die Menschen in den Fabriken ersetzen solle. Die Humanoiden sollten den Menschen dienen und die gefährlichen und repetitiven Arbeiten übernehmen. Unter anderem die Aussicht auf den Einzug von Robotern in den Fabriken hatte zuletzt die Arbeiter in den ersten ganztägigen Streik seit Langem getrieben.