Eines steht fest: Sie werden alle wählen gehen. Das ist eines der wenigen Dinge, denen hier alle zustimmen.Sei es der Bauleiter Micha M., die Sozialarbeiterin Jule Friedrich, oder sei es Max A. aus der queeren Community. Im wahltüchtigsten Bezirk Berlins wollen sie bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September ihr Kreuz setzen, auch Freunde und Bekannte, selbstverständlich. Immerhin diese Statistik scheint noch zu stimmen. Denn eine andere könnte bald fallen: dass Steglitz-Zehlendorf eine CDU-Hochburg ist.

„Für mich wird nichts getan“, sagt Angelika B. am Mittwochmorgen auf der Schloßstraße. Die 59-Jährige möchte nicht mit ihrem richtigen Namen in der Zeitung stehen. Aber sie möchte erzählen, was sie bewegt, wenn sie an Steglitz denkt: dass niemand mehr auf die anderen gucke. Dass es immer dreckiger geworden sei.

Wachsender Unmut

„Keiner guckt mehr auf den anderen“, meint sie. Heute wird sie nicht die Einzige bleiben, die einen wachsenden Unmut im Kiez wahrnimmt, eine Art Ellbogenmentalität. Dabei dürfte man doch vom einst so bürgerlichen Steglitz-Zehlendorf etwas anderes erwarten.

Der Bezirk ist seit Jahrzehnten christdemokratisch. Konkurrenz bot allenfalls die SPD, neulich auch die Grünen. Doch die Mauern der Hochburg wackeln: Bei der letzten Bundestagswahl kam die CDU nur auf 26,8 Prozent der Zweitstimmen. Auf Bezirksebene hat sich mittlerweile eine grün-rot-gelbe Koalition mit der grünen Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg gebildet.