ErklärtBald entscheidet Zürich, ob in der Stadt bis 40 Meter in die Höhe gebaut werden darfDie Stadtzürcher Stimmberechtigten stimmen am 27. September über neue Hochhausrichtlinien ab. Die Vorlage und der Gegenvorschlag im Überblick.25.08.2026, 05.07 Uhr3 LeseminutenDas grüne Hochhaus an der Birmensdorferstrasse im Kreis 3 ragt rund 34 Meter in die Höhe. Geht es nach der Mehrheit des Stadtparlaments, soll diese Gebäudehöhe nur noch an wenigen Orten in Zürich erlaubt sein.Juliet Haller / Baugeschichtliches ArchivDarum geht es in der VorlageVor zwei Jahren hat der Zürcher Stadtrat seinen Entwurf für neue Hochhausrichtlinien vorgestellt. Dieser umfasst verschiedene Gebiete, in denen bis 40, 60 und 80 Meter in die Höhe gebaut werden darf. Sie befinden sich vor allem in Zürich West und Zürich Nord.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Stadt betont, bei der Schaffung dieser Hochhausgebiete gehe es nicht darum, verdichtet zu bauen, sondern darum, verbindliche Regeln für Bauherren zu schaffen und ihnen mehr Flexibilität zu gewähren, wie ein Grundstück bebaut werden könne. Wenn beispielsweise auf einem Grundstück 1000 Quadratmeter Wohnfläche entstehen können und diese auf zehn Geschosse à 100 Quadratmeter verteilt werden, bleibt rundherum mehr Platz für Grünraum, als wenn nur fünf Geschosse mit 200 Quadratmetern entstehen.In den anderen Fällen, in denen mit einem Hochhaus eine höhere Ausnützung angestrebt wird, bedarf dies einer Aufzonung oder eines Planungsinstruments, beispielsweise eines Gestaltungsplans. Ist das der Fall, hat das Parlament das letzte Wort.Zusätzlich zu den Hochhausgebieten sind in den Richtlinien auch die Anforderungen festgehalten, welche Projekte erfüllen müssen, wenn sie hohe Gebäude enthalten.Im Stadtparlament gaben insbesondere jene Gebiete zu reden, in denen der Stadtrat bis zu 40 Meter hohe Gebäude erlauben will. Sie umfassen weite Teile von Altstetten, Albisrieden und Wiedikon sowie Affoltern, Oerlikon und Schwamendingen.Zusammen mit der SVP setzten die linken Parteien durch, dass diese Gebiete weitgehend aus dem Hochhausregelwerk gestrichen wurden. Zudem soll für Gebäude ab 60 Metern zwingend ein Gestaltungsplan erstellt werden.Gegen diese vom Stadtparlament stark überarbeiteten Hochhausrichtlinien ergriffen FDP, GLP und Mitte das Referendum. Deshalb kommt es zur Abstimmung.Am 27. September können die Stimmberechtigten nicht nur über jene Version der Richtlinien befinden, welche im Stadtparlament eine Mehrheit gefunden hat, sondern zwischen dieser und der ursprünglichen Version des Stadtrats entscheiden.Das sagen die Befürworter der Vorlage des ParlamentsHinter dem Vorschlag des Stadtparlaments steht ein ungewöhnlicher Zusammenschluss der linken Parteien und der SVP. Entsprechend unterschiedlich fallen die Begründungen aus, weshalb die Stadt weitgehend auf die Gebiete für 40-Meter-Türme verzichten soll.Die Linken argumentierten im Stadtparlament vor allem mit sozialen und ökologischen Befürchtungen. Laut der SP beispielsweise sollen die von ihr überarbeiteten Hochhausrichtlinien «Renditebauten» verhindern. Hohe Häuser trügen dazu bei, dass ärmere Bevölkerungsschichten aus der Stadt verdrängt würden. Der Bau hoher Gebäude sei teuer, und um Platz für sie zu schaffen, müssten Gebäude mit günstigen Wohnungen weichen.Die SVP befürchtet indes, dass mehr Hochhäuser die Zuwanderung ankurbelten. Die Stadt könne nicht ungebremst weiterwachsen. Zudem seien Hochhäuser kein geeignetes Mittel, um verdichtet zu bauen. Vielmehr würden dadurch bewährte Quartierstrukturen zerstört und der Anstieg der Mieten werde befeuert.Das sagen die Befürworter des GegenvorschlagsDen Gegenvorschlag mit den ursprünglich vom Stadtrat definierten Hochhausrichtlinien unterstützen die FDP, die GLP und die Mitte. Die FDP und die GLP hatten gegen die überarbeitete Version des Stadtparlaments das Referendum ergriffen.Sie monieren, die Vorlage der Parlamentsmehrheit lege einer «qualitativen Entwicklung der Stadt» Steine in den Weg.So schreibt die GLP, der Stadtrat habe mit seinem Vorschlag eine «vernünftige, pragmatische und zukunftsgerichtete Grundlage» geschaffen. Mit Gebieten für bis 40 Meter hohe Gebäude werde «deutlich mehr städtebauliche Flexibilität in den Quartieren ermöglicht». Zusätzlicher Wohnraum könne geschaffen werden, ohne dass grossflächige Arealentwicklungen nötig seien. «Damit eröffnen sie Spielräume für bauliche Erneuerung, den Erhalt bestehender Strukturen und bessere Freiräume im Umfeld.»Die FDP kritisiert zudem, das Stadtparlament habe die Hochhausrichtlinien «in unsachlicher Weise» verkompliziert und dies «entgegen den fachlichen Beurteilungen des SP-geführten Hochbaudepartements». Das Bauen in die Höhe würde dadurch «massiv behindert oder gar verunmöglicht».Für eine wachsende Stadt sei es unabdingbar, in die Höhe bauen zu können. Eine nachhaltige Stadtentwicklung sei ohne Hochhäuser nicht realisierbar.Die Haltung der ParteienNoch haben nicht alle Parteien ihre offiziellen Parolen gefasst.Die Haltung der NZZDie NZZ empfiehlt ein Ja zum Gegenvorschlag des Stadtrats. Die Stadt Zürich wächst, freie Flächen sind zunehmend rar. Es braucht deshalb verschiedene Möglichkeiten, Grundstücke zu bebauen – auch mit Gebäuden bis 40 Meter Höhe. Ein Verzicht darauf, wie in der Vorlage des Gemeinderats vorgesehen, schränkt Bauherren ein und wirkt sich negativ auf die Bautätigkeit aus.Passend zum Artikel