Die Welt im Jahr 2035, einige Zeit nach dem Ende der Großen Seuche. Auf einem verfallenen Flugplatz am Fuß der Rocky Mountains fristen Hig und Bangley, ein junger Mechaniker und ein früherer US-Marine, ein geteiltes Einsiedlerdasein mit Wildbret, Whisky und einer alten Cessna, die noch halbwegs in Schuss ist. Eines Tages hat Hig genug von der eintönigen Routine aus Tag- und Nachtwachen, Scharmützeln mit bewaffneten Eindringlingen und Versorgungsflügen in die menschenleere Großstadt Denver, deren Getränke- und Medikamentenlager noch gut gefüllt sind, und bricht zu einem weiter westlich gelegenen Provinzflughafen auf, von dessen Tower er gelegentlich Funksignale empfängt.Unterwegs hat die Cessna einen Motorschaden, und Hig muss in der Wildnis notlanden. In der Nähe liegt eine Farm, auf der Pops, ein weiterer Ex-Marinesoldat, und seine Tochter Cima ein prekäres Idyll mit Esel und Sturmgewehr hüten. Die drei freunden sich an und roden gemeinsam eine Startbahn für die reparierte Propellermaschine. Ein Überfall berittener Banditen beschleunigt ihren Aufbruch, und sie entkommen knapp zum ursprünglichen Flugziel, wo sie in eine raffiniert gebaute Falle laufen. Auch hier gelingt ihnen die Flucht, und sie kehren zu Higs Startpunkt zurück. Doch inzwischen ist der Flugplatz überfallen worden und teilweise zerstört, Bangley hat nur knapp überlebt. In der Nähe liegt ein Mennoniten-Dorf mit vielen Frauen und Kindern. Dort beginnen die vier ein neues Leben, und zwei von ihnen werden ein Paar.Die Rocky Mountains werden von den Dolomiten gedoubeltWenn man nicht wüsste, dass Ridley Scott der Regisseur dieses Films ist, würde man es nicht vermuten. Seine Handschrift, falls es sie gibt, ist an keiner Stelle des Films zu erkennen, weder in den Kampfszenen, die eher an Zombiefilme und billige Neo-Western erinnern als an „Gladiator“ und „Black Hawk Down“, noch in den Stadtpanoramen, die, höflich ausgedrückt, von „I am Legend“ inspiriert sind (man könnte auch von Abklatsch reden), die Inspiration des „Blade Runner“ aber gänzlich vermissen lassen. Auch die Rocky Mountains, die hier von den italienischen Dolomiten und Abruzzen gedoubelt werden – die Innenaufnahmen des Films entstanden in den Cinecittà-Studios in Rom –, haben in „Prometheus“ schon besser ausgesehen, mit der einzigen Einschränkung, dass sie aus dem Cockpit einer Cessna eben doch lebendiger wirken als in der metallisch kalten Welt der „Alien“-Saga.Nur einmal, in der zweiten Hälfte des Films, als Hig (Jacob Elordi), Cima (Margaret Qualley) und ihr Vater (Guy Pearce) an jenem fernen Airport ankommen, von dem sie sich eine Art postapokalyptische Erlösung erhoffen, spürt man etwas von den Möglichkeiten, die in „Das Ende der Sterne“ unter anderen finanziellen und kreativen Vorzeichen gesteckt hätten. Da öffnet sich hinter der Flughafenkulisse eine Alptraumwelt voller mechanischer Schaufensterpuppen und kostümierter Henkersknechte, die Produktionsdesigner laufen zu Hochform auf, und die elegante Flughafenbar, in der man unschwer die kleine Schwester des „Gold Room“ aus Kubricks „Shining“ erkennt, wird zum Folterkeller der Einbildungskraft.Aber der Regisseur Scott hat es viel zu eilig, diesen Schauplatz wieder zu verlassen, als dass er ihm echtes erzählerisches Gewicht geben könnte; er filmt ihn nur wie im Vorbeigehen, und er lässt seinen Darstellern nicht den Raum, in dem ihr Entsetzen über das mörderische Paradies sich entfalten könnte. Was bleibt, ist ein Kabinettstück, das sich in den falschen Film verirrt hat und mit ein paar Handgranaten abgefackelt wird.Jacob Elordi als Hig undMargaret Qualley als Cima in „Das Ende der Sterne“20th Century StudiosRidley Scott ist 88 Jahre alt. Er hat alle Genres bedient, die es im Kino gibt, und in fast jedem ein Meisterstück geschaffen, aber er hat auch von „G. I. Joe“ bis „House of Gucci“ eine solide Reihe mittelmäßiger Filme gedreht, die wie Atelierprodukte eines manischen Handwerkers wirken, dem das Weitermachen wichtiger ist als die Exzellenz. Zu ihnen gehört auch „Das Ende der Sterne“, den der Verleihtitel noch zusätzlich verhunzt, denn im Original heißt der Film „The Dog Stars“, in Anspielung auf das Sternbild Canis maior, das Hig und Cima am Ende betrachten. Der gleichnamige Roman von Peter Heller erschien 2012, und weil Scott nach seinem grausam misslungenen „Gladiator 2“ Lust auf eine Geschichte mit Flugzeugen hatte, wurde das darauf basierende Drehbuch in die Produktionskette seiner Firma Scott Free Productions eingespeist.Dass der Film mehr als 100 Millionen Dollar gekostet hat, sieht man ihm an, aber nicht zu seinem Vorteil, denn das Geld wird in überlangen Gemetzeln verpulvert, in denen gesichtslose Statisten gegen seine Helden anstürmen und Holzgebäude in die Luft fliegen. Dem Endzeitkino hat Reichtum noch nie gutgetan; viele seiner Klassiker, wie Tarkowskis „Stalker“ oder John Hillcoats Cormac-McCarthy-Verfilmung „The Road“, wurden mit minimalem Budget gedreht. „Wenn eine Geige genügt, nicht zwei verwenden“, dieses ewige Bonmot von Bresson gilt auch für die Apokalypse: Je mehr Ruinen wir sehen, desto weniger Schrecken jagen sie uns ein.„Ich wollte es vermeiden, etwas zu machen, das schon wieder und wieder gemacht wurde“, erklärt Ridley Scott im Presseheft. „Ich würde alles tun, um dem Klischee aus dem Weg zu gehen.“ Mit diesem Vorhaben allerdings ist er krachend gescheitert. Sein Film sieht wie viele andere Filme aus, die es schon gibt, einige von Scott selbst, andere von berühmten Kollegen. Auch in diesem Abkupfern könnte ein Stilprinzip liegen. Aber dann müsste man es mit Absicht tun. Ridley Scott dagegen ist „Das Ende der Sterne“ anscheinend einfach nur passiert.