Wahlen allein halten keine Demokratie lebendig. Sie sind geheim. Jeder hat das Recht, seine politischen Überzeugungen für sich zu behalten. Niemand muss für seine Entscheidung an der Urne öffentlich geradestehen. Aber es stünde schlecht um die Bundesrepublik, wenn es nicht auch Bürger gäbe, die bereit wären, mehr zu tun: für ihre politischen Überzeugungen zu werben und zu streiten. Und zwar jenseits des professionellen Politikbetriebs in Berlin.Genau das tun all jene namenlosen Parteimitglieder und Kommunalpolitiker, die am Wochenende, wenn andere Ausflüge unternehmen, auf Supermarktparkplätzen und in Fußgängerzonen ihre Stände aufbauen, um mit Passanten ins Gespräch zu kommen. Sie halten ihren Kopf hin für das, was im politischen Berlin passiert. Ohne Bodyguard und PR-Berater gehen sie aus ihrer Blase heraus. Sie setzen sich ungefiltert anderen Meinungen aus und bekommen den geballten Frust im Land zu spüren.Ein Angriff auf AfD-Mitglieder ist nicht weniger schlimmVor allem diese Fußsoldaten der Demokratie sind die Leidtragenden der drastischen Zunahme von Angriffen auf Parteimitglieder und Politiker im vergangenen Jahr. Das Plus von 40 Prozent hängt auch mit der Bundestagswahl zusammen. Das ist eine Erklärung, macht die Sache aber nicht besser. Auch dass nur ein kleiner Teil der Angriffe Gewaltdelikte waren, ist kein Grund zur Verharmlosung.Bei Beleidigungen und anderen verbalen Angriffen lässt sich oft schwer beurteilen, ob der Anstieg darauf zurückzuführen ist, dass sie heute häufiger gemeldet werden, oder ob sie tatsächlich zugenommen haben. Auch das Meldeverhalten der Parteien kann unterschiedlich sein.Das sollte aber nicht dazu führen, den Befund grundsätzlich infrage zu stellen. Der besagt auch, dass die meisten Angriffe sich gegen AfD-Mitglieder richteten. Das bis weit in die politische Arena hinein verbreitete Raunen, wenn es AfD-Politiker treffe, sei es weniger schlimm oder überhaupt nicht, ist falsch und gefährlich.Aber was lässt sich gegen die zunehmende verbale und physische Gewalt tun? Einen ersten Schritt könnte jeder tun, indem er beim nächsten Mal nicht achtlos am Stand einer Partei in der Fußgängerzone vorbeigeht.
Angriffe auf Parteimitglieder: Schlag gegen die Demokratie
Die Demokratie lebt von Bürgern, die in Fußgängerzonen für ihre politischen Überzeugungen eintreten. Dass sie Opfer von Angriffen werden, ist ein Alarmsignal.













