Die Zeit ordnungspolitischer Predigten sei vorbei, findet Michael Hüther, der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft. Moritz Schularick, der Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft, äußert diesen Gedanken etwas elaborierter, indem er das Zeitalter von Charles de Montesquieu, mit dem er eine regelbasierte Ordnung verbindet, enden und ein Zeitalter Albert Hirschmans anbrechen sieht, in dem wirtschaftliche Abhängigkeiten als Waffe in geopolitischen Konflikten eingesetzt werden.„Der Freihandel hat fertig“, deklamierte der Wirtschaftsweise Gabriel Felbermayr mit seinem Ko-Autor Martin Braml schon vor zwei Jahren in einem Buch. Nur die Europäer glaubten noch an die alte Welthandelsordnung, findet der in Princeton lehrende Ökonom Markus Brunnermeier. Bücher und Aufsätze, in denen dem Liberalismus das Totenglöcklein geläutet wird, sind Legion. „Was ist mit der liberalen Demokratie geschehen?“, fragt der Nobelpreisträger Daron Acemoglu in seinem neuen Buch.Plädoyers für aktionistische StaatenNach mehreren Jahrzehnten der geopolitischen Naivität, nicht nur, aber gerade auch in Deutschland, will sich kein Wissenschaftler, Journalist oder Politiker vorwerfen lassen, er besitze keine Antworten für eine Welt, die sich gefühlt schneller dreht, als vielen Menschen guttut. Wortgetöse soll Entschlossenheit und Stärke demonstrieren. Die Entfremdung Amerikas, die militärische Bedrohung durch Russland und die wirtschaftlichen Muskelspiele Chinas beschreiben in der Tat Veränderungen, die nach Antworten durch handlungsfähige Staaten in der Außen- und Sicherheitspolitik, aber auch in der Wirtschaftspolitik rufen.
Ordnungspolitik: Der Liberalismus ist nicht tot
Grundlegende ökonomische Zusammenhänge gelten unabhängig vom jeweiligen geopolitischen Regime. Liberale regelgebundene Politik, nicht industriepolitischer Aktivismus, bleibt angesagt.







