Nach dem schwersten Erdbeben seit Jahrzehnten in Kolumbien ist das ganze Ausmaß der Katastrophe noch nicht absehbar. Rettungskräfte suchten in eingestürzten Gebäuden nach Überlebenden. Die Regierung des südamerikanischen Landes rief nach dem Beben mit mehr als 100 Toten den Notstand aus.„An erster Stelle steht die Rettung der Menschen, die unter den Trümmern begraben sind“, sagte Präsident Abelardo de la Espriella. Die Regierung mobilisiere alle Ressourcen, sagte der erst seit wenigen Tagen amtierende Staatschef.Bei dem Beben der Stärke 7,4 kamen nach Angaben vom Montag mindestens 111 Menschen ums Leben. Die Behörden befürchten, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigen könnte. Zahlreiche Menschen wurden unter Trümmern vermutet.Auch die offizielle Zahl der Verletzten dürfte weiter ansteigen. Der Präsident sprach zunächst von 87 Verletzten. Die Gouverneurin von Valle del Cauca, Dilian Franco, wiederum nannte in einem Interview mit Blu Radio die Zahl von mehr als 550 Verletzten allein in ihrer Region im Südwesten. In Chocó wurden laut Gouverneurin Nubia Córdoba-Curi 119 Menschen verletzt.Mehr als 1.500 Wohnhäuser wurden offiziellen Angaben zufolge in mehreren Städten schwer beschädigt, darunter in Pereira, Cali und Manizales. Rund 60 Gebäude stürzten vollständig ein, wie De la Espriella sagte. Allein in der Stadt Pereira starben nach Angaben des Bürgermeisters Mauricio Salazar rund 55 Menschen. Dort seien 18 Gebäude eingestürzt und 60 weitere beschädigt worden. Das Beben ereignete sich um 7.34 Uhr Ortszeit. Das Epizentrum lag nahe San José del Palmar im Departamento Chocó in einer Tiefe von 103 Kilometern, wie der kolumbianische Geologische Dienst (SGC) mitteilte. Die Erschütterungen waren in mehreren Städten des Landes zu spüren. Im Anschluss wurden zahlreiche Nachbeben registriert. Einwohner suchten zusammen mit Rettungskräften in Trümmern nach Überlebenden. Anwohner helfen bei der Suche nach Überlebenden „Wir haben hier ein vierstöckiges Gebäude, das vollständig eingestürzt ist. Wir haben bereits drei Personen lebend bergen können“, sagte in Cali der diensthabende Feuerwehrchef im Viertel La Alameda gegenüber dem Sender „Caracol“. Zahlreiche Anwohner helfen demnach bei der Suche nach Erdbebenopfern in den Trümmern.Beschädigt wurden laut dem Präsidenten ebenfalls 18 Krankenhäuser und 52 Schulen. Die Stromversorgung sowie Telefon- und andere Kommunikationsverbindungen sind beeinträchtigt. Sechs Flughäfen sind dem Präsidenten zufolge wegen Schäden an ihrer Infrastruktur derzeit für den kommerziellen Flugverkehr außer Betrieb. In Manizales wurde auch die Kathedrale schwer beschädigt. Viele Gebäude zerstört In den Straßen schwankten Autos, Fensterscheiben klirrten und Menschen verließen panisch ihre Häuser. „Zuerst dachte ich, es wäre etwas Leichtes. Aber als es dann immer stärker wurde und nicht aufhörte, dachte ich, wir würden sterben“, schilderte eine Frau aus Manizales dem Sender „La FM“ den Moment des Bebens.„Ein Teil meines Hausdachs ist eingestürzt und die Wände sind rissig“, erzählt Juan Bernal aus der Stadt Armenia. Selbst im mehrere hundert Kilometer vom Epizentrum entfernten Bogotá war die Erschütterung noch deutlich zu spüren: „Die ganze Wohnung, das ganze Gebäude hat geschwankt. So ein Erdbeben habe ich hier noch nicht erlebt“, berichtete Kristin Wesemann von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). Eine ältere Bewohnerin von Cali wird von Hilfskräften in Sicherheit gebracht. © AFP/JOAQUIN SARMIENTO Die Erschütterungen waren unter anderem in den Städten und Gemeinden wie Bogotá, Medellín, Cali, Pereira und Manizales zu spüren, wie mehrere Medien berichteten. In Cali seien Teile von Gebäudefassaden beschädigt worden, in Manizales habe ein Turm der Kathedrale Schäden erlitten. Auch aus Pereira seien Gebäudeschäden gemeldet worden. In der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá wurden Gebäude evakuiert. Anwohner und Rettungskräfte durchsuchen die Trümmer eines eingestürzten Gebäudes, nachdem ein Erdbeben die kolumbianische Stadt Cali erschüttert hat. © dpa/Santiago Saldarriaga Besonders betroffen war auch die Provinzhauptstadt Quibdo. „Wir haben gerade ein schweres Erdbeben in der Provinz Choco erlebt“, erklärte Gouverneurin Nubia Carolina Cordoba-Curi auf der Plattform X. „Obwohl das Epizentrum in der Nähe von San Jose del Palmar lag, wurden in der Hauptstadt Quibdo Verletzte und erhebliche Gebäudeschäden gemeldet.“Präsident Abelardo de la Espriella ordnete die Einrichtung eines gemeinsamen Krisenstabs in San José del Palmar an. Dieser soll die Maßnahmen zur Bewältigung der Schäden und die Hilfe für Betroffene koordinieren. Zudem forderte der Präsident einen detaillierten Bericht über die Lage und den dringendsten Hilfsbedarf. De la Espriella kündigte an, persönlich nach Pereira zu reisen. (dpa/Reuters/AFP)
Rettungskräfte suchen nach Verschütteten: Mindestens 111 Tote in Kolumbien nach schwerstem Beben seit Jahrzehnten
Bei einem Erdbeben der Stärke 7,4 sind in Kolumbien mehr als 100 Menschen gestorben. Der erst kürzlich vereidigte Präsident Abelardo de la Espriella rief den Notstand aus.










