Donnerstagmorgen, 10:31 Uhr, das quadratische Herz von Oranienbaum. Hundert mal hundert Meter misst der Marktplatz, von dem die Straßen im strengen Raster hinausführen, mit Sichtachsen zum Schloss und zur Stadtkirche, einst nach niederländischem Vorbild angelegt. An diesem Vormittag interessiert sich niemand für Barockarchitektur. Die Blicke richten sich auf einen Stand, an dem Frauen mit grauen Haaren wedelnd Spiegel-Ausgaben in die Luft halten wie Eintrittskarten vor einem Konzert. Sie warten darauf, dass ein Mann ein Magazin signiert, der von diesem jüngst als „der gefährlichste Mann Deutschlands“ ausgezeichnet wurde.

Für eine AfD-Tasse legen die meisten fünf Euro in die Kasse. „Jemand hat für ein T-Shirt aber auch schon mal 100 Euro bezahlt“, erinnert sich eine Wahlkämpferin. Am Rand stehen zwei Streifenwagen, drei Polizisten je Fahrzeug. Sie werden an diesem Morgen wenig zu tun haben.

„Die Flüchtlingswelle war ausschlaggebend“

Sebastian Rößner, 34, ist aus dem Ort. Er sucht Arbeit und verfolgt das politische Tagesgeschehen ganz genau. Seit zehn Jahren, sagt er, halte er zur AfD. „Die Flüchtlingswelle war für mich ausschlaggebend.“ Doch was ihn an diesem Morgen umtreibt, ist konkreter. „Es fehlen Arbeitsplätze. Ich hatte gestern ein Vorstellungsgespräch, für das ich 22 Kilometer weit mit dem Auto fahren musste.“ Und dann der Satz, bei dem ringsum viele nicken: „Arbeiten lohnt sich für Leute mit geringem Einkommen in Deutschland kaum. Das muss sich ändern.“