Der Gemeindepräsident von Crans-Montana lässt bitten und zeigt wenig EinsichtMitten in der laufenden Strafuntersuchung zur Brandkatastrophe redet der mitbeschuldigte Nicolas Féraud von Zusammenhalt, Besprechungen mit anderen Behördenmitgliedern und seiner Macht in der Gemeinde.03.06.2026, 18.48 Uhr3 LeseminutenUmit Bektas / ReutersFünf Monate nach der verheerenden Brandkatastrophe mit 41 Toten und 115 Verletzten bricht der Gemeindepräsident von Crans-Montana, Nicolas Féraud, sein Schweigen. Mitten im Strafverfahren und kurz vor der Gemeindeversammlung Mitte Juni nutzt der Politiker sein erstes grosses Interview, um sich als standhafter Krisenmanager zu inszenieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Féraud, gegen den die Walliser Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst ermittelt, begibt sich dafür nicht in ein Fernsehstudio, er lässt zu sich nach Crans-Montana bitten. Er empfängt die Journalisten von Canal 9 im Ratssaal der Gemeinde, wo er nach wie vor als Präsident wirkt.Auf den ersten Blick offenbart das Interview, das am Mittwochabend ausgestrahlt wurde, nichts Aussergewöhnliches. Féraud gibt seinem Bedauern über die Katastrophe Ausdruck, erzählt, wie er und seine Familie unter dem Druck, dem Prozess und den Anschuldigungen leiden, und erklärt sein monatelanges Schweigen mit dem Respekt vor der Trauerzeit sowie den laufenden Ermittlungen.Interessant wird es dort, wo er freimütig erklärt, nun transparent Bilanz ziehen zu wollen. Denn im Bestreben, das Bild einer Gemeindeverwaltung zu zeichnen, die durch das Trauma zwar schwer gezeichnet ist, aber stärker zusammenhält denn je, gibt er zwischen den Zeilen zu, wie viel er und die weiteren Beschuldigten in den vergangenen Monaten miteinander geredet haben.Als ihn der Journalist damit konfrontiert, dass er sich mehrfach mit dem Sicherheitsvorsteher der Gemeinde, Kevin Barras, getroffen und auch im Gericht mit ihm gesprochen habe, reagiert Féraud unbeeindruckt. Er verstehe nicht, weshalb das von den Opferanwälten und den Medien so kritisiert worden sei, sagt er. Er habe nichts Illegales getan und auch kein Kontaktverbot gehabt. Der Austausch sei «ein ganz normaler Ausdruck von Freundschaft und Unterstützung» gewesen. Barras habe, wie Féraud selbst, vor einer schweren Prüfung gestanden.Journalist: «Das war also keine Absprache?»Nicolas Féraud: «Wirklich nicht. Ich glaube an unsere Institutionen und vertraue ihnen. Wenn wir etwas hätten aushecken wollen, hätten wir dafür vier Monate Zeit gehabt. Das ergibt also wenig Sinn.»In diesem Stil geht es weiter. Bei fast jedem Satz lässt der Gemeindepräsident von Crans-Montana durchblicken, dass er offenbar immer noch nicht akzeptieren kann, dass die familiäre Atmosphäre, die in der Gemeinde herrscht – die Nähe zwischen den verantwortlichen Personen – mitverantwortlich für die Katastrophe sein könnte.Féraud, der bereits bei seiner ersten Medienkonferenz nach dem Brand mit kommunikativen Schwächen reagierte («Wir sind mehr als andere betroffen. Mehr als alle, denke ich»), dient seiner Sache mit seinem Auftritt nicht. So erzählt er in magistralem Ton, wie er und Barras die Gemeinderatssitzung jeweils verlassen, wenn die Brandnacht zum Thema wird. Gleichzeitig gibt er dem Journalisten zu verstehen, dass das Drama und dessen Folgen weiterhin die gesamte Gemeindepolitik dominieren – während er als Gemeindepräsident gleichzeitig weiterhin die Gemeinde dominiert.Immerhin hat Féraud mittlerweile eingesehen, dass sein erster öffentlicher Auftritt die Angehörigen vor den Kopf gestossen hat. Er habe sich, sagt er, zu sehr auf die Fakten konzentriert und dabei den menschlichen Aspekt vernachlässigt. Doch wer Selbstkritik erwartet hatte, wurde enttäuscht. Féraud spricht den Opfern zwar sein grosses Bedauern aus, doch er scheint sich weiterhin selbst am meisten leidzutun. Ganz am Schluss des Gesprächs redet er dann allerdings doch noch über die Mitverantwortung seiner Gemeinde.An die Adresse der Opfer und der Hinterbliebenen sagt er: «Wir schulden ihnen den festen Vorsatz, dass von nun an eine vorbildliche institutionelle Arbeit das Markenzeichen von Crans-Montana ist.»Passend zum Artikel