Das Bode-Museum setzt sich mit den fotografischen Beständen seiner Skulpturensammlung auseinander. Es geht um Verschiebung und Interpretation.

Ansicht der Ausstellung „Fotografie erzählt Skulptur“ mit Dornauszieher und Putto auf Delfin im Bode-Museum, Museumsinsel Berlin

Charlen Christoph/SMB, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

F otografie erzählt Skulptur“: Die Ausstellung im Bode-Museum hätte Constantin Brancusi gefallen. Wie in der jüngsten Schau der Neuen Nationalgalerie zu erfahren, war dem rumänisch-französischen Bildhauer der Moderne Brancusi bewusst, dass Fotografien ihre ganz eigenen Geschichten von Skulpturen schreiben – deshalb nutzte er selbst schon ganz früh Film und Fotografie, um sein bildhauerisches Konzept zu seinen Bedingungen zu verdeutlichen und reproduktiv zu vermitteln.

Tatsächlich kennen wir die meisten Skulpturen nicht aus Museen, sondern von Bildern, wie die Schau im Bode-Museum zeigt. Und dabei ist eine der zentralen, gleichzeitig wenig thematisierten Erfahrungen, dass wir keine Ahnung von der Größe des Objekts haben. Der Einstieg in das Thema über die Vitrine mit der kleinen Schachfigur aus Elfenbein, die die Königin auf ihrem Thron zeigt, ist also goldrichtig. Zumal sich der Fotograf recht eigenwillig auf diesen virtuos ausgearbeiteten Thron konzentriert hat, der in der groß gedruckten Aufnahme als monumentales Prachtwerk erscheint. Die Königin ist nur an ihrer Krone sichtbar, die die massive Rückenlehne überragt.