In der FAZ, einem Leitmedium, wenn es um gesellschaftliche Debatten geht – allerdings fast ausschliesslich aus westdeutscher Perspektive – wurde kürzlich ein Fass aufgemacht, das sich etwa so zusammenfassen lässt: Politikern aller in Ostdeutschland relevanten Parteien, von Linken, AfD und BSW bis zu ostdeutschen CDU- und SPD-Politikern, wird unterstellt, ein „ostdeutsches Sonderbewusstsein“ zu befeuern. Es handele sich dabei um ein Bewusstsein, das sich durch „Ablehnung, Auflehnung und Neid auf Westdeutschland und das damit verknüpfte ‚Establishment‘“ charakterisieren lasse. Den Ostdeutschen wird pauschal ein „verdrehtes Bild der jüngeren deutschen Geschichte“ sowie die Verklärung der Rolle Russlands untergeschoben. So weit, so vorhersehbar – das ist der Ton, den die Ostdeutschen ohnehin kennen. Neu ist allerdings, dass dies direkt mit einer Ost-West-Verteilungsdebatte verknüpft wird.

Der Osten soll die Klappe halten

Bei den Ostdeutschen sieht der FAZ-Autor eine ungebührliche Anspruchshaltung gegenüber Transfers aus dem Westen, dessen inzwischen auch dort deutlich wahrnehmbare Schwierigkeiten, den Lebensstandard und die Infrastruktur auf gewohntem Niveau zu halten, es nicht gäbe, wenn man nicht so viel für den Osten bezahlen würde. Und der Autor geht noch weiter: Er nutzt seinen Beitrag dazu, eine Drohung zu artikulieren. Die Geberländer des Länderfinanzausgleichs, so postuliert er, könnten aufhören, die Nehmerländer im Osten zu finanzieren. Das ließe sich auch einfacher sagen: Der Osten soll die Klappe halten und vor allem dankbar sein für alles, was der Westen für ihn getan hat.