Die Lage in den Waldbrandgebieten Nordrhein-Westfalens hat sich am Samstag weiter verbessert. Im Kampf gegen das Feuer im munitionsbelasteten Hürtgenwald in der Eifel wurde am frühen Abend der Einsatz von Hubschraubern zur Brandbekämpfung eingestellt. Es gebe aktuell keinen Bedarf mehr, sagte eine Sprecherin des Kreises Düren zur Begründung. Bei der Bekämpfung des Brandes hatten in einem massiven Einsatz rund zehn Hubschrauber die Einsatzkräfte aus der Luft unterstützt.Wann die rund 2000 Bewohner des evakuierten Ortsteils Gey in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren können, blieb weiter offen. Die Einsatzkräfte wollen unter anderem abwarten, ob eine mögliche Unwetterzelle mit stärkerem Wind am Abend das Feuer wieder anfachen könnte, wie der Kreis mitteilte. NRW-Innenminister Herbert Reul und NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (beide CDU) sehen die Verantwortung für den größten Waldbrand in der Geschichte des Bundeslandes bei unachtsamen Menschen.„Irgendein Idiot hat das Feuer verursacht. Und darüber muss man nachdenken, wie verantwortungslos die Leute in der Gegend rumrennen und einfach irgendwas wegwerfen“, sagt Reul am Samstag. Oft reiche schon eine „weggeworfene Klippe“ oder zurückgelassenes Glas, um einen Waldbrand auszulösen – insbesondere, weil die extreme Trockenheit als Brandbeschleuniger wirke, sagte Gorißen im Deutschlandfunk.Die Löscharbeiten werden nach Angaben der Feuerwehr jedoch noch Tage andauern. Im Hürtgenwald brennen derzeit nach Angaben des Kreises Düren rund 300 Hektar Wald – das entspricht etwa 420 Fußballfeldern. 1400 Einsatzkräfte versuchen, die Flammen einzudämmen. Die genaue Brandursache ist weiter unklar. Die Polizei hat ein Hinweisportal eingerichtet.Auf das Wetter können die Einsatzkräfte allerdings nicht hoffen: „Es sieht nicht nach Regen in größeren Mengen aus – auch für die folgenden Tage nicht“, sagte eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Samstag. Am Nachmittag hatte es in Hürtgenwald leicht geregnet. „Wir haben etwas Getröpfel über NRW. Sehr geringe Niederschlagsmengen, die nicht helfen.“ Weiteres Feuer in der Nähe Zudem breitet sich im Luftlinie rund 35 Kilometer entfernten Naturschutzgebiet Hohes Venn an der Grenze zu Belgien ein Feuer rasant aus, wie der WDR und die Agentur dpa am Samstag berichten. Das Feuer war am Freitagmittag in dem Waldgebiet nahe der deutschen Gemeinde Monschau ausgebrochen. Blick auf die Rauchentwicklung hinter Windrädern durch den Waldbrand im Hohen Venn, aufgenommen von Hürtgenwald im Kreis Düren aus. © dpa/Thomas Banneyer Bewohner mehrerer Siedlungen werden gebeten, sich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten. Betroffen seien die Menschen in Ruitzhof, Leyloch, Vennhof, Haus Sonnentau und Plattevenn, teilte die Stadt an der deutsch-belgischen Grenze auf ihrer Facebook-Seite mit.Wenn möglich, sollten Anwohner bei Verwandten oder Freunden unterkommen. Die Einrichtung von Notunterkünften werde vorbereitet. Es handele sich zunächst um eine vorbeugende Maßnahme, hieß es weiter. Auf belgischer Seite sei am Samstag die Evakuierung der Orte Küchelscheid und Leykaul eingeleitet worden.Die Rauchwolken über dem Hohen Venn seien Kilometer weit zu sehen – bis nach Monschau, Simmerath und Roetgen, schreibt der Sender online. Dort waren bis zum Samstagnachmittag mindestens 1600 Hektar Vegetation zerstört, wie die belgischen Behörden der Nachrichtenagentur AFP mitteilten.Verstärkung aus ganz Belgien sowie aus Deutschland wurde demnach mobilisiert. EU-Krisenkommissarin Hadja Lahbib erklärte im Onlinedienst X, außerdem seien zwei Hubschrauber aus den Niederlanden, ein weiterer aus Tschechien sowie zwei Löschflugzeuge aus Schweden auf dem Weg nach Belgien.Das Hohe Venn liegt überwiegend in Belgien. Das eigentliche