PfadnavigationHomePanoramaKolumbienMehr als 3000 Vermisste nach Erdbeben – „Ich habe kaum noch Hoffnung“Stand: 19:35 UhrLesedauer: 3 MinutenNachdem Kolumbien vom schwersten Erdbeben seit Jahrzehnten erschüttert wurde, ist das ganze Ausmaß der Katastrophe noch nicht absehbar. Rettungskräfte suchen in eingestürzten Gebäuden weiter nach Überlebenden. Augenzeugen halten die dramatischen Momente des Bebens fest.Die Opferzahlen nach dem Erdbeben in Kolumbien steigen. Lokale Behörden melden mindestens 240 Tote und mehr als 3000 Vermisste. Soldaten, Rettungskräfte und Angehörige suchen in den Trümmern nach Überlebenden.Nach dem Erdbeben in Kolumbien ist die Zahl der Todesopfer und Vermissten weiter gestiegen. Bürgermeister und Gouverneure aus Cali, Pereira, Chocó und Manizales meldeten am Dienstag mindestens 240 Tote und mehr als 3000 Vermisste. Die Zentralregierung hatte die Zahl der Toten am Montagabend (Ortszeit) aktualisiert und auf 111 beziffert.Lesen Sie auchDas Beben der Stärke 7,4 hatte am Montagmorgen die Region Chocó erschüttert, die als eine der ärmsten Kolumbiens gilt. Rund 1600 Gebäude wurden beschädigt oder stürzten ein. Soldaten, Rettungskräfte und Angehörige suchten in den Trümmern nach Verschütteten und bildeten Menschenketten, um Mauerteile wegzuschaffen, wie Reporter der Nachrichtenagentur AP beobachteten.Jairo Vargas stand in der Nähe des eingestürzten Wohnhauses seines Bruders in Pereira und berichtete der AP, er sei 220 Kilometer von Medellín hergefahren, in der Hoffnung, ihn lebend zu finden. „Ich bin mir absolut sicher, dass er hier ist. Absolut sicher.“ Allerdings seien keine Geräusche mehr aus den Trümmern zu hören. „Ich weiß es nicht. Ich habe kaum noch Hoffnung.“Erste Bewährungsprobe für neuen PräsidentenFür Präsident Abelardo de la Espriella, der nur wenige Tage zuvor sein Amt angetreten hat, war das Erdbeben die erste große Bewährungsprobe. Er reiste am Montagabend umgehend ins Katastrophengebiet und sagte, er habe „den gesamten Militär- und Polizeiapparat“ mobilisiert, um Hilfe zu leisten. Ingenieure, Rettungskräfte und Suchhunde seien im Einsatz. „Chocó wird nie wieder das Land der Vergessenen sein“, versprach er in der Regionalhauptstadt Quibdó.In der 7000-Einwohner-Stadt El Cairo waren den Behörden zufolge etwa 80 Prozent der Gebäude beschädigt. Familien veröffentlichten Informationen über vermisste Angehörige auf von Bürgern betriebenen Websites. Dana Carolina Zamora etwa postete ein Bild ihres vermissten 60-jährigen Onkels Miguel Ángel Zamora, der unweit des Epizentrums des Bebens in San José del Palmar in einem traditionellen Haus aus Stöcken und Lehm lebte.Lesen Sie auch„Wir haben Angst“, sagte Zamora. Sie und ihre Angehörigen hätten die Hoffnung, dass der Onkel vielleicht einfach nicht erreichbar sei. „Wir haben nichts von ihm gehört.“Dutzende Gebäude eingestürztDie Stadtverwaltung von Pereira teilte mit, dort seien mindestens 58 Gebäude eingestürzt. Auch in der Fabrik von Mónica Sánchez, die mit ihrer Firma Arbeitsuniformen herstellt, stürzte eine Mauer ein. Sie und ihre zwölf Mitarbeiter seien gerade noch rechtzeitig herausgekommen. „Es war entsetzlich. Die Stadt um uns ist zusammengebrochen“, sagte sie der AP.In Cali stürzten nach Angaben von Bürgermeister Alejandro Eder mindestens 40 Gebäude ein. Beide Städte verhängten eine Ausgangssperre, um Plünderungen zu verhindern.In Pereira untersagte die Stadtverwaltung zudem den Verkehr mit Privatautos, um den Weg für Krankenwagen, Polizei und Rettungskräfte freizuhalten. „Das ist eine Tragödie für die ganze Stadt, für Tausende von Familien“, sagte Bürgermeister Mauricio Salazar.Erst vor wenigen Wochen hatten die Kolumbianer ähnliche Bilder aus dem Nachbarland Venezuela mitbekommen, wo bei zwei aufeinanderfolgenden starken Erdbeben mehr als 6300 Menschen getötet wurden und Hunderte Gebäude zerstört wurden.AP/ceb