Berlin, vier Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl am 20. September. Die Berliner Zeitung hat Reporterinnen und Reporter in die Kieze geschickt, die Keimzellen dieser Stadt – nach Marzahn-Hellersdorf, nach Steglitz-Zehlendorf, nach Spandau –, um die Stimmung unter den Leuten zu erfragen.

Was unsere Autoren von ihren Exkursionen in den Osten und Westen mitgebracht haben, sind also keine wohlformulierten Parteiprogramme oder Umfragewerte, sondern es sind Gespräche mit echten Menschen: mit einer Mutter, die die Bahn nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr für sicher, mit einem Pfleger, der das Gesundheitssystem für krankmachend hält. Mit einer Rentnerin, die in ihrer Hochhauswohnung, die sie so lange suchte, nun im Sommer unter der großen Hitze leidet; mit einem Maurer, der nach Jahrzehnten auf dem Bau seinen Job nicht mehr ausüben kann; mit einer Wählerin, die ihr Leben lang der CDU die Treue gehalten hat und jetzt zum ersten Mal nicht mehr weiß, wo sie ihr Kreuz setzen wird.

Politische Entfremdung nimmt zu

Auf den ersten Blick mögen diese Menschen wenig gemeinsam haben. Doch sie eint das Gefühl, dass ihre Erfahrungen in der Politik nicht mehr vorkommen, weder wahr- noch ernstgenommen werden. Weder als Anlass für Veränderungen noch als Grundlage für zukünftige Entscheidungen. Allenfalls als vage Stimmung oder Störgröße.