Vor der Abstimmung über die SVP-Initiative: Zu Besuch in der Zukunft eines verdichteten Landes.07.06.2026, 05.03 Uhr11 LeseminutenDer Mann, der aus einem Dorf eine Stadt machen soll, steht vor einer gigantischen Baugrube. Hinter ihm zwei neu gebaute Hochhäuser, vor ihm ein Fundament, so gross wie ein Fussballfeld. Er zeigt darauf und sagt: «Hier entsteht gerade das dritte Hochhaus!»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Stefan Marty, Gemeindepräsident der Zürcher Agglo-Gemeinde Regensdorf, lächelt. Das tut er oft, wenn er hier auf ungeteertem Boden mitten im grössten Entwicklungsgebiet des Kantons Zürich steht.In Regensdorf – bisher eher bekannt für hässliche Wohntürme, eine Plattenbausiedlung und die ansässige Strafanstalt Pöschwies – entsteht gerade die Stadt der Zukunft: verdichtet, klimafreundlich, auf dem Reissbrett geplant. In einem 21 Hektaren grossen Areal mit dem Namen Bahnhof Nord.«Noch besser würde mir hier natürlich eine Wiese gefallen.» Stefan Marty, Gemeindepräsident der wachsenden Zürcher Agglo-Gemeinde Regensdorf.Und Marty, ein bodenständiger Vereinsmensch, der keiner Partei angehört und sein Spitzenamt erreichte, ohne je ein Wahlplakat aufzustellen, ist davon sichtlich begeistert.Dort drüben: «Ein Open-Air-Kino!» Daneben: ein Veloverleih, inklusive Lastenvelos. Da: das erste Geschäft, das eröffnet hat – ein Barber-Shop. «Und hier, schauen Sie, der Boden: unversiegelt, mit porösem Stein, damit das Wasser bei Regen versickern und bei Hitze wieder verdunsten kann. Schwammstadt-Prinzip!»Spricht man Marty allerdings auf seine Begeisterung an, seine offensichtliche Freude über dieses neue Regensdorf, dann hält er plötzlich inne. Und sagt dann: «Noch besser würde mir hier natürlich eine Wiese gefallen – Traktoren, Felder, freie Flächen, Natur. So wie früher.»Regensdorf, dieser vergessene Unort, den sich die Stadt Zürich gerade einverleibt, ist ein Ort der Widersprüche. Seit hundert Jahren wächst er. Aus dem Bauerndorf wurde ein Industriegebiet, wurde eine Agglo mit Wohntürmen und Plattenbauten, wird nun ein moderner Aussenposten der Stadt.Anfang der 1960er Jahre hatte der Ort noch 7000 Einwohner. Heute sind es über 20 000. Bis 2050 werden es gemäss Prognosen 35 000 sein.Doch eine Stadt will Regensdorf auch nach all dem Wachstum keine sein. Zwei Mal wurde eine offizielle Umbenennung innert eines Jahres per Volksabstimmung abgelehnt, zuletzt im vergangenen April.Der neue Stadtteil beim Bahnhof entsteht trotzdem. Wohnraum für 6500 Personen soll hier bis 2030 entstehen. Das Herzstück: ein 24-stöckiges Hochhaus aus Holz, das grösste seiner Art in der Schweiz. Vergangenen Sommer zogen die ersten Mieterinnen und Mieter ein.In Regensdorf entsteht beim Bahnhof Wohnraum für 6500 Menschen. Ist das hier sinnvolle Verdichtung – oder das nächste Zeichen für den «Dichtestress»?Während die Bauarbeiter noch an der Stadt der Zukunft bauen, diskutiert das ganze Land über Orte wie diesen. Ist das hier sinnvolle Verdichtung – oder das nächste Zeichen für den «Dichtestress», den die SVP mit ihrer Initiative gegen die «10-Millionen-Schweiz» nach eigenem Bekunden bekämpfen will?Am 14. Juni stimmt die Schweiz über die Initiative ab. Und damit auch über die Zukunft von Orten wie Regensdorf, die zur Stadt werden müssen, wenn das Zusammenleben in der Schweiz der Zukunft gelingen soll.Paul Aecherli weiss, wie das war, im alten Regensdorf aufzuwachsen. Als der Ortsteil Watt, in dem heute noch die schmucken Bauernhäuser von einst stehen, ein eigenes Dörflein war. Und er von der Mutter mit dem Velo in den Nachbarort geschickt wurde, um beim Gärtner Salatsetzlinge zu kaufen.