Der von Ermittlern gesuchte frühere stellvertretende Justizminister Polens, Marcin Romanowski, hält sich offenbar in Transnistrien auf. Das Bezirksgericht in Warschau teilte mit, es habe von dem PiS-Politiker ein Schreiben erhalten, aus dem hervorgehe, dass dieser sich in Tiraspol aufhalte, dem Hauptort des von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiets in Moldau. Romanowski habe darin erklärt, er werde vor Gericht oder bei der Staatsanwaltschaft in Polen erscheinen, sofern er nicht in Untersuchungshaft genommen werde.Am Mittwochabend bestätigte Romanowskis Anwalt auf der Plattform X, dass sein Mandat einen Antrag auf sicheres Geleit gestellt habe und sich außerhalb der Europäischen Union aufhalte.Der stellvertretende polnische Außenminister Marcin Bosacki erklärte am Donnerstag: Aus diplomatischer Sicht seien „die Handlungsmöglichkeiten stark eingeschränkt, falls sich Romanowski tatsächlich in Transnistrien befindet“. Warschau könne seine Auslieferung nicht von Behörden verlangen, zu denen es keine formellen Beziehungen unterhalte. Auch ein Auslieferungsantrag an Moldau könnte schwierig sein, weil die moldauischen Behörden Romanowski möglicherweise nicht festnehmen können.Sein einstiger Chef setzte sich in die USA abGegen Romanowski liegt ein europäischer Haftbefehl vor. Dem einstigen Stellvertreter des bis 2023 regierenden PiS-Justizministers Zbigniew Ziobro wirft die polnische Staatsanwaltschaft elf Straftaten vor, darunter Betrug und Korruption. Unter anderem soll Romanowski einen Fonds des Justizministeriums für Verbrechensopfer zur illegalen Wahlkampffinanzierung der nationalkonservativen PiS und verbündeter Parteien genutzt haben. Dabei ist laut den Anklägern ein Schaden von umgerechnet rund 40 Millionen Euro entstanden.Romanowski entzog sich einer Festnahme zunächst durch eine Flucht in die ungarische Hauptstadt Budapest. Ein Jahr später, im Dezember 2025, floh auch sein einstiger Vorgesetzter Ziobro in das damals vom PiS-Verbündeten Viktor Orbán regierte Ungarn. Ziobro wirft die polnische Staatsanwaltschaft 26 Straftaten und die Veruntreuung von rund 53 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln vor.Ungarns Ministerpräsident Péter Magyar hatte vor seinem Amtsantritt im Mai die Auslieferung der beiden an Polen angekündigt. Dem entzog sich Ziobro durch Flucht in die Vereinigten Staaten. Romanowski könnte Berichten zufolge zunächst nach Serbien gelangt sein.Vertreter der polnischen Regierung äußerten die Mutmaßung, dass Romanowski mit Russland kooperieren könnte. „Ich würde sagen, dass Romanowski mit großer Wahrscheinlichkeit unter dem Einfluss russischer Geheimdienste steht“, sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Cezary Tomczyk. Sollte Romanowski nach Transnistrien geflohen sein, sei eine „Grenze überschritten“, sagte auch der stellvertretende PiS-Vorsitzende und frühere Bildungsminister Przemysław Czarnek.
Marcin Romanowski: Versteckt sich ein PiS-Politiker in Transnistrien?
Marcin Romanowski wird mit einem europäischen Haftbefehl gesucht. Jetzt meldet sich der frühere stellvertretende Justizminister Polens aus einem von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiet.












