Die Schuldenlast der USA drückt massiv, das Finanzministerium interveniert am Markt für Staatsanleihen. «Es droht ein Vertrauensverlust», sagt ein AnlageexperteDas amerikanische Finanzministerium will den Renditeanstieg bei Staatsanleihen mit höheren Rückkäufen bremsen. An den Kernproblemen der USA – zu hohe Ausgaben und zu hohe Schulden – ändert dies aber nichts.20.08.2026, 18.00 Uhr4 LeseminutenUS-Finanzminister Scott Bessent reagiert auf den starken Anstieg der Renditen von US-Staatsanleihen.Kylie Cooper / ReutersEs ist ein bedenklicher Rekord: Die Staatsverschuldung der USA hat zum ersten Mal den Stand von 40 Billionen Dollar übersprungen, wie Daten des amerikanischen Finanzministeriums zeigen. Erst im Januar 2022 hatte sie die Marke von 30 Billionen Dollar erreicht. Dies verdeutlicht ihren rasanten Anstieg in den vergangenen Jahren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch mit der sorglosen Ausgabenpolitik der amerikanischen Regierungen unter den Präsidenten Joe Biden und Donald Trump drückt die amerikanische Schuldenlast immer stärker – und jüngst sogar so heftig, dass das Finanzministerium angekündigt hat, stärker am Markt für US-Staatsanleihen zu intervenieren.Steigende Nervosität wegen des Rendite-AnstiegsAm Mittwoch gab das amerikanische Finanzministerium bekannt, die geplanten Rückkäufe von ausstehenden lang laufenden US-Staatsanleihen – also solchen mit einer Laufzeit von mehr als zehn Jahren – «mindestens zu verdoppeln».Laut Harald Preissler, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter Bantleon, dürfte dies einem jährlichen Rückkaufsvolumen von rund 140 Milliarden Dollar entsprechen, bei jährlichen Neuemissionen in diesem Laufzeitenbereich von 444 Milliarden Dollar. Der angekündigte Schritt des US-Finanzministeriums sei zwar auf vorerst bis zum 4. November befristet, es sei aber mit einer dauerhaften Fortführung zu rechnen. «Die Pläne zeigen, wie nervös das Finanzministerium angesichts der steigenden Anleiherenditen mittlerweile ist», sagt Preissler.Die Rückkäufe der Staatsobligationen sollen steigende Kosten für den Schuldendienst der USA eindämmen. In den vergangenen Wochen hatte sich die Aufnahme von Kapital am Anleihenmarkt für die USA deutlich verteuert. Anfang dieser Woche waren die Renditen von amerikanischen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren auf bis zu 5,34 Prozent gestiegen, den höchsten Stand seit dem Jahr 2007. Ende des vergangenen Jahres hatten sie noch bei 4,84 Prozent gelegen.Nach der Ankündigung des Finanzministeriums zu den geplanten Rückkäufen am Mittwoch sanken die Renditen der amerikanischen Staatsanleihen. Anschliessend wurde ein grosser Teil des Renditerückgangs aber bereits wieder korrigiert, die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen notierte am Donnerstagnachmittag bei 5,27 Prozent.«Am Kernproblem der zu hohen Ausgaben im Haushalt hat sich nichts geändert», sagt Gunther Schnabl, Direktor des Flossbach von Storch Research Institute mit Sitz in Köln und Professor an der Universität Leipzig. Zudem seien die Beträge, um die es bei den Rückkäufen gehe, angesichts des Gesamtvolumens des amerikanischen Staatsanleihenmarkts klein.Möglicherweise gehe es Finanzminister Scott Bessent mit der Ankündigung der höheren Rückkäufe auch darum, das Bewusstsein dafür zu stärken, dass die Staatsverschuldung tragbar bleiben muss, sagt Schnabl weiter. Ausser Kontrolle sei die Situation aber nicht, denn mit dem Dollar hätten die USA die Weltleitwährung und könnten sich eine höhere Staatsverschuldung leisten als andere Länder.Schuldenspirale dreht sich weiterAn den Gründen für den Anstieg der Renditen der US-Staatsanleihen habe sich nichts verändert, sagt auch Preissler. «Die Steuergeschenke der amerikanischen Regierung belasten die Einnahmen, und die Sozialversicherung sowie die Verteidigung treiben die Ausgabenseite», sagt er. Gleichzeitig stiegen die Inflationsrisiken, und deswegen forderten die Finanzmärkte eine immer höhere Risikoprämie bei lang laufenden Staatsanleihen. Dieser Trend war in letzter Zeit nicht nur in den USA, sondern auch in Grossbritannien, den Ländern der Euro-Zone sowie in Japan zu beobachten. Bei steigenden Renditen könnte am Ende eine Schuldenspirale drohen.Beat Thoma, Anlagechef des auf Anleihen spezialisierten Vermögensverwalters Fisch Asset Management, sieht in den Interventionen am Anleihemarkt eine Verlagerung der monetären Steuerung weg von der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hin zum US-Finanzministerium. Fed-Präsident Kevin Warsh habe diese bereits erwähnt. Auch die jüngsten Interventionen der USA, um Japan bei der Stützung seiner Währung, des Yen, zu helfen, seien Aktionen des US-Finanzministeriums gewesen. «Die Unterstützung hatte letztlich das Ziel, Verkäufe der Bank of Japan von US-Staatsanleihen zu verhindern», sagt Thoma.Die Folgen der jüngsten Eingriffe am amerikanischen Staatsanleihenmarkt könnten indessen beträchtlich sein. «Es droht ein Vertrauensverlust», sagt Thoma. Die Interventionen seien ein Signal, dass offenbar Handlungsbedarf bestehe, weil sich die langen Zinsen verselbständigten. Sie zeigten aber auch, dass nur mit massiv höherem Einsatz das gewünschte Resultat erzielt werden könne und dass in diesem Fall der Dollar unter Druck gerate.Misstrauensvotum gegenüber US-Regierung unter TrumpDer Dollar gab derweil nach den Ankündigungen gegenüber dem Euro und dem Franken nach. Laut Preissler ist dies zum Teil ein Misstrauensvotum gegenüber der amerikanischen Regierung unter Präsident Donald Trump. Diese sei immer wieder mit interventionistischen Ideen aufgetreten, die ausländische Investoren verschreckten und aus dem Dollar trieben.Dazu zählen beispielsweise mögliche Pläne der amerikanischen Regierung zur gezielten Abwertung des Dollars, die Zollpolitik von Donald Trump oder dessen Einmischungen bei der Notenbank.Passend zum Artikel
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