«Das war eine Fahrt über Felder, die reinste Prärie», sagt Aecherli. «Heute ist das alles Asphalt.»Aecherli, 78, ist Sägermeister von Beruf. Er führte lange Jahre einen grossen Holzbetrieb gleich neben dem Bahnhof Regensdorf, errichtet auf einer ehemaligen Abfalldeponie. Von seinem Vater hatte er das Geschäft übernommen, heute führt es seine Tochter in dritter Generation.Der Sägermeister Paul Aecherli und seine Tochter Céline Hartmann: «Wir sollen zu Städtern werden.»«Die Veränderung ist sicht- und spürbar, in jedem Dorf wird hier gebaut», sagt Aecherli. «Es ist das Vakuum von Zürich, es zieht die Leute an, frisst das Land.» Seit Jahrzehnten beobachte er den Boom und wie dieser den Ort seiner Jugend bis zur Unkenntlichkeit verändere. «Aber so massiv wie heute war es noch nie.»Aecherli sitzt mit seiner Tochter Céline Hartmann im Büro seines Betriebs. Ein langer Holztisch, dahinter sind Angestellte mit dem Ölen einer dunklen Nussholzplatte beschäftigt.Vor dem Fenster, gegen die Gleise hin, wird gerade eine neue Zufahrtsstrasse gebaut – Teil des Erschliessungsprojekts für das neue Bahnhofsquartier. Aecherlis haben sich gegen den Bau der Strasse gewehrt. Sie fürchten, dass man ihren Betrieb schleichend von hier vertreiben will, im Namen des Fortschritts.Fragt man Experten, heisst es: Regensdorf hat bei der Planung seines neuen Stadtteils vieles richtig gemacht – das Areal am Bahnhof als Ganzes entwickelt, den privaten Grundbesitzern wie Pensionskassen, Grossbanken und anderen Investoren eine weite Allee in der Mitte des neuen Quartiers abgetrotzt, nur für Fussgänger und Velofahrer.Den Bau der neuen Strassen und Wege müssen die Grundbesitzer aus ihren substanziellen Gewinnen bezahlen, auch einen Quartierplaner beschäftigen sie auf eigene Rechnung. In den Neubauten müssen zudem alle Erdgeschosse Geschäfte beherbergen. Das neue Quartier soll keine Schlafstadt für gute Steuerzahler werden, sondern auch etwas anderes in die Gemeinde bringen: Arbeitsplätze, Gewerbe – Leben.Wenn man sich die Zahlen anschaut, ist das momentane Wachstum zudem gar nicht so aussergewöhnlich, wie es auf den ersten Blick erscheint. Prozentual betrachtet stiegen die Bevölkerungszahlen in den 1960er und 1970er Jahren gar weitaus stärker an, als es für die heutige Zeit prognostiziert ist. Der Wandel, der Boom – er gehört längst genauso zu Regensdorf wie es die alten Bauernhäuser tun.Das «Zentrum Regensdorf», ein Einkaufszentrum, und viele günstige Wohnblöcke. Davor trifft sich die Jugend.Fragt man dagegen den Sägermeister Aecherli und seine Tochter, hört man eine andere Geschichte. Volle Züge, volle Busse und zu Stosszeiten eine Stunde Autofahrt für die 1,5 Kilometer vom Denner nach Hause. Die Infrastruktur halte mit dem Wachstum längst nicht mehr Schritt. Auf den Viertelstundentakt der Züge nach Zürich zum Beispiel wartet Regensdorf seit zehn Jahren. Kommen soll er 2035.«Wenn wir eine Stadt sein wollen, wo sind dann die neuen Parks, die Bänklein, die Spielplätze?», fragt Céline Hartmann. Er sei kein Feind des Fortschritts, sagt Paul Aecherli. «Wenn man wirtschaftliche Entwicklung will, kommt man nicht ohne Menschen aus!» Auch das neue Holzhochhaus gefalle ihm eigentlich ganz gut.Was ihn stört, ist etwas anderes: dass hier, wo er aufgewachsen ist, nun ein ganz anderer Lebenswandel zur Normalität werden soll. Die Neuzuzüger, die Lastenvelos, die Neubauten, in denen pro Haushalt nur noch ein Auto erlaubt ist . . . «Wir sollen zu Städtern werden. Dabei sind wir noch nicht bereit dafür, ein Teil von Zürich zu werden.» Aecherli seufzt. «Es ist ein Kampf der Kulturen.»Holzhochhaus, zehnter Stock. Ayla Elkas-Hot, 48, steht am Fenster ihrer hellen, skandinavisch angehauchten Wohnung und blickt über Regensdorf. Unten wird noch gebaut. Kräne drehen sich, Lastwagen fahren ein und aus. Die Stadt der Zukunft ist noch nicht fertig.Seit vergangenem Sommer wohnt sie hier. «Im Juli ziehe ich noch weiter hinauf», sagt sie. In den siebzehnten Stock. Dort oben gebe es Parkett. Und die Aussicht sei noch etwas schöner.Ihr Zuhause liegt genau zwischen den zwei Achsen, die Regensdorf zu einem beliebten Ort machen: der Bahnlinie nach Zürich. Und der Wehntalerstasse, einer der wichtigsten Ausfallstrassen aus der Stadt. 