KommentarSelbstherrliche Polizeikader, fehlende Führung, amateurhafte Kommunikation: Die Finanzaffäre in Uster zeigt ein Versagen auf der ganzen LinieDie Stadtregierung müsste reinen Tisch machen. Stattdessen begeht sie einen Fehler nach dem anderen. Jetzt braucht es eine parlamentarische Untersuchung.11.08.2026, 17.00 Uhr3 LeseminutenHier ist die Stimmung im Moment angespannt: das Stadthaus Uster, Sitz der Regierung.Nathalie Taiana / NZZEs scheint schon fast ein Naturgesetz zu sein: Wo selbstherrliche Machertypen zu Chefbeamten werden, wo ihre gewählten Vorgesetzten schwach oder inkompetent sind, da passiert Fragwürdiges mit dem Geld der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.So war es in der Stadt Zürich, als der Chef von Entsorgung und Recycling, Urs Pauli, mit schwarzen Kassen und Buchhaltungstricks rauschende Feste, ein Oldtimer-Museum, ja gar einen Emu-Zoo finanzierte. Und durch das Zerstückeln hoher Rechnungsbeträge die Kontrolle des Parlaments über grosse Bauvorhaben eigenmächtig ausschaltete.So war es in der Stadt Bülach, wo während zwanzig Jahren eine geheime Saunalandschaft für ausgewählte Mitarbeitende der Verwaltung betrieben wurde. Auf Staatskosten und versteckt in einer Kläranlage.Und so scheint es auch in der Stadt Uster gewesen zu sein, wo in diesen Tagen eine Affäre um die Stadtpolizei für Empörung sorgt. Es geht dabei um manipulierte Rechnungen, Anschaffungen in der Höhe Hunderttausender Franken, die zu Unrecht getätigt wurden. Und um einen rätselhaften Geldsegen durch höhere Busseneinnahmen, der den Verantwortlichen offenbar als Rechtfertigung für ihre eigenmächtigen Mehrausgaben diente.Vor allem aber geht es mittlerweile auch um eine Stadtregierung, die mit erschreckender Nonchalance auf die Affäre reagiert.Entweder unfähig – oder unwilligDas Phänomen, mit dem Uster kämpft, ist ein bekanntes: das von Verwaltungschefs, die – vorgeblich im Dienst der Sache – freihändig mit Steuergeld hantieren. Und dabei Regel um Regel brechen. So auch in Uster: Man gönnte sich bei der Polizei diverse Fahrzeuge, darunter einen BMW, eine überteuerte App und allerhand Weiteres. Diverses davon war, das gibt mittlerweile auch die Stadt zu, für die Erfüllung des polizeilichen Grundauftrags nicht notwendig.Es gibt einen Grund, weshalb Amts- oder Abteilungschefs nicht nach Gutdünken Geld ausgeben dürfen: Es ist nicht ihr eigenes, sondern das der Steuerzahler. Wer wie bei der Polizei Uster gezielt Rechnungen splittet, um die Kontrolle durch gewählte Politiker zu umgehen, handelt nicht im Dienst der Öffentlichkeit, sondern anmassend.Problematischer als diese selbstherrliche Haltung ist nur, wer sie auf politischer Ebene duldet. Die Vorgänge in der Stadt Uster dauerten über Jahre an, waren im internen Abrechnungssystem ersichtlich und hätten den Vorgesetzten der fehlbaren Polizeikader damit bekannt sein müssen. Dass sie das in Teilen auch waren – dafür gibt es zumindest Indizien. Die zuständige Stadträtin Beatrice Caviezel (GLP) selbst unterschrieb mehrere manipulierte Rechnungen, wie die NZZ unlängst aufdeckte.Offensichtlich herrschte in Uster im Mindesten ein eklatantes Führungsvakuum, wenn nicht gar eine stille Duldung der polizeilichen Finanzeskapaden.Ob Unwille oder Unfähigkeit dahintersteckt, ist dabei schon fast nebensächlich: Die Bewohnerinnen und Bewohner der drittgrössten Zürcher Stadt verdienen in jedem Fall eine politische Führung, die sicherstellt, dass sich auch Gesetzeshüter an Regeln halten.Die Sache mit der PUKWomit das momentan akuteste Malheur angesprochen ist: die Stadtregierung, die in der Affäre seit Monaten glücklos agiert. Lange schon sind die Missstände bekannt. Den ersten Verdacht – das ist das einzig Positive an der Geschichte – schöpfte die interne Finanzkontrolle. Sie ordnete daraufhin eine externe Prüfung an.Doch echte Transparenz, eine aktive und umfassende Information der Bevölkerung? Bleibt bis heute aus. Stattdessen wird gemauert.Zentrale Sachverhalte wie die Rolle der Sicherheitsvorsteherin Caviezel wurden gar aktiv verschwiegen. Der ganze Stadtrat wusste vor den kommunalen Wahlen vom vergangenen April darüber Bescheid. Und sagte: nichts. Das erinnert an die amateurhafte Kommunikation, mit der Uster vor zwei Jahren auf eine Verschmutzung der städtischen Trinkwasserversorgung reagierte.Was es jetzt braucht, ist klar: reinen Tisch. Und zwar sofort. Die jüngste Ausrede der Stadt – man wolle erst das Parlament umfassend informieren – ist lachhaft. Wäre es ihr damit ernst, hätte die Regierung das längst getan. Von sich aus, nicht als Reaktion auf Medienberichte. Stattdessen erteilte sie Parlamentariern und dem ehemaligen Polizeikommandanten einen Maulkorb.Eine parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) – aufwendig, langsam, teuer – ist für eine schnelle Aufarbeitung eigentlich das falsche Mittel. Und die Parlamentarier, aus deren Reihen sie rekrutiert würde, haben es bisher nicht geschafft, einen parteiübergreifenden Konsens in der Sache zu finden.Dennoch führt angesichts des stadträtlichen Versagens wohl kein Weg an diesem ultimativen Mittel vorbei. Für die Stadt Uster ist allein schon dieser Umstand ein ziemliches Armutszeugnis.Passend zum Artikel
Selbstherrliche Polizei, manipulierte Rechnungen: Lokalskandal zeigt Totalversagen
Die Stadtregierung müsste reinen Tisch machen. Stattdessen begeht sie einen Fehler nach dem anderen. Jetzt braucht es eine parlamentarische Untersuchung.






