Seit über 40 Jahren gehe ich zu Demonstrationen. Rede und Gegenrede, Argument und Gegenargument – das ist in einer Demokratie selbstverständlich, auch wenn es mühsam und manchmal frustrierend ist. Dafür bin ich schon in der DDR auf die Straße gegangen. Es ist wichtig, Gesicht zu zeigen, den eigenen Standpunkt nach außen zu vertreten. Ehrlich, mit einer klaren Positionierung und ohne allen gefallen zu wollen. Das erreicht man als politisch aktiver Mensch ohnehin nie, wenn man Tacheles redet.
Aber nicht nur die klare Positionierung bereichert unsere Gesellschaft. Ich kann auch zuhören. Und das tue ich dort, auf der Straße. Auch wenn es mir manchmal schwerfällt. Ich gehe Woche für Woche bewusst auch dorthin, wo man nicht meiner Meinung ist, wo ich angeschrien und bespuckt werde. Zum Teil wurde ich schon mit dem Tode bedroht, wenn ich nur am Rande einer Versammlung auftauchte. In meinem jüngst erschienenen Buch „Streit und Straßenkampf – Unterwegs für die Freiheit“ kann man das alles genau nachlesen.
Unterschiedliche Ansichten muss man im Meinungsstreit grundsätzlich aushalten können – auch, wenn sie mal emotional und laut vorgetragen werden. Ich bin nicht zimperlich. Wirklich nicht. Unsere Gesellschaft lebt von unterschiedlichen Ansichten. So sollte es auch weiterhin in diesem Lande sein. In friedfertigem Miteinander, wenn auch die Ansichten auseinandergehen. So dachte ich jedenfalls.