Naturschutzgebiet dort ist etwa 4500 Hektar groß. Der bis nach Deutschland reichende Naturpark Hohes Venn-Eifel misst rund 72.000 Hektar. Brandgeruch von den beiden Feuern löste dem WDR zufolge am Samstag sogar bei den Besuchern der Reit-Weltmeisterschaft in Aachen Besorgnis aus. Munitionsbelasteter Hürtgenwald Im Hürtgenwald, wo im Ortsteil Gey in der Nacht auf Freitag rund 2300 Bewohner evakuiert worden waren und bisher nicht zurück in ihre Häuser konnten, zeigte sich die Feuerwehr am Samstagmorgen einerseits „sehr zufrieden“ mit den Löscharbeiten. Andererseits gebe es noch einen Unsicherheitsfaktor: „Wir haben einen frischen, böigen Wind hier im Hürtgenwald, das könnte nochmal so ein Punkt sein“, sagte Feuerwehrsprecher Peter Berndgen.Wir haben einen frischen, böigen Wind hier im Hürtgenwald, das könnte nochmal so ein Punkt sein. Peter Berndgen, FeuerwehrsprecherMan wolle mit der Brandbekämpfung jetzt immer mehr zur Mitte des Waldbrands vorstoßen, sagte Berndgen. „Was denn möglich ist unter den Rahmenbedingungen: Wir sind auf einer Munitionsverdachtsfläche.“ Immer wieder gab es seit dem Ausbruch des Brandes Explosionen. Mutmaßliche Detonationen sind auch in Beiträgen in den sozialen Medien zu hören.Berndgen sagte, die Kräfte würden im Laufe des Tages noch einmal deutlich erhöht. Einsatzkräfte aus mehreren Bundesländern unterstützen, auch zahlreiche Landwirte und andere Zivlisten helfen beim Löschen.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Auch der Landrat des Kreises Düren, Ralf Nolten (CDU), bestätigte am Morgen: „Die Nacht war gut.“ Es habe sehr gute Fortschritte bei der Bekämpfung des Brandes gegeben. Die Bundeswehr habe in der Nacht weitere breite Schneisen in das Areal geschlagen. Das Hauptbrandgeschehen sollte nicht auf andere Bereiche übergreifen. Die Anzahl der Bergepanzer sei auch von zwei auf vier erhöht worden. Ein Polizeihubschrauber mit Löschwasser startet Richtung Hürtgenwald in der Eifel. © dpa/Christoph Driessen Am Freitagabend meldete der Landkreis, dass bei den Löscharbeiten fünf Einsatzkräfte verletzt worden seien. Eine ältere Person habe Herzprobleme bei der Evakuierung bekommen, sagte Landrat Nolten der dpa. Außerdem seien vier Einsatzkräfte leicht verletzt. Darunter seien eine Schnittverletzung und Kreislaufprobleme.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) dankte Feuerwehr, Polizei und Hilfsorganisationen. Viele von ihnen seien im Hürtgenwald seit Donnerstagnachmittag ohne Pause im Einsatz gewesen. „Unser Land hält zusammen!“, hob er auf der Plattform X hervor. Am Samstag sagte er bei einem Besuch vor Ort: „Wir erleben das hier in dieser Art eines großen Feuers zum ersten Mal, aber wir erleben eben nicht zum ersten Mal diese Extremwetterlage.“ Diese hätte „auch was mit Klimawandel zu tun. Das wird nun ernsthaft keiner mehr leugnen.“Das Land werde es „in Zukunft häufiger mit Extremwetterereignissen ganz unterschiedlicher Art zu tun haben“, sagte Wüst. Dies könnten Waldbrände sein oder etwa Starkregenereignisse. „Insofern sind Klimafolgenanpassungen und Klimaschutz weiter auf der Agenda“, sagte der nordrhein-westfälische Regierungschef.Aufgrund der akuten Trockenheit kommt es derzeit an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen zu Waldbränden. Innenminister Reul und Landwirtschaftsministerin Gorißen appellierten eindringlich an die Bevölkerung, Wälder derzeit nicht zu betreten. „Brände können sich rasant schnell ausbreiten und Fluchtwege abschneiden“, mahnten sie.Auch Kanzler Friedrich Merz äußerte sich. „In vielen Teilen des Landes wüten Waldbrände“, schrieb er auf X. Er werde laufend über die Entwicklung unterrichtet. „Ich danke allen Einsatzkräften für ihren unermüdlichen und oft bis zur Erschöpfung reichenden Einsatz“, schrieb der CDU-Chef. (mit Agenturen)