Marzahn, ein Vormittag im Spätsommer, nur wenige Wochen vor der Wahl. Die Sonne liegt blass auf den Fassaden der Hochhäuser, zwischen den Betonblöcken zieht der Wind durch leere Passagen. Aus einem übersteuerten Lautsprecher scheppert der Neue-Deutsche-Welle-Ohrwurm „Ich düse, düse im Sauseschritt“ – fröhlich, blechern und merkwürdig verloren. Das Lied hallt durch die Häuserschluchten wie ein Gruß aus einer Zukunft, an die hier längst niemand mehr glaubt.
Auf den Bänken am Helene-Weigel-Platz sitzen die, die tagsüber Zeit haben: eine Frau im Rollstuhl, ein älterer Mann, der sich am Rollator vorbeischiebt, Männer und Frauen mit Bierflaschen, die sich langsam zum Takt des Songs bewegen – dazwischen pickende, gurrende Tauben und Einkaufstüten. Es riecht nach Kaffee aus dem Bäcker gegenüber.
Erst scheint es, als gäbe es wenig zu erzählen. Dann stellt man eine Frage – und hört eine ganze Welt zerbrechen.
Arbeitslosenquote lag zuletzt bei 8,2 Prozent
Der Bezirk selbst erzählt schon eine eigene Geschichte, bevor überhaupt jemand ein Wort gesagt hat. Fast 300.000 Menschen leben in Marzahn-Hellersdorf, so viele wie nie zuvor seit der Bezirksfusion 2001.