28 000 Fahrzeuge befahren die Strasse jeden Tag, fast zweimal mehr als die Gotthard-Autobahn. Entlang dieser Achsen frisst sich Zürich, wie so viele Städte, gerade aufs Land hinaus.Holzhochhaus, zehnter Stock: «Ich fühle mich hier sehr städtisch», sagt die Neumieterin Ayla Elkas-Hot.Ayla Elkas-Hot ist in der Stadt Zürich geboren und aufgewachsen. Sie arbeitet im Versicherungswesen und hat drei Söhne. Vor fünfzehn Jahren zog sie von Zürich nach Regensdorf. Damals sei hier wenig los gewesen, sagt sie: Industrie, Gewerbe, Familienquartiere. Heute entdecke sie ständig neue Restaurants und Take-aways. Im neuen Quartier beim Bahnhof kenne man sich bereits. Dass sich der Rest von Regensdorf gross mit dem neuen Teil vermischen wird, glaubt sie eher nicht.Im Hochhaus sprächen die Leute mal Züridütsch, mal Englisch, Französisch, Italienisch. «Hier wohnen Menschen aus der Romandie, aus dem Tessin, aus dem Ausland», sagt Elkas-Hot. Junge Paare, Singles, Doppelverdiener. «Es hat alles.»Im Haus organisiert die Verwaltung Nachbarschaftsanlässe, die Bewohner treffen sich zu Yogastunden und kommunizieren via App miteinander. Elkas-Hot sagt: «Ich fühle mich hier sehr städtisch.»Die Schweiz sei nicht überbevölkert, findet sie. «Man muss einfach mehr verdichten.» Orte wie dieser seien genau dafür da.Dann blickt sie hinunter auf den Kreisel vor dem Bahnhof.Schon heute staut sich dort der Verkehr regelmässig. Für die Sporttrainings ihrer Kinder brauche auch sie das Auto, sagt Elkas-Hot. Viele Bewohner hätten gar keinen Parkplatz mehr erhalten. Manche mieteten inzwischen einen im Einkaufszentrum an, auf der anderen Seite der Geleise. «Ich frage mich schon, wie das noch werden soll.»Vor ihrem Fenster wird bald das nächste Gebäude entstehen. Es sei gut, dass gebaut werde, sagt Elkas-Hot. Aber froh sei sie trotzdem, bald höher oben zu wohnen. Der Blick ins Furttal soll möglichst lange frei bleiben.Gehört Verdichtung zu Wohlstand und Erfolg dazu? Oder bringt sie das Ende des Dörflichen, Ländlichen – und damit der typisch helvetischen Lebensart? Diese Debatte hat in der Schweiz eine lange Geschichte.1954, mitten im Bauboom der Nachkriegszeit, publizierte eine Autorengruppe um den Schriftsteller und Architekten Max Frisch eine Streitschrift, in der sie vor den sozialen Verwerfungen warnte, zu denen unkontrolliertes Wachstum und steigende Bodenpreise führen würden. Die «Freiheit in unserem Lande» werde dadurch «mehr und mehr eingeschränkt».Verdichtung als Bedrohung: Anders als die Initianten der 10-Millionen-Initiative zogen Frisch und seine Mitstreiter aus diesem Befund allerdings nicht den Schluss, dass dieser Wandel zu stoppen sei – sondern dass er zu gestalten sei. «So etwas wie die Schweiz als fertig etabliertes Gebilde» gebe es schlicht nicht.Die «neue Schweiz», die sich die Intellektuellen wünschten, sollte dank neuer Städte Realität werden. Eine davon war gemäss einer Folgestudie im Furttal geplant – dort also, wo heute um das Regensdorfer Holzhochhaus ein Kind dieser Idee Gestalt annimmt.Damals, in den 1960er Jahren, scheiterte die Idee an lokalem Widerstand – vor allem aus der Bauernschaft. Heute haben deren Nachfahren ihr Land mehrheitlich