Nach Enthüllungen wegen Polizei-Affäre: Die Stadt Uster entzieht der zuständigen Stadträtin das DepartementGLP-Politikerin Beatrice Caviezel war an der Manipulation von Rechnungen beteiligt. Dazu kam eine Affäre um anonyme Schmähbriefe. Nun soll es eine externe Untersuchung geben.26.08.2026, 11.02 Uhr2 LeseminutenSchweigt seit Wochen – und gibt nun ihr Kernressort ab: Beatrice Caviezel (GLP), Stadträtin von Uster.PDLange hat es gedauert, lange hat die Regierung der Stadt Uster vor allem eins getan: geschwiegen und gemauert. Nun ergreift sie in der Polizeiaffäre, die die Stadt seit Monaten nicht loslässt, erstmals griffige Massnahmen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Stadträtin Beatrice Caviezel (GLP) verliert die Zuständigkeit für den Bereich Sicherheit, zu dem die Stadtpolizei gehört. Das hat die Stadt am Mittwoch mitgeteilt. Der Schritt erfolge im Einvernehmen mit Caviezel.Caviezel, die seit Wochen zur Angelegenheit schweigt, steht als politisch Verantwortliche im Fokus einer doppelten Affäre um fehlbare Gesetzeshüter. Eine Gruppe Polizeikader um den ehemaligen Kommandanten Andreas Baumgartner soll während Jahren Rechnungen widerrechtlich gesplittet und so eine ganze Reihe fragwürdiger Anschaffungen getätigt haben – von einer überteuerten App bis hin zu einem Luxus-BMW.Als die Angelegenheit aufflog, schoben Caviezel und mit ihr der Stadtrat die Verantwortung zunächst ganz auf Baumgartner. Bis die NZZ aufdeckte, dass die Stadträtin selbst gesplittete Rechnungen unterschrieben hatte.Danach überschlugen sich über den Sommer die Ereignisse: Der Revisionsbericht einer externen Firma, ebenfalls von der NZZ publik gemacht, zeigt, dass das Ausmass der Finanztricksereien grösser war, als von der Stadt kommuniziert.Mysteriöse SchmähbriefeDazu kam eine zweite Affäre um mysteriöse Schmähbriefe an Politiker und Privatleute in Uster: Laut dem «Sonntagsblick» ergab eine interne Untersuchung der Stadt, dass es Ex-Kommandant Baumgartner war, der mit hoher Wahrscheinlichkeit hinter den unflätigen Schreiben steckte.Ein Verdacht, der im Frühjahr zu Baumgartners Beurlaubung führte und Stadträtin Caviezel wie auch ihren Regierungskollegen bekannt war. Was wiederum die Frage aufwirft: Warum wurde die Bevölkerung auch über diese Vorkommnisse nicht aktiv informiert?In Uster versuchte man zunächst, die Sache kleinzureden und die Öffentlichkeit mit dem Versprechen einer stadträtlichen Untersuchung abzuspeisen. Nun scheinen die Verantwortlichen gemerkt zu haben, dass das nicht ausreicht.Die Stadt hat Bruno Keller, den ehemaligen Kommandanten der Zürcher Kantonspolizei, mit einer externen Untersuchung beauftragt. Er soll «die Betriebskultur der Stadtpolizei» untersuchen, wie es in der Mitteilung heisst. Ausserdem wird die Revisionsfirma BDO eine weitere, noch vertieftere Untersuchung der polizeilichen Finanzen vornehmen.Mit Caviezels temporärer Entmachtung übernimmt Sozialvorsteherin Petra Bättig (FDP) die Zuständigkeit für das Geschäftsfeld Sicherheit. Der Schritt erfolgt ab sofort und voraussichtlich bis Ende Jahr.Parlament entscheidet über PUKEine weitere Personalie verkündet die Stadt fast nebenbei: Enrico Quattrini, der Abteilungsleiter Sicherheit, gibt seine Funktion Mitte September ab. Auch Quattrini, der die operative Führung über den Bereich innehatte, war zuletzt in die Kritik geraten.Mit ihren Massnahmen versucht die Stadt Uster offenkundig einen Befreiungsschlag in letzter Minute. Am kommenden Montag tritt das Stadtparlament zu seiner ersten Sitzung nach den Sommerferien zusammen. Dort wird es darüber abstimmen, ob es in der Polizeiaffäre eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) einsetzt. Etwas, das die Regierung schon seit Wochen zu verhindern sucht.Passend zum Artikel