Jahrelang vergibt ein Dorf Aufträge an eine Firma. Pikant: Der Chef der Zürcher Niederlassung ist der Mann der GemeindepräsidentinDer Präsident der Rechnungsprüfungskommission sieht einen Interessenkonflikt. Die Gemeinde verteidigt sich.29.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDas Gemeindehaus von Embrach: Warum wurden Ingenieurleistungen desselben Unternehmens so oft berücksichtigt?Ennio Leanza / KeystoneFür das Ingenieurbüro mit einer Zweigstelle in Zürich ist die Gemeinde Embrach eine gute Kundin. Zwischen 2019 und 2025 vergibt sie Aufträge in der Höhe von insgesamt 1,1 Millionen Franken an das Unternehmen, das nach eigenen Angaben auf «Lösungen im Wasserkreislauf» spezialisiert ist.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Meistens liegen die Aufträge unter dem Schwellenwert von 150 000 Franken. Sie werden deshalb freihändig vergeben und nicht öffentlich ausgeschrieben.Bemerkenswert daran ist: Der Leiter der Zürcher Niederlassung des Unternehmens ist verheiratet mit der Gemeindepräsidentin von Embrach, Rebekka Bernhardsgrütter Derungs. Wie «20 Minuten» schreibt, habe die Gemeindepräsidentin jeweils die Vergabeabschlüsse unterzeichnet und dabei oft ihren zweiten Nachnamen – den des Ehemanns – weggelassen.Das Unternehmen führt seit Jahren Aufträge der Gemeinde aus. Doch seit Bernhardsgrütter Derungs 2022 zur Gemeindepräsidentin gewählt worden sei, seien die vergebenen Aufträge zwischen 2022 und 2024 «sprunghaft» angestiegen. Dann trat Bernhardsgrütter Derungs bei Vergaben an die Firma in den Ausstand – und die Zahl der vergebenen Aufträge sank wieder.Kritik von der RechnungsprüfungskommissionDer Präsident der dortigen Rechnungsprüfungskommission (RPK), Ralph Weber, kritisiert die Vergabepraxis. Er sehe nicht ein, warum bei Ingenieurleistungen ausgerechnet dieses Unternehmen so oft berücksichtigt werden sollte. Weber wandte sich an den Bezirksrat. Doch dieser sah kein Problem.Zu «20 Minuten» sagt der Bezirksrat, sämtliche Vergaben seien rechtskonform erfolgt. Die Gemeindepräsidentin habe kein persönliches Interesse an der Vergabe der Aufträge gehabt, und sie sei auch nicht befangen. Dennoch trete sie seit der Intervention der RPK in den Ausstand, um dem Anschein einer Befangenheit keinen Raum zu geben.Die Gemeinde verteidigt ihr Vorgehen in einer ausführlichen Stellungnahme, die auch der NZZ vorliegt. Zu Wort meldet sich nicht die Gemeindepräsidentin, sondern der Gemeindeschreiber Daniel von Büren. Er begründet dies damit, dass er für das Beschaffungswesen zuständig sei. Bernhardsgrütter Derungs selbst verfüge nicht über Vergabekompetenzen. Diese erfolgten – je nach Betrag – auf Abteilungsebene, in der Geschäftsleitung oder durch den Gesamtgemeinderat.Wie von Büren sagt, liege die Federführung bei Tiefbauprojekten in Embrach oft nicht bei der Gemeinde. In den letzten Jahren wurde der Wärmeverbund ausgebaut und parallel dazu wurden die Wasserleitungen und weitere Werkleitungen ersetzt.Die Projektierung habe die Energie 360° AG in Zusammenarbeit mit der Wasserversorgungsgenossenschaft übernommen. Beide Organisationen mandatierten dafür das Unternehmen, in dem der Mann der Gemeindepräsidentin tätig ist. Im Vorstand der Genossenschaft sind von Amtes wegen auch zwei Mitglieder des Gemeinderats vertreten – eines von ihnen ist Bernhardsgrütter Derungs.Gemeindeschreiber: «Alles korrekt»Die Gemeinde selbst beteiligte sich bei den genannten Projekten am Ersatz der Randabschlüsse, der Beläge und teilweise an der Sanierung der öffentlichen Beleuchtung und der Kanalisation. «Hätte sich die Gemeinde Embrach als einzelner Projektbeteiligter für ein anderes Ingenieurbüro entschieden, hätte dies zu erheblichen Mehrkosten, Koordinationsmehraufwand und Doppelspurigkeit geführt», sagt von Büren.Weil der Ausbau des Wärmeverbunds «erhebliche finanzielle Ressourcen» gebunden habe und die zahlreichen Strassensperrungen für die Bevölkerung eine grosse Belastung dargestellt hätten, habe die Gemeinde in den letzten Jahren auf weitere Tiefbauprojekte in Eigenregie verzichtet. «Entsprechend ist ein Rückgang der Tiefbauprojekte in der Verantwortung der Gemeinde sowie der damit verbundenen öffentlichen Ausschreibungen zu verzeichnen.»Für den RPK-Präsidenten haben die Vergaben an das Unternehmen «ein Gschmäckle», wie er zu «20 Minuten» sagt. Der Gemeindeschreiber von Büren hingegen hält fest, dass die Aufträge alle korrekt vergeben worden seien. Eine Einflussnahme eines einzelnen Gemeinderatsmitglieds sei in der rechtlichen Konstellation der Gemeinde Embrach nicht möglich.Passend zum Artikel
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Der Präsident der Rechnungsprüfungskommission sieht einen Interessenkonflikt. Die Gemeinde verteidigt sich.
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