Rechte Weltbilder und Narrative bilden sich so rasch wie Infektionen aus und kolonisieren den Alltag. Bald werden sie als normal angesehen.
M an wird nicht als Fanatiker geboren, man wird zu ihm gemacht. Es sind Jahre der Gewöhnung – an einen bestimmten Tonfall, an die entsprechende Erregung. Durch die wechselseitige Bestätigung darin, ungerecht behandelt, von Mächtigen übervorteilt, nicht gewürdigt, nicht gehört zu werden. Durch die wohlige Einrichtung in diesem Gefühl, einer bedrohten Gemeinschaft anzugehören.
Leo Löwenthal, eine der großen Figuren der Frankfurter Schule, schrieb im amerikanischen Exil die bis heute unerreichte Analyse der autoritär-populistischen Agitation „Falsche Propheten“. Jahrzehnte später formulierte er einen Satz, der wie ein Schlüssel zum Verständnis unserer Gegenwart wirkt: Die faschistische Agitation stelle die Psychoanalyse auf den Kopf. Statt Neurosen und Traumata zu heilen, mache die Agitation die Menschen neurotisch und paranoid und verstärke die „mörderischen, aggressiven und destruktiven Impulse“.
Faschismusanalysen erklären kundig, welche gesellschaftlichen Umstände – etwa soziale Krisen – den Aufstieg des Rechtsextremismus begünstigen. Andere arbeiten heraus, welcher Menschentypus besonders empfänglich dafür ist. Genauso wichtig ist die Frage: Was geschieht mit Menschen, wenn sie über Jahre in einer Atmosphäre leben, in der Ressentiment, Verachtung, Grausamkeit alltäglich sind?








