«The Dog Stars»: Von oben sieht der Untergang der Zivilisation wunderschön ausRidley Scott schickt Jacob Elordi durch eine entvölkerte Welt. «The Dog Stars» ist weniger Endzeit-Thriller als stille Meditation über menschliches Miteinander.26.08.2026, 16.00 Uhr4 LeseminutenZiemlich wehrhafte Freunde: Hig (Jacob Elordi, li.) und Bangley (Josh Brolin).Fabio Lovino / 20th Century StudiosJe weiter man sich vom Boden entfernt, desto mehr schrumpft die Welt, und das eigene Schicksal wird unbedeutender und unbedeutender. Aus luftiger Distanz verliert selbst der Untergang der Zivilisation seinen Schrecken, Hochhausruinen und verwaiste Autobahnen wirken gegen majestätische Gebirgszüge wie Spielzeug.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Big Hig (Jacob Elordi) fliegt in «The Dog Stars» mit seiner gelben Cessna über Landschaften, in denen im Jahr 2035 nur mehr wenige Menschen leben: Ein Grippevirus hat den Grossteil der Bevölkerung hinweggerafft. Im Flackerlicht der Lagerhäuser von Denver stöbert Hig nach Coca-Cola und Medikamenten und steigt dann wieder auf, um zusammen mit den Vögeln auf die Postkartenidylle einer menschenleeren Natur zu blicken.Zwei Kameraden: Jasper und BangleyIm Kino erscheint die Zukunft in den letzten Jahren selten golden, sondern rostig. Es dominiert die Dystopie: Apokalyptische Bilder von Autowracks, gestrandeten Helikoptern und leeren, überwucherten Städten, durch die allenfalls ein paar Hunde streunen, zeichnen Filme wie «I Am Legend», «The Road» oder die «Mad Max»-Reihe und Serien wie «The Walking Dead» aus. Auffällig ist in «The Dog Stars» die Vogelperspektive.Unten ist der Mensch schliesslich verloren und verletzlich. Selbst wenn er, wie Hig, zwei Kameraden an seiner Seite weiss: Zusammen mit Bangley und Jasper bewohnt der wortkarge Pilot und Mechaniker das entlegene, weitläufige Gelände eines alten Flugzeughangars.Jasper ist sein treuer belgischer Schäferhund, der nachts beim Schlafen unter dem Sternenzelt Wache hält. Bangley, grossartig grummelnd gespielt von Josh Brolin, hingegen ist eine paranoide Kampfmaschine. Ein Prepper, geboren, um zu überleben, egal, wie hoch der Preis ist.Mit dem Nachtsichtgerät hockt Bangley auf einem Turm und erledigt mit dem Scharfschützengewehr jeden gelegentlich auftauchenden Eindringling, allesamt «Kakerlaken». Verhandelt wird nicht, das Dogma des zynischen Veteranen lautet: erst schiessen, dann fragen.Kein Gedanke ans AufhörenEin alter Hase im Geschäft ist auch Regisseur Ridley Scott, der mit «Alien», «Blade Runner» oder «Thelma & Louise» Kinogeschichte geschrieben hat. Selbst im Alter von 88 Jahren ist er besessen von seiner Arbeit, weist in Interviews jeden Gedanken an Pensionierung zurück. Fünf Filme hat der Brite alleine seit 2020 gedreht, darunter «Napoleon» und «Gladiator 2». Nicht weniger als neun weitere Projekte sind künftig geplant. So viele haben manche in ihrer ganzen Karriere nicht realisiert.Scotts Adaption des Romans von Peter Heller, die nicht in den Rocky Mountains von Colorado, sondern in Italien gedreht wurde, ist für ein Blockbuster-Budget erstaunlich besonnen ausgefallen. Der Regisseur erzählt die Geschichte mit grosser Distanz; manchmal so gross, dass sie abweisend wirkt: als von Folkmusik durchdrungene Meditation über das Zusammenleben im postheroischen Zeitalter. Action gibt es nur punktuell; die heftigste Szene ist ein Angriff kriegerischer Tribalisten, gezeigt im Neongrün des Nachtsichtgeräts.«The Dog Stars» ist eine Art Western in der Zukunft, in dem es – wie üblich im Genre – auch um Grenzen geht und ihre Verschiebung. Das eigene Territorium wird brutal verteidigt im Naturzustand, der «amerikanische Traum», wie Bangley findet. Post-Corona fragt der Film, wie ein Zusammenleben gelingen kann, wenn die Zivilisation vollständig zerfallen ist. Ob der Mensch dem Menschen wirklich ein Wolf ist. Oder doch besser im Rudel überleben kann.Hig strandet mit dem Flugzeug und lernt die angehende Ärztin und Farmerstochter Cima (Margaret Qualley) kennen.Fabio Lovino / 20th Century StudiosGelegentlich und trotz der Ansteckungsgefahr hilft Hig einer Mennoniten-Gemeinschaft, sehr zum Missfallen von Bangley, der starr an ihrer Zweierkonstellation festhalten möchte. Doch der jüngere, menschenfreundlichere Hig träumt von einem Ausbruch. Als sich die fragile Ordnung seines Lebens plötzlich verändert, folgt er dem Lockruf eines Funkspruchs – vielleicht gibt es dort bessere Lebensbedingungen?Auf der Suche nach diesem Paradies trifft Hig auf einen Farmer und seine Tochter. Jack (Guy Pierce), der nur Pops genannt wird, ist ein weniger radikaler Wiedergänger von Bangley. Cima (Margaret Qualley), irritierend makellos hergerichtet für den Überlebenskampf, ist angehende Assistenzärztin und beginnt mit Hig eine arg bemühte Liebelei.Kein Dörrfleisch aus LeichenIm Vergleich zum Roman hat der Film so manche Drastik abgeschwächt: Die von Bangley niedergemähten Leichen werden säuberlich verbrannt und nicht zu Dörrfleisch für den Hund verarbeitet. Hig ist viel weniger brutal. Und auch die Erinnerungen an seine gestorbene Frau Melissa und ihr ebenfalls totes Kind, die den Piloten bei seinen Besuchen in Denver überfallen, werden mehr angedeutet als auserzählt.Ridley Scott hat vor rund einem Jahrzehnt schon einmal einen einsamen Mann beim kontemplativen Survival-Trip beobachtet: Matt Damon als Astronaut, gestrandet auf dem roten Planeten. Auch «The Martian» war am stärksten in seinen leisen Momenten.Nicht die Entwicklung der Katastrophe interessiert Scott, sondern ihre Konsequenzen. Im Fall von «The Dog Stars»: Was bleibt, wenn der Mensch geht – und mit ihm die Menschlichkeit gleich mit? Vielleicht liegt die Antwort dieses eigentümlich distanzierten Films in seinem Blick von oben: Schliesslich erkennt man den anderen nur, wenn man am Boden bleibt.The Dog Stars: Im Kino (119 Minuten).Passend zum Artikel
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Ridley Scott schickt Jacob Elordi durch eine entvölkerte Welt. «The Dog Stars» ist weniger Endzeit-Thriller als stille Meditation über menschliches Miteinander.