verkauft.Sie wollen bauen – und auch der Kanton will, dass an Orten wie diesen verdichtet wird. Gemäss kantonalem Richtplan soll in den urbanen Agglomerationen 80 Prozent des Bevölkerungswachstums aufgefangen werden. Regensdorf selbst hat das Areal bereits in den 1960ern zu Bauland erklärt und es 2015 per Umzonung zum Wohngebiet gemacht.Bringt Verdichtung das Ende des Dörflichen, Ländlichen – und damit der typisch helvetischen Lebensart?Der Gemeindepräsident Stefan Marty glaubt deshalb, dass Widerstand gegen Verdichtung sinnlos ist. «Wir haben keine Wahl», sagt er. «Wir können nur das Beste daraus machen.»Marty ist selbst eigentlich ein Wachstumsskeptiker. «Ich hätte auch lieber Kartoffeläcker als Neubauten» ist ein Satz, den er mehrmals sagt.Marty wohnt in einem Einfamilienhaus. Sein Lieblingsort in Regensdorf ist ein Rebhäuschen, das am unbebauten Rand des Ortes in einem Weinberg liegt. Zum Verdichter haben ihn die Umstände gemacht.Und doch, findet er, müsse man konsequent sein. Den vielen Alteingesessenen, die über das Wachstum klagen, sagt er: «Eure Vorfahren, die Bauern, haben hier einmal alles Land besessen. Dann haben sie es verkauft, freiwillig, für gutes Geld.»Vom Wachstum profitieren, aber keinen Platz für die Menschen schaffen wollen, die es bringen – das, findet Marty, gehe nicht.An der Wand der Sägerei Aecherli hängt ein Stück Papier, DIN-A4, mit Klebstreifen befestigt. Darauf: ein Luftbild von Regensdorf. Blau schraffiert die Sägerei, rot schraffiert diverse Grundstücke in der Nähe: die Justizvollzugsanstalt Pöschwies, die grösste Haftanstalt des Landes, ein paar Wohnsiedlungen, ein Schulhaus – und auch zwei grosse Grundstücke im neuen Bahnhofsquartier.Der Plan zeigt die Liegenschaften, die die Aecherlis mit Fernwärme versorgen. Mit den Abfällen ihrer Sägerei und zugekauftem Holz füttern sie in ihrer Sägerei drei gigantische, orangefarbene Öfen. Die erzeugen heisses Wasser, das über Leitungen in die angeschlossenen Häuser gepumpt wird. Rund tausend Haushalte werden so beheizt und mit Warmwasser versorgt.Der Sägermeister hatte die Idee für das neue Geschäftsfeld vor Jahren. Ein grosser Holzbetrieb hat es in einer Stadt schwer – klimafreundliche Fernwärme aber ist gefragt. In zehn Jahren, glaubt Aecherli, werde es die Sägerei wohl nicht mehr geben. «Aber das Heizen, das hat Zukunft.»Die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet der Familienbetrieb mittlerweile damit. Eben erst haben Aecherlis 5 Millionen Franken in die Erweiterung ihrer Anlage gesteckt, einen neuen Ofen eingebaut, stärker als die beiden bisherigen zusammen.Auch sein Betrieb habe etwas vom Wandel seiner Gemeinde, vom Wachstum, sagt Aecherli. «Das ist ja das Schwierige: Wir können uns nicht einfach nur beschweren. Wir profitieren ja auch.»Die Schweiz braucht immer mehr Wohnraum – aber nicht zuvorderst wegen der Zuwanderung. Zwischen 1985 und 2018 ist die gesamte verfügbare Wohnfläche im Land um 61 Prozent gestiegen. In derselben Zeitspanne wuchs die Bevölkerung bloss halb so stark, plus 32 Prozent. Das zeigen Zahlen des Bundesamts für Statistik.Mehr Häuser und Wohnungen braucht es vor allem, weil mit steigendem Wohlstand auch die Wohnfläche steigt, die jeder und jede für sich beansprucht. Da die Schweiz ausserdem nicht weiter zersiedelt werden soll, muss zusätzlicher Wohnraum dort entstehen, wo schon etwas steht.Das heisst: Der Wohlstand treibt die bauliche Verdichtung an – und verwässert gleichzeitig ihre Wirkung.Regensdorf ist dafür ein gutes Beispiel. Dort sind in den vergangenen Jahren Hunderte neuer Wohnungen entstanden. Doch die Nutzungsdichte – also die Anzahl Personen pro bewohntem Quadratmeter – stieg im Vergleich damit nur unwesentlich an.Gleichzeitig bleibt der Ort gespalten. Auf der einen Seite der Gleise: der Ortsteil Watt, wo inmitten schmucker alter Bauernhäuser die Vermögenden und Alteingesessenen der Gemeinde wohnen. Auf der anderen Seite: günstige Wohnblöcke um ein gigantisches Einkaufszentrum gruppiert, das «Zentrum Regensdorf».Aus Watt stammen im Moment fünf Mitglieder des Gemeinderats. Aus dem «Zentrum»: kein einziges.Das neue Bahnhofsquartier um das schicke Holzhochhaus liegt genau zwischen den zwei Polen. Es soll, so die Idee, verbinden – aus dem gespaltenen Ort eine einzige Stadt machen.«Seit ich ein Kind bin», sagt die Sägerin Céline Hartmann, «hat man hier gesagt: ‹Die Reichen leben auf der einen Seite der Gleise. Die anderen sind auf der anderen Seite.› Jetzt wachsen die zwei Welten zusammen – und treffen plötzlich aufeinander.»Vor dem «Zentrum Regensdorf» versammelt sich an diesem schulfreien Mittwochnachmittag Regensdorfs Jugend. Die Jugendlichen stehen in Buben- und Mädchengruppen auf dem grossen Platz herum und starren auf ihre Mobiltelefone. Ab und zu lacht jemand, so, wie es nur Jugendliche im Stimmbruch hinbekommen.In Regensdorf werden bald 13 144 Schweizerinnen und Schweizer darüber abstimmen, ob sie an die Zukunft von verdichteten Städtebau-Experimenten wie dem ihren glauben.Was halten sie vom neuen Quartier? Sabrina und Vanji, 14, sind in Regensdorf aufgewachsen. Sie sagen: «Es war hier noch nie so voll mit Leuten wie jetzt.» Die Zahlen bestätigen das: Die Leerwohnungsziffer ist mit 0,26 Prozent so tief wie seit über zwanzig Jahren nicht mehr. Die Oberstufenschülerinnen finden es aber gut, dass gebaut wird. Einfach das Land der Bauern müsse erhalten bleiben.Regensdorf hat einen Ausländeranteil von 37 Prozent und liegt damit auf Platz 9 im Kanton Zürich. «Unsere Eltern sind auch einmal eingewandert», sagen Eris, Diogo und Sami. Für die Oberstufenschüler ist klar: Jeder solle die Möglichkeit haben, in die Schweiz und nach Regensdorf zu kommen. Einfach arbeiten müsse man. Überfüllt finden sie es hier nicht.Auf einer Bank sitzt eine Grossmutter und betreut ihre Enkelkinder. Die Frau aus Bosnien erzählt, wie sie wegen steigender Mieten über die Jahre von Zürich Oerlikon über Affoltern bis nach Regensdorf verdrängt worden sei. Sie habe gehört, dass viele Doppelverdiener und wenige Familien das neue Bahnhofsquartier bevölkerten. Nun mache sie sich schon ihre Gedanken – dazu, was die zahlungskräftigen Zugezogenen für die Mieten von morgen bedeuten.In Regensdorf werden am kommenden Abstimmungssonntag 13 144 Schweizerinnen und Schweizer darüber abstimmen, ob sie an die Zukunft von Experimenten zu verdichtetem Städtebau wie dem ihren glauben. Ob sie, in Frischs Worten, die Schweiz als «fertig etabliertes Gebilde» sehen wollen – oder als Ort, der sich immer weiter wandelt.Die 7816 Ausländerinnen und Ausländer der Gemeinde werden über diese Zukunft, die auch die ihre ist, nicht mitbestimmen können.Unter den Ja-Stimmenden werden an diesem Sonntag die Sägerin Céline Hartmann und der Gemeindepräsident Stefan Marty sein. Die Hochhausbewohnerin Ayla Elkas-Hot wird Nein stimmen. Paul Aecherli, der nachdenkliche Sägermeister, hat sich noch nicht entschieden.Holzhochhaus an der Bahnlinie. Entlang dieser Achse frisst sich Zürich, wie so viele Städte, gerade aufs Land hinaus.Passend zum Artikel
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Regensdorf wächst bis 2050 auf 35.000 Einwohner (neues Quartier: 6500). Am 14. Juni Schweiz-Abstimmung über "10-Millionen-Schweiz"; Verdichtung mit moderner Infrastruktur wird europäisches Wachstumsmodell—Signal für Tech-Standort- und Immobilieninvestitionen.











