Vorsichtiges Aufatmen beim Großbrand in Hürtgenwald in der Eifel - und zugleich neue Sorgen im nur rund 20 Kilometer entfernten Monschau: Die grenznahe nordrhein-westfälische Stadt hat am Samstagabend wegen eines weiteren Waldbrandes im nahegelegenen Hohen Venn in Belgien Bewohner mehrerer Siedlungen aufgefordert, sich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten. Wenn möglich, sollten Anwohner bei Verwandten oder Freunden unterkommen. Die Einrichtung von Notunterkünften werde vorbereitet, hieß es. Es handele sich zunächst um eine vorbeugende Maßnahme. Auf belgischer Seite sei am Samstag die Evakuierung der Ortschaften Küchelscheid und Leykaul eingeleitet worden. Etwa 600 Menschen wurden angewiesen, ihre Häuser zu verlassen.Der in Belgien an der Grenze zu Deutschland wütende Waldbrand war am Freitagnachmittag ausgebrochen und hat mittlerweile eine Fläche von etwa 2000 Hektar erfasst. Das berichtet die Nachrichtenagentur Belga nach Informationen der regionalen Regierung. Im Hürtgenwald sind nach Angaben des Kreises Düren etwa 300 Hektar Wald von dem Brand betroffen.Das Eindämmen des dortigen Waldbrandes kommt nach Angaben von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst voran. Es sei in der Nacht gelungen, die Lage zu stabilisieren, sagte der CDU-Politiker bei einem Besuch im Einsatzgebiet. „Es besteht jetzt erste Hoffnung, dass der Brand unter Kontrolle gebracht werden kann.“ Es bestehe „auch erste Hoffnung“, dass die Menschen aus der evakuierten Ortschaft Gey in ihre Häuser zurückkehren könnten.Der Ministerpräsident sagte: „Bisher ist kein Haus verloren gegangen.“ Es sei auch verhindert worden, dass Menschen zu Schaden gekommen seien. Er dankte allen Einsatzkräften, unter anderem für Unterstützung des Bundes. Kanzler Friedrich Merz (CDU) habe sich mehrfach über die Lage erkundigt.Am frühen Abend wurde der Einsatz von Hubschraubern zur Brandbekämpfung eingestellt. Es gebe aktuell keinen Bedarf mehr, sagte eine Sprecherin des Kreises Düren zur Begründung.Ein Helikopter der Bundespolizei mit einem Löschwasser-Außenlastbehälter ist beim Waldbrand im Hürtgenwald im Einsatz. Harald Tittel/dpaKein nennenswerter Regen zu erwartenWann die rund 2000 Bewohner des evakuierten Ortsteils Gey in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren können, blieb weiter offen. Die Einsatzkräfte wollen unter anderem abwarten, ob eine mögliche Unwetterzelle mit stärkerem Wind am Abend das Feuer wieder anfachen könnte, wie der Kreis mitteilte.Nennenswerter Regen sei weder jetzt noch in den nächsten Tage zu erwarten, sagte eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD): „Es sieht nicht nach Regen in größeren Mengen aus – auch für die folgenden Tage nicht. Wir haben etwas Getröpfel über NRW. Sehr geringe Niederschlagsmengen, die nicht helfen“, sagte die Sprecherin.Ministerpräsident Wüst hatte sich im Lagezentrum über die Situation informieren lassen. Er wurde von Vize-Ministerpräsidentin Mona Neubaur begleitet. Mit Blick auf Helfer und Einsatzkräfte hob Wüst hervor, dass „viele Menschen mit einem großen Herz große Taten vollbringen. Das ist typisch für unser Land, diese Art von Solidarität und Nächstenliebe dann eben auch in praktisches Tun umzusetzen.“ Die Grünen-Politikerin Neubaur sagte: „Dieser Waldbrand ist in seiner Dimension historisch für unser Bundesland.“Man wolle, so Feuerwehrsprecher Peter Berndgen am Vormittag, mit der Brandbekämpfung jetzt immer mehr zur Mitte des Waldbrandes vorstoßen. „Was denn möglich ist unter den Rahmenbedingungen: Wir sind auf einer Munitionsverdachtsfläche“, sagte Berndgen. Im Hürtgenwald liegen noch viele Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg, weil dort Ende 1944 eine große Schlacht im Zuge des Vorrückens der Alliierten stattgefunden hatte.Berndgen sagte, die Kräfte würden im Laufe des Tages noch einmal deutlich erhöht. Darüber hinaus gehe es jetzt um einige „Neben-Baustellen“, etwa eine Optimierung der Wasserversorgung für die Feuerwehr. „Wir bauen etwa Zufahrtmöglichkeiten zu den Talsperren“, sagte Berndgen. „Wir sind ja da in einem Waldgebiet unterwegs, wo sonst halt niemand auch hinfährt.“
Waldbrand in NRW: Fortschritte beim Feuer im Hürtgenwald, neue Gefahr in Monschau
Die Lage im Hürtgenwald hat sich stabilisiert. Laut Ministerpräsident Wüst gibt es positive Anzeichen, Hubschrauber werden nicht mehr benötigt. Doch ein Brand in Belgien bedroht nun die Eifel.










