Ein echtes Ost-West-Debatten-Wochenende: In der FAZ erklären der Historiker Magnus Brechtken und der Journalist Reinhard Bingener den Osten. Das Ergebnis folgt dem üblichen Muster: Der Westen denkt nüchterner, rationaler und demokratisch geübter. Der Osten denkt emotionaler, autoritätsorientierter und pflegt seine „Abgrenzungsidentität“.

Dass im Osten anders gewählt wird als im Westen, dient gleich mit als Beleg. Wie praktisch, wenn sich die Argumentation selbst bestätigt. Aber warum wählen Ostdeutsche anders? Weil sie politisch anders sozialisiert sind. Woran erkennt man diese andere Sozialisation? Daran, dass sie anders wählen. Aha!

Im Westen gibt es regionale Identitäten. Das ist Folklore. Im Osten gibt es regionale Identität. Das ist ein Komplex. Im Westen gibt es Unzufriedenheit. Das ist ein demokratischer Aushandlungsprozess. Im Osten gibt es Unzufriedenheit. Das ist mangelnde rationale Selbstanalyse. Und wenn der Westen AfD wählt, ist das ein politisches Problem. Wenn der Osten AfD wählt, führt die Spur zurück über die DDR, den Nationalsozialismus, Weimar und gleich noch die Monarchie.

Gegen eine solche Argumentation können wir als OAZ nicht gewinnen. Jeder Widerspruch würde vermutlich als weiterer Beleg für die behauptete ostdeutsche Empfindlichkeit gelten.