Mr MarketDer Grossbäcker geht nach enttäuschenden Halbjahreszahlen in die Offensive und stellt das Deutschlandgeschäft infrage. Für existenzielle Sorgen aber ist es zu früh, das zeigt nicht zuletzt die Rückkehr zur Ausschüttung.Gabriella Hunter10.08.2026, 12.29 UhrGeschätzte Leserin, geschätzter LeserOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Schwierigkeiten hatten sich bereits abgezeichnet, der Aktienkurs steht schon seit längerem unter Druck. Die tatsächlichen Zahlen sind nun aber trotzdem eine sehr grosse Enttäuschung: Aryzta ist im ersten Halbjahr 2026 organisch um 2,7% geschrumpft. Der Grossbäcker leidet insbesondere im wichtigsten Einzelmarkt Deutschland, wo das Geschäft gemäss Schätzung der Bank Vontobel um rund 10% zurückgegangen sein dürfte. Für 2026 wird nur noch ein Wachstum am unteren Rand der bisherigen Prognosenspanne erwartet.Die Aktien geben bis am Montagmittag mehr als 13% nach und fallen auf den tiefsten Stand seit Anfang 2023.In Deutschland belastet nicht nur die schlechte Konsumstimmung und die ausgeprägte Preissensitivität. Zuletzt kämpfte das Unternehmen dort auch mit nicht ausgelasteten Kapazitäten. Ausserdem kommt es in der Produktion wohl zu zusätzlichen Kosten. Aryzta sei immer wieder mit kurzfristigen krankheitsbedingten und anderen Ausfällen konfrontiert, wie mir verschiedene Investoren sagen.Das Management geht in die OffensiveNun wählt das Management um CEO Urs Jordi den Weg in die Offensive: Für das enttäuschende Deutschlandgeschäft würden alle Optionen geprüft, um den Aktionärswert zu maximieren, wird es in der Medienmitteilung zitiert. Noch in diesem Jahr soll ein Entscheid gefällt werden, antwortete Jordi an der Telefonkonferenz auf die Frage eines Analysten.Zunächst bedeutet das, dass die Sparschraube in Deutschland nochmals angezogen wird. Auch ein ganzes oder teilweises Ausscheiden aus dem deutschen Markt dürfte zur Debatte stehen. Obwohl dies ein schwieriges Unterfangen wäre, nicht nur, weil Aryzta rund 27% des Umsatzes in Deutschland erzielt. Produktionsschliessungen sind aufwendig und vor allem auch teuer. Ausserdem laufen nicht alle Bereiche gleich schlecht, vor allem der Detailhandel leidet extrem. Auch aus Skalierungssicht wäre es ein klarer Rückschritt.Diese Vorbehalte mögen sich heute – von der Gesamtenttäuschung abgesehen – auch an der Börse spiegeln. Noch viel mehr als bei anderen Unternehmen ist der Aktienkurs aber bei Aryzta die Fieberkurve des Vertrauens: Die Angst, dass der Turnaround vom Weg abkommt, sitzt tief. Zu viele der Schweizer Investoren sind heute noch geprägt von der Erfahrung in den Jahren, bevor Urs Jordi das CEO-Amt übernahm. Die Gewinnwarnung im Herbst 2025 hat dabei nicht geholfen.Das weiss auch das Management. Entsprechend kämpft es vor allem um die Glaubwürdigkeit, wenn es die Restrukturierungs- und Sparanstrengungen intensiviert sowie offensiv und transparent kommuniziert.Im heutigen Communiqué stehen klare Hinweise darauf, dass die neue Aryzta eben nicht mehr die alte Aryzta ist: Die Profitabilität konnte einigermassen geschützt werden, die Betriebsgewinnmarge vor Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) betrug 13,2%. Der freie Cashflow lag mit 23,6 Mio. € zwar unter dem Niveau der Vorjahresperiode, das Unternehmen ist gemäss Medienmitteilung aber auf Kurs, die Ziele für 2026 zu erreichen.Ausserdem zeigt sich nach der Rückzahlung der letzten Hybridanleihen, welchen positiven Effekt der Abbau der Schulden auf die Zinslast hat. Die Finanzierungskosten fielen mit knapp 15 Mio. € noch etwas tiefer aus, als erwartet worden war.Nicht zuletzt kündigte das Unternehmen heute – aller Herausforderungen zum Trotz und wie 2025 versprochen – die definitive Rückkehr zu Ausschüttungen im Jahr 2027 an. Ziel sei es, dies schrittweise in Richtung einer Ausschüttungsquote zu entwickeln, die mit der von in der Schweiz kotierten kleinen und mittelgrossen Unternehmen vergleichbar ist. Das ist ein Signal, auf das viele Investoren nach zehn Jahren ohne Dividende gewartet hatten.Mittelfristziele rücken weiter wegDas Unternehmen ist herausgefordert, das Geschäft ist schwierig. Die noch im Mai 2025 publizierten Mittelfristziele für die Periode bis 2028 sind in die weitere Ferne gerückt: Aryzta will bis dahin schneller wachsen als der Markt (Volumen-Mix-Wachstum von circa 2,4%) und eine Ebitda-Marge mindestens 15% erreichen. Als Resultat sollen der freie Cashflow und die Kapitalrendite weiter steigen.Die Fantasie, die den Aktienkurs im vergangenen Jahr auf 87 Fr. steigen liess, ist verflogen. Und auch ich muss meine Einschätzung nach der abermaligen Enttäuschung etwas revidieren. Aryzta steht heute weniger gut da, als ich erwartet hatte.Gleichzeitig ist es für existenzielle Fragen zu früh. Jordi hat das Unternehmen nachhaltig verändert. Über Quartale hinweg waren die angekündigten Ziele stets erfüllt worden. Das gilt sowohl für die Reduktion der Verschuldung als auch fürs operative Geschäft. Darum glaube ich weiter an die strategische Stossrichtung.Das strukturelle Wachstum – gerade im Bake-off-Segment – ist intakt, Aryzta steht auf soliden Beinen. Das zeigt auch die positive Entwicklung in den Regionen ausserhalb Deutschlands. Nun muss das Unternehmen möglichst schnell zu organischem Wachstum zurückfinden.Wie ernüchtert die Anleger sind, zeigt sich an der Bewertung: Ein Aktienkurs von rund 46 Fr. bedeutet ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von schätzungsweise 11 auf Basis des für 2026 geschätzten Gewinns – nach Prognosereduktion. Selbst unter eingetrübten Vorzeichen ist das ein sehr hoher Abschlag gegenüber anderen Lebensmittelproduzenten.Freundlich grüsst im Namen von Mrs MarketGabriella Hunter