Mr MarketDie Analysten trauen dem Grossbäcker das Erreichen der Mittelfristziele nicht mehr zu. Ausserdem: Emmi wirkt gefestigt, Geberit fällt bei den Analysten durch, was die Aktien noch attraktiver macht, und bei Amrize kauft das Management wieder zu.The Market20.08.2026, 14.51 UhrGeschätzte Leserin, geschätzter LeserOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Von solchen Wachstumszahlen können viele etablierte Nahrungsmittelhersteller nur träumen. Der Milchverarbeiter Emmi hat die verkauften Volumen im ersten Halbjahr 2026 rund 4% gesteigert. Proteinprodukte, Vitaminwasser und Trinkmahlzeiten legten mehr als 10% zu. Zum Vergleich: Nestlé verzeichnete in derselben Periode lediglich einen Volumenzuwachs von 1,5%, Kaffee wuchs als stärkste Produktkategorie organisch 7,5%.Folgerichtig passt Emmi die Umsatzprognose für das Gesamtjahr leicht nach oben an. Neu erwartet das Management ein Plus von 2 bis 3%, nach bisher 1 bis 3% – wobei die Analysten im Schnitt schon vor der Publikation der Halbjahreszahlen für 2026 mit einem Wachstum im oberen Bereich der Spanne gerechnet hatten. Überzeugt haben die Luzerner auch bei der Cash Conversion: Der freie Cashflow stieg um 30%, getrieben durch eine höhere Profitabilität und ein niedrigeres Nettoumlaufvermögen.Dass die Aktien am gestrigen Mittwoch dennoch deutlich tiefer schlossen, hat aus meiner Sicht zum einen mit dem guten Lauf seit Jahresbeginn zu tun.Zum anderen schlug sich das stärkere Umsatzwachstum nicht wirklich im Betriebsgewinn nieder. Höhere Personalausgaben und Logistikkosten im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten führten dazu, dass die Ebit-Marge lediglich 20 Basispunkte auf 6,6% stieg.Mittelfristig ist Emmi auf Kurs. Die Integration der Grossübernahme von Mademoiselle Desserts ist laut Unternehmensangaben weitgehend abgeschlossen. Die strategische Transformation zeigt sich damit immer deutlicher in den Zahlen: Das Dessertgeschäft sowie die anderen definierten Geschäftstreiber Spezialitätenkäse, Emmi Caffè Latte und Proteinprodukte machen rund 40% des Umsatzes aus und wachsen tatsächlich überdurchschnittlich schnell. Gerade im Proteingeschäft wird deutlich, dass Emmi längst nicht mehr der langweilige Milchverarbeiter ist, sondern in einem globalen Wachstumsmarkt erfolgreich mitmischen kann.Dieser Erfolg gibt der Strategie von CEO Ricarda Demarmels recht.Mittelfristig soll sich die Premiumpositionierung auch für Anleger noch stärker bezahlt machen: Mit einem Zeithorizont von drei bis fünf Jahren strebt das Unternehmen eine Rendite auf das investierte Kapital von mindestens 10% an (per Ende Juni: 7,9%). Ich bin zuversichtlich, dass eine schrittweise Verbesserung gelingen wird, womit die Aktien neuen Schwung erhalten dürften.Nach einem Kursplus von mehr als 25% auf über 900 Fr. waren die Aktien wohl aber etwas gar heissgelaufen. Auch weitere Rückschläge sind nicht ausgeschlossen, zumal die defensiven Titel gerade in Zeiten mit viel KI-Fantasie an den Börsen in der Regel nicht zu den Favoriten gehören.InhaltsverzeichnisDie Zukunft von Aryzta entscheidet sich in DeutschlandDie Lieblinge der Analysten – und eine Contrarian-IdeeAmrize-Management kauft in der Schwäche wieder AktienDie Zukunft von Aryzta entscheidet sich in DeutschlandVon Investoren offensichtlich gemieden werden derzeit die Aktien von Aryzta. Der Grossbäcker hatte vergangene Woche mit enttäuschenden Halbjahreszahlen und einer Ankündigung zum deutschen Geschäft die Investoren aufgeschreckt: Nachdem der Umsatz im wichtigsten Einzelmarkt zwischen Januar und Juni um fast 10% eingebrochen war, würden nun alle Optionen geprüft, um den Aktionärswert zu maximieren, wird das Management rund um CEO Urs Jordi in der Medienmitteilung zitiert.Die Aktien verloren daraufhin 15% an Wert, nachdem sie schon seit Anfang April unter Druck gestanden waren.Bereits in meinem Kommentar im Nachgang zur Zahlenpublikation wies ich darauf hin, dass es sich in Deutschland wohl um ein chronisches Problem handelt, das nicht nur die Konsum-, sondern auch die Produktionsseite betrifft. So kämpfte das Unternehmen zuletzt unter anderem mit nicht ausgelasteten Kapazitäten und kurzfristigen Personalausfällen. Aryzta betreibt in Deutschland vier Werke.Laut Daniel Bürki, Aktienanalyst bei der Zürcher Kantonalbank, wäre es vorstellbar, dass eine oder zwei der Fabriken geschlossen oder verkauft würden oder auch, dass die Produktion zum Beispiel nach Osteuropa verlagert werden könnte. Grundsätzlich begrüsse er den Entscheid, dass Aryzta das Exposure im sehr schwierigen Markt Deutschland reduzieren will. «Wie das im Detail umgesetzt wird, ist dann essenziell.»Einen Gesamtausstieg halte ich unter anderem aus Kostengründen für unwahrscheinlich, was auch durch Aussagen von Urs Jordi bei verschiedenen Medien gestützt wird.Während Bürki nach dem Kursrutsch an seiner Empfehlung festhält, die Aktien im Portfolio überzugewichten, wirft der Kollege von der Grossbank UBS das Handtuch: Aktienanalyst Joern Iffert stuft Aryzta von «Buy» auf «Sell» herunter und senkt gleichzeitig das Kursziel von 70 auf 40 Fr. Die Aktien verlieren heute Donnerstag erneut deutlich.Ein wichtiger Grund für die deutliche Reduktion der Gewinnerwartungen und damit für die Neueinschätzung ist das anhaltend schwierige Marktumfeld. Tatsächlich stagnierten die verkauften Volumen bereits 2024 und 2025 und sanken im ersten Halbjahr 2026 insgesamt um 2,1%. Für das Gesamtjahr rechnet Iffert neu mit einem stagnierenden bis leicht rückläufigen Umsatz (organisch). Gleichzeitig nehme der Preisdruck zu, während die Nachfrage nach Backwaren schwach bleibt.Das hat durchaus Brisanz, denn damit würde das Unternehmen – und mit ihm der als Kommunikator sehr geschätzte CEO Jordi – die eigenen Ziele zum wiederholten Male verfehlen: Aryzta rechnet weiterhin mit einem leichten organischen Wachstum. Der Betriebsgewinn soll gegenüber 2025 steigen.Mittelfristig dürfte die Marktsituation nicht unbedingt besser werden. Wettbewerber wie Europastry, Bridor und Vandemoortele expandieren, was laut Iffert in einem stagnierenden Markt Überkapazitäten und weiteren Preisdruck begünstigt. Besonders schmerzhaft für Aryzta sind die Pläne von Lidl: Der deutsche Grosskunde investiert rund 300 Mio. € in eigene Backkapazitäten und könnte künftig noch mehr selbst produzieren. Damit kommt nicht nur der Umsatz, sondern auch die Marge in Bedrängnis.Zudem sieht UBS vor allem auch veränderte Ernährungsgewohnheiten durch den Einsatz von Abnehmmedikamenten als Risiko für das Erreichen der Mittelfristziele: Rund ein Drittel von Aryztas Umsatz entfällt auf süsse und Frühstücksprodukte, die laut dem Analysten kaum vom Trend hin zu gesunden Snacks profitieren dürften. Ausserdem zeige eine UBS-Umfrage unter GLP-1-Nutzern einen zunehmenden Verzicht auf Brot und Gebäck.Entsprechend sieht Joern Iffert ein steigendes Risiko, dass Aryzta auch die Mittelfristziele verpassen wird.Ich bin etwas weniger pessimistisch. Klar, das Umfeld ist schwierig, Aryzta kann es sich nicht leisten, stillzustehen. Aber das schwächere Umsatzwachstum ist mittlerweile eingepreist, für 2026 liegt die durchschnittliche Erwartung noch bei 0,6%. Auch bei der Profitabilität haben viele Analysten ihre Prognosen bereits reduziert, das Erreichen des Mittelfristziels einer Betriebsgewinnmarge auf Stufe Ebitda von 15% hält nicht nur Iffert für unrealistisch.Ein wichtiger Hebel ist das deutsche Geschäft: Gelingt es, die dortige Produktion noch in der jetzigen Strategieperiode bis 2028 nachhaltig effizienter aufzustellen, sehe ich durchaus einiges an Spar- und damit Überraschungspotenzial.Die Lieblinge der Analysten – und eine Contrarian-IdeeAryzta schneidet an der Börse derzeit zwar besonders schlecht ab; mit einem Minus von mehr als 22% landen die Titel auf Platz siebzehn der Flops im Swiss Performance Index seit Jahresbeginn. Unter den Analysten halten dem Unternehmen dennoch – abgesehen von Joern Iffert und Jon Cox von Kepler Cheuvreux – fünf die Treue. Damit rangiert es gar im oberen Viertel der beliebtesten Schweizer Titel.Die populäreren Aktien an der Schweizer Börse sind – wenig überraschend – jene von Galderma. Viel optimistischer kann das Umfeld um den Dermatologiekonzern nicht mehr werden. Das ist mit ein Grund, wieso ich unlängst empfohlen hatte, eine allfällige Position deutlich zu trimmen oder gar ganz zu verkaufen. Ebenfalls beliebt unter Analysten sind die Titel des Industriekonzerns Georg Fischer, der Intralogistiker Interroll und Kardex sowie die Gesundheitaktien Lonza und Alcon. Auch DKSH, Comet und Ypsomed haben besonders viele Empfehlungen.Das deckt sich mehrheitlich mit der Einschätzung von The Market: GF, Kardex, Lonza und Alcon gefallen uns ebenfalls gut. Der Halbleiterzulieferer Comet hängt sehr stark an der Fantasie rund um die künstliche Intelligenz, die Aktien des Medtech-Unternehmens Ypsomed haben ihren guten Lauf nach der Präsentation des erfreulichen Ergebnisses für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 Mitte Juli noch beschleunigt.Spannender noch als die Lieblinge der Analysten finde ich die Valoren, die aus der Gunst gefallen sind – und wo sich eine Contrarian-Möglichkeit ergeben könnte. So manche Aktie erhält schon länger und wohl zu Recht keinen Zuspruch mehr, etwa diejenigen von Swatch Group. Aber es erhalten auch spannendere Titel mehr Verkaufs- als Kaufempfehlungen von Banken und Brokern, was angesichts des Geschäftsmodells eben dieser Banken und Broker durchaus bemerkenswert ist.Zu den Unbeliebtesten gehört seit Ende 2025 Geberit. Seit die deutschen Bau- und Konjunkturhoffnungen mit dem Krieg im Nahen Osten einmal mehr verflogen sind, sind auch die Aktien des Sanitärspezialisten deutlich zurückgekommen.Geberit aber hat in diesem schwierigen Umfeld Marktanteile dazugewonnen und beweist immer wieder ihre Resilienz, zuletzt auch mit den gestern vorgelegten Zahlen zum ersten Halbjahr 2026: Das Unternehmen ist zuletzt neun Quartale in Folge gewachsen, die Marge bleibt auf hohem Niveau. Auch deshalb gehören die Titel zu den Jahresfavoriten von The Market.Der Versicherer Swiss Life ist bereits seit mehreren Jahren unbeliebt, Zurich Insurance erging es nur unwesentlich besser. Swiss Re ist im Verlauf von 2025 aus der Analystengunst gefallen: Zehn Analysten empfehlen die Aktien des Rückversicherers derzeit zum Verkauf, nur vier zum Kauf. Dazu beigetragen haben dürfte die Wende im Preiszyklus des Rückversicherungsmarktes, die Swiss Re zunehmend zum Nachteil gereicht.Die Börse spiegelt diese pessimistische Einschätzung im laufenden Jahr nicht vollumfänglich. Swiss Life weist eine Gesamtrendite (inkl. Dividende) von 3,4% auf, Zurich Insurance kommt auf 1,8%, Swiss Re auf 8%. Damit bleiben sie aber hinter dem Leitindex SMI zurück.Wie den Analysten gefallen auch uns etwa die Aktien der kleineren Helvetia-Baloise besser, wie mein Kollege Ruedi Keller in dieser Analyse ausgeführt hat. Von den grossen Versicherern ist Zurich der Vorrang vor Swiss Life zu geben, bei beiden könnte die Fülle an Verkaufsempfehlungen aus Sicht von The Market ein Hinweis darauf sein, dass kein übermässiger Optimismus mehr in den Aktien steckt.Swiss Re hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt, Altlasten wurden bereinigt. Das florierende und sehr gut geführte Geschäft mit Direktversicherungen, gutes Kostenmanagement und die bisher gnädige Grossschädenbilanz im Jahr 2026 führten nicht nur zu einem Rekordergebnis nach sechs Monaten, sie stützten auch den Aktienkurs. Bei den Rückversicherungspreisen zeichnet sich indes keine Wende ab. Im ersten Halbjahr verzeichnete Swiss Re bei Vertragsverlängerungen einen risikobereinigten Preisrückgang von 4,6%. Die Profitabilität dürfte also zurückgehen, obschon CEO Andreas Berger das Ziel des Sparprogramms von 300 Mio. auf 500 Mio. $ bis 2028 ausgeweitet hat. Ich bleibe an der Seitenlinie.Amrize-Management kauft in der Schwäche wieder AktienUnter den Top 10 der Analystenlieblinge taucht übrigens auch der Name Amrize auf. Das überrascht, müssen doch die Investoren des Baumaterialherstellers derzeit Geduld aufbringen. Die Zahlen zum zweiten Quartal brachten Licht und Schatten: Der Konzern hebt auch dank des Rechenzentrenbooms in den USA die Umsatzprognose an, senkt zugleich aber die Gewinnerwartungen. Höhere Kosten für Fracht, Treibstoff und Rohmaterial drücken auf die Profitabilität – und haben auch den Aktienkurs deutlich belastet.Ein Muster ist seit dem Spin-off allerdings auffällig: Das Management nutzt die Kursschwäche konsequent für Aktienkäufe. Zuletzt hatte CEO Jan Jenisch Ende Mai zugegriffen. Dieses Mal folgte die zweite Führungsebene: Finanzchef Baris Oran, Spartenpräsident Jaime Hill, Lieferkettenchef Mario Gross, Technologiechef Roald Brouwer, Personalchef Stephan S. Clark und Leiter Strategie und M&A Samuel Jonas Poletti kauften in sieben Transaktionen Aktien im Gesamtwert von rund 776’000 Fr.Diese konsequente Ausrichtung des Managements auf den Aktienkurs gefällt mir. Jenisch und die übrige Führungscrew halten substanzielle Aktienpakete, die sie zu einem grossen Teil aus eigener Tasche am Markt erworben haben. Die jüngste Kaufwelle ist deshalb mehr als reine Symbolik: Sie unterstreicht, dass das Management selbst daran glaubt, dass sich Geduld bei Amrize auszahlen kann. Ich werde dem Baustoffhersteller nächste Woche eine vertiefte Analyse widmen, um genauer zu ergründen, was den Titel derzeit zurückhält.Auch beim Verpackungshersteller SIG Group, der Anfang der Woche mit dem CEO-Wechsel für Enttäuschung gesorgt hatte und dessen Aktien darauf deutlich nachgaben, traten Insider als Käufer auf. Mitglieder der Geschäftsleitung erwarben Aktien im Wert von gut 170’000 Fr., ein Verwaltungsratsmitglied griff sogar für rund 1 Mio. Fr. zu. Das ist ein positives Zeichen.Trotzdem bleibt der Erklärungsbedarf für die neue CEO Ann-Kristin Erkens und den Verwaltungsratspräsidenten Ola Rollén hoch. Nun muss sowohl kommunikativ als auch operativ geliefert werden. Noch überzeugender wäre das Signal, wenn gerade diese beiden ihren Aktienanteil erhöht hätten.Freundlich grüssen im Namen von Mrs MarketGabriella Hunter und Manuel Boeck
Aryzta-Aktien im Sinkflug: Die Zweifel der Analysten wachsen
Der Markt traut dem Grossbäcker das Erreichen der Mittelfristziele nicht mehr zu.
Aryzta-Umsatz in Deutschland (Kernmarkt) fällt H1 2026 um 10%; UBS senkt Rating Buy→Sell, Kursziel 70→40 CHF. Volumen stagnieren seit 2024, Backwaren-Nachfrage bleibt schwach – Unternehmen verfehlt Mittelfristziele, Restrukturierungsplan unklar.